Zieht hier Ferrari überhaupt noch ein?

IMMOBILIEN ⋅ Das neue Wohn- und Geschäftshaus Downtown an der Baarerstrasse soll eigentlich auch Showroom für eine Autogarage von Luxuskarossen sein. Doch noch immer stehen die Gewerbeflächen leer.

24. November 2016, 05:00

Auf der Visualisierung im Internet stehen hier schon lange schicke Ferraris und Maseratis vor der Tür. Die Bäume blühen grün, und das Leben an der Baarerstrasse scheint seinen normalen Gang zu gehen. Doch allein die Tatsache, dass der Herbst die Blätter längst hat welken lassen und verfärbt hat, zeigt den Unterschied zwischen Bild und Realität. Denn nicht nur sind die visualisierten Bäume vor der Immobilie gerade erst gesetzt worden. Vor allem fragen sich derzeit viele Passanten, die hier täglich vorbeikommen, warum eigentlich nicht schon längst besagte Luxuskarossen in den Garagenflächen im Erdgeschoss ihr neues, repräsentatives Plätzchen eingenommen haben.

Die Rede ist vom fünfgeschossigen Neubau «Downtown Zug» an der Baarerstrasse 50–54. Noch im Sommer prangte hier ein grosses Werbeplakat, welches das neue Domizil des Autohändlers Pierre Sudan ankündigte. Doch im Erdgeschoss des Wohn- und Geschäftshauses herrscht noch immer nur gähnende Leere – dabei residiert die Ferrari- und Maserati-Garage ja seit Jahren nur einen Sprung weit entfernt auf der gegenüberliegenden Strassen­seite. Ein Umzug müsste also ein Leichtes sein. Zumal Pierre Sudan auch noch Bauherr der Immobilie ist. Und solche exklusiven Sportwagen in Zug ja nach wie vor gefragt sind.

«Unklar, wie es mit den Räumlichkeiten weitergeht»

«Im Augenblick ist es unklar, ob Ferrari in die neuen Räumlichkeiten überhaupt noch einzieht oder wie es dort grundsätzlich weitergeht», ist von der 720° Architekten AG in Pfäffikon zu erfahren, die den Bau erstellt hat. Diese bestätigt auch, dass die Immobilie an der Baarerstrasse fertiggestellt sei und nur noch Belagsarbeiten beendet werden müssten. Ein zweiter Mieter für die Gewerbeflächen im Erdgeschoss sei bislang auch noch nicht gefunden worden – weshalb die Räumlichkeiten wohl bis auf weiteres leerstehen würden.

Dabei klaffen allerdings nicht nur Lücken bei den Flächen im Erdgeschoss. Auch zahlreiche der 1,5-, 2,5- und 3,5-Zimmer-Mietwohnungen im dritten, vierten und fünften Obergeschoss des Wohn- und Geschäftshauses haben bis jetzt noch keine Mieter gefunden. Wer im Internet auf die entsprechende Seite der Mietwohnungen klickt, die offenbar seit Herbst auf dem Markt angeboten werden, sieht, dass bis jetzt nur etwa ein Drittel vermietet ist – obwohl die ersten Mieter anscheinend bereits am 1. September eingezogen sind. Will heissen: 20 der insgesamt 34 Wohnungen zwischen 1590 Franken Bruttomiete für eine 1,5-Zimmer-Wohnung mit 37 Quadratmetern etwa und 5996 Franken für eine 3,5-Zimmer-Wohnung mit 166 Quadratmetern sind laut Homepage noch verfügbar. Gemäss der Swiss Sport & Real Estate AG indes, die mit der Vermietung der Räumlichkeiten im «Downtown» betraut ist, sind dagegen schon 24 der 34 Wohnungen vermietet. Was stimmt denn nun genau?

Stellt sich zudem die Frage, wie attraktiv Wohnungen in Zug auf einem derartigen Mietzinsniveau inzwischen generell noch sind.

Pascal Kolly, Vermietungsspezialist vom renommierten Immobilienmakler Engel & Völkers in Zug, beruhigt. «Wohnungen in dem geschilderten Segment sind immer noch sehr gesucht – vor allem bei Schweizer Doppelverdiener-Paaren», so Kolly. Etwas in die Jahre gekommene Wohnungen hätten es etwas schwerer, da dauere die Vermietung etwas länger. «Es ist natürlich abhängig von der Lage und der Ausstattung, aber in der Regel vermieten wir solche Wohnungen innerhalb von drei bis vier Monaten», so der Immobilienmakler. Bei der Vermietung der Wohnungen besteht also noch Hoffnung auf Mieter.

Doch zurück zur Ferrari- und Maserati-Garage, die ja noch immer ihren Sitz an der Baarerstrasse 63 hat. Wie geht es denn da jetzt weiter im «Downtown»? Besitzer und Bauherr Pierre Sudan war gestern wiederholt für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. «Er steckt in einer Sitzung und hat jetzt keine Zeit für solche Sachen», entschuldigt ihn eine Dame am Telefon. Und was sagt die Pierre Sudan Leasing und Finanz AG dazu, die auch für die Vermietung und Verwaltung der neuen Immobilie an der Baarerstrasse 50–54 tätig und in dem modernen Gebäude ansässig ist? Nichts. Trotz mehrfacher Nachfrage.

Wolfgang Holz


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