Zwei Talente wollen hoch hinaus

ZUG / BAAR ⋅ Am 2. April zeigt SRF das zweite Halbfinale von «Die grössten Schweizer Talente». Mit von der Partie sind auch zwei junge Frauen aus dem Kanton Zug. Sie haben vor allem eines gemeinsam: Beide tanzen für ihr Leben gern.
26. März 2016, 09:00
Ganz oder gar nicht – mit diesem Motto geht Maja Luthiger durchs Leben. Sie tanzt durchs Leben, müsste man eigentlich sagen, denn das Tanzen bedeutet für die junge Zugerin alles. Sieben Tage die Woche probt die 29-Jährige jeweils sechs bis sieben Stunden am Tag. Maja Luthiger muss dabei ­einiges zurückstecken, für ihre Freunde oder Hobbys bleibt bisweilen nur wenig Zeit. «Man muss eben Kompromisse eingehen», sagt sie pragmatisch und fügt an: «Tänzer ist man oder nicht.» Eine starke Persönlichkeit mache einen guten Tänzer aus, und das bedinge, dass man «mit Leib und Seele» dabei sei.
 

Geschichten erzählen

Maja Luthiger ist eines von 13 Mitgliedern der Tanzgruppe Focus. Die Crew ist 2009 im Fricktal AG entstanden. Die Tänzerinnen und Tänzer, die jüngste ist 19 Jahre alt, stammen aus der ganzen Schweiz sowie aus dem Ausland. «Wir sind eine multikulturelle, bunt zusammengewürfelte Gruppe. Das ist es, was uns ausmacht», erklärt Maja Luthiger. Sie selber kam im letzten Sommer zu Focus, nachdem sie angefragt worden war, den Part einer bisherigen Tänzerin zu übernehmen, die aufgehört hatte. «So bin ich hängen geblieben», erzählt sie mit einem Lachen.

Nachdem die Truppe im Herbst beim «Dance2dance»-Wettbewerb als beste Schweizer Crew hervorging, will sie nun auch bei «Die grössten Schweizer Talente» hoch hinaus. In der Castingshow haben Maja Luthiger und ihre Kollegen das Publikum mit einer originellen und temperamentvollen Show in die 20erJahre entführt. «Wir erzählen Geschichten beim Tanzen. Ein roter Faden ist dabei wichtig», sagt die Zugerin. Maja Luthiger tanzte bereits auf grossen Bühnen, war als Solistin bei diversen Projekten zu sehen. Im Fernsehen aufzutreten, war für die ambitionierte junge Frau aber neu. «Auf der Bühne muss man nicht nur das Publikum und die Jury im Blick haben, sondern auch die Kameras. Das ist eine Herausforderung», berichtet sie. Mit dem Auftritt ihrer Gruppe ist Maja Luthiger zufrieden. «Klar, man könnte immer an Details weiterfeilen. Es braucht viel Flexibilität – vor allem wenn mehrere Tänzer zusammen funktionieren müssen. Unser Auftritt ist aus meiner Sicht aber gut gelungen.» Der nächste folgt bald, bis zum Halbfinal am 2. April in Kreuzlingen dauert es nicht mehr lange. «Wir proben derzeit sehr oft – auch für die Finalshow», verrät Luthiger. «Diese steht bereits, weil zwischen Halbfinal und Final nicht mehr viel Zeit bleibt.» Auch als erfahrene Tänzerin ist Maja Luthiger vor jedem Auftritt nervös. «Das gehört für mich dazu. Wäre ich nicht nervös, wäre wohl auch meine Körperspannung weg, was schade wäre», schildert sie.

Maja Luthiger tanzt seit ihrem fünften Lebensjahr. Lange Zeit hat sie ausschliesslich Ballett trainiert. Heute beschreibt sie ihren Stil als «Jazztanz mit vielen klassischen Elementen». Von 2002 bis 2013 war sie Mitglied der TDC Dance School in Baar, wo sie auch unterrichtete. In Hamburg liess sie sich in der Sparte Musical ausbilden, später bildete sie ihre Fähigkeiten in den Bereichen Ballett und Contemporary in New York weiter aus. Derzeit ist sie mitten in der Ausbildung an der Zürcher Tanz-Theater-Schule, die sie im Sommer abschliessen wird. Sie unterrichtet ausserdem in Luzern und Winterthur.

«Unglaublich vielfältig»

«Tanzen ist unglaublich vielfältig», beschreibt Maja Luthiger ihre Begeisterung für den Sport. Das Tanzen zum Beruf zu machen, ist ihr grosser Traum. Sie weiss aber, dass dieser nicht ganz leicht umzusetzen ist. «Es ist ein hartes Business», gibt sie zu. Aus diesem Grund hat die Zugerin auch den Bachelor als Primarlehrerin an der Pädagogischen Hochschule absolviert. «Ich möchte abgesichert sein», stellt sie klar. In erster Linie, davon ist Maja Luthiger aber überzeugt, wird sie immer Tänzerin bleiben – und das mit Leib und Seele.

 

Auch sie hat es drauf: Lea Friedli bei einem Sprung. Zoom

Auch sie hat es drauf: Lea Friedli bei einem Sprung. | Stefan Kaiser / Neue ZZ

Wenn du nur schon auf die Bühne kommst, haben dich alle gern.» Es war ein schönes Kompliment, das Johnny Fischer, Juror bei «Die grössten Schweizer Talente», Lea Friedli machte. Ihre Ausstrahlung ist aber nicht der einzige Pluspunkt der 17-Jährigen. Sie kann auch richtig gut tanzen. Mit einer energiegeladenen Choreografie hat sie sich in der Castingshow in die Herzen von Johnny Fischer und seinen drei Jurykollegen getanzt.

Spontane Teilnahme

Ihre Teilnahme bei der SRF-Talentshow kam spontan zu Stande, wie die aufgestellte Teenagerin aus Baar erzählt. «Ich war mit einem Freund im vergangenen Sommer am Caliente-Festival in Zürich. Dort wurden wir auf die Castingshow aufmerksam.» Ihr Kollege habe sie schliesslich überredet mitzumachen. Unterstützt und ermuntert wurde Lea Friedli dabei von ihrer langjährigen Tanzlehrerin. Sie sei bewusst mit tiefen Erwartungen in die SRF-Arena gegangen, erklärt Lea Friedli. Umso grösser ist ihre Freude, dass sie es in den Halbfinal geschafft hat. «Mitmachen zu können, ist für mich eine tolle Erfahrung. Ich werde es nun auf mich zukommen lassen und bin gespannt, wie meine zweite Choreo ankommt», sagt sie unbekümmert. Ihre Chancen könne sie schwer einschätzen. «Für mich zählt vor allem das Mitmachen.»

Ihre lockere Art bedeutet aber nicht, dass sie kein Lampenfieber hat. «Ich bin jeweils sehr nervös. Dringt jedoch die Musik aus den Boxen, ist es vorbei. Ich versuche jeweils, tief durchzuatmen und mir zu sagen, dass ich es gut kann. Das funktioniert meistens.»

Abschluss ist wichtig

Sportlich aktiv ist Lea Friedli seit langem. Ropeskipping, Reiten und Geräteturnen gehören zum Repertoire der jungen Baarerin. Mit dem Tanzen begann sie in der fünften Primarklasse – als eine Freundin sie zum Tanzunterricht in der TDC Dance School mitnahm. «So hat mich der Tanzsport gepackt», legt Lea Friedli dar. Von 2011 bis 2014 absolvierte sie die Kunst- und Sportklasse in Cham. Nach dem Abschluss begann sie mit der Ausbildung im Bereich Pädagogik an der Fachmittelschule in Zug. Später möchte sie ein Studium absolvieren. Genau wie Maja Luthiger (die übrigens einst Lea Friedlis Tanzlehrerin war) möchte das Nachwuchstalent «zur Sicherheit» einen nichtsportlichen Abschluss in der Tasche haben. «Wenn man sich als Berufstänzerin verletzt und dann nicht weitermachen kann, ist das verheerend.» Wohin es sie dereinst zieht, das weiss Lea Friedli noch nicht. «Ich bin ein unschlüssiger Mensch», erzählt sie ehrlich und offen. «Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, als Sportlehrerin zu arbeiten. Aber auch soziale Berufe interessieren mich.» Insgeheim hofft die 17-Jährige, dass sie ihre Leidenschaft dereinst zum Beruf machen kann. «Das wäre natürlich schon meine Hoffnung.»

«Entdecke immer Neues»

«Lyrical und Contemporary Jazz» nennt sich der Stil, den Lea Friedli tanzt. Sie möge aber auch Hip-Hop oder Ballett, schildert das Nachwuchstalent. «Ich entdecke immer wieder Neues und lerne dazu. Das alles versuche ich in meine Darbietungen einfliessen zu lassen.» Ihre Ideen entstehen häufig durch Improvisation, wie Lea Friedli erzählt. «Ich gehe für mich allein ins Studio und lasse mich von der Musik inspirieren.» Manchmal laufe es rund, aber auch sie habe «kreative Tiefs», wie sie es nennt. Soundmässig sei sie «mega offen», sagt die aufgeweckte Tänzerin. «Ich mag alles, ausser Schlager», erklärt sie lachend. Nun hofft sie trotz ihres Flairs für Musik, dass für einmal eine Tänzerin oder ein Tänzer – vielleicht ja sie selbst? – das Rennen bei der Talentshow macht. «In den letzten Jahren haben immer Sänger gewonnen. Es wäre also an der Zeit.»


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