Als die EVZ-Rechnung zwei Seiten umfasste

FUNDSTÜCK ⋅ In der Saison 1982/83 spielte der EV Zug in der 1. Liga. Nach einer atemberaubenden Serie von 22 Spielen ohne Punktverlust steigt er wieder in die Nationalliga B auf. Ein toller Erfolg, aber trotzdem ist die Vereinsrechnung rot.
03. Januar 2018, 08:56

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Der EV Zug ist heute ein Unternehmen mit einem Umsatz von über 30 Millionen Franken. Er stellt seit 1987 ein Team in der höchsten Schweizer Spielklasse. Auf die Spielzeit 2016/17 ist mit der EVZ-Academy ein zweites Profiteam (Swiss League) dazugekommen. Im Nachwuchsbereich werden derzeit zudem gegen 250 Jugendliche betreut und mit dem notwendigen Rüstzeug ausgestattet, um dereinst für Aufsehen sorgen zu können.

Da ist es erhellend, einmal eine EVZ-Bilanz aus dem Geschäftsjahr 1982/83 zur Hand zu nehmen. Mitsamt dem Budget für die Spielzeit 1983/84 haben dafür vor 35 Jahren noch drei A4-Seiten ausgereicht. In dieser Saison hat der EVZ in der 1. Liga gespielt. In der Spielzeit zuvor sind die Zentralschweizer nach einer katastrophalen Saison aus der NLB abgestiegen. Temporär hatten die Zuger mehr ausländische Spieler engagiert als Punkte auf dem Konto. In 38 Spielen gab es nur gerade 13 Punkte (Torverhältnis: 133:224).

Peter Gaw, der Topskorer aus der Einzimmerwohnung

Im Jahre darauf setzten die Zuger unter der Führung von Präsident Georg Keiser alles daran, um so schnell wie möglich wieder aufzusteigen. Ein Konkurs konnte nur dank einer Umschuldungsaktion abgewendet werden. Als Trainer verpflichtete der EVZ den erfahrenen Tschechoslowaken Frantisek Dum. Da in der 1. Liga keine Ausländer spielberechtigt waren, sind eingebürgte Akteure zum Handkuss gekommen. Der Neuzugang Peter Gaw mauserte sich auf Anhieb zum Topskorer. Vermutlich haben damals so viele Zuger wie seither nie mehr beim EVZ gespielt. Es waren dies: René Mettler, Franz Odermatt, Christian Nussbaumer, André Heimgartner, Sandro Bertaggia, Peter Stadler, Patrick Hager, Philipp Neuenschwander, René Schädler und Hansruedi Amsler. Der langjährige EVZ-Topskorer Heinz Jenni ist auf diese Saison wieder bei Zug gelandet. Sportlich ist der EVZ in dieser Saison unschlagbar. Er gewinnt alle 18 Meisterschaftsspiele und auch die Aufstiegsspiele gegen Ascona (13:1 und 3:0) und Uzwil (5:1 und 4:3). Es dürften weit über 8000 Zuschauer gewesen sein, die in der Hertihalle die Aufstiegsfeier am 4. März 1987 erlebt haben.

Ertrag und Aufwand wieder nicht ausgeglichen

Trotz des sportlichen Höhenfluges schliessen die Zuger die Saison 1982/83 mit einem Minus von 124000 Franken ab. Dies bei einem Gesamtaufwand von rund 531000 Franken. Eingenommen hat der EVZ in dieser Saison hingegen nur 407000 Franken. Die Spieleinnahmen wie auch die Gönnerbeiträge sind viel höher als budgetiert gewesen. Die Solidarität innerhalb des Klubs ist gross gewesen. Georg Keiser hat den Verein zusammen mit dem Sportchef Josef Havlik wieder in ruhiges Fahrwasser geführt. Den beiden Medizinern ist es gelungen, dass die EVZ-Fans wieder über sportliche Erfolge ihrer Lieblinge reden können.

Interessant ist auch, dass in der besagten Saison die Spieleinnahmen (181000 Franken) mehr als die Hälfte der Einnahmen ausgemacht haben. Die Werbeeinnahmen sind hingegen mit 32000 Franken noch bescheiden ausgefallen. Für den Spielbetrieb hat der EVZ damals 380000 Franken ausgegeben. Die Kosten für die erste Mannschaft werden dabei nicht speziell ausgewiesen. Damals scheinen zugezogene Spieler auch bescheidener gewesen zu sein. So hat Peter Gaw in einer einfachen Einzimmerwohnung im Zuger Stadtzentrum gelebt.

Dank dem Entgegenkommen vieler Gläubiger hat der EVZ damals die Kurve gerade noch gekriegt. Die Forderungen aus dem Nachlassverfahren werden in der Rechnung weiterhin aufgeführt, jedoch muss eine Rückzahlung nur geleistet werden, wenn der Verein einen Gewinn ausweist.

Im Jahr darauf können sich die Zentralschweizer auch dank dem Zuzug des tschechoslowakischen Superstars Ivan Hlinka in der NLB halten.


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