«Als Politiker ist man exponiert»

FACEBOOK ⋅ Auch die Zuger Politiker sind auf Facebook aktiv. Manch einer von ihnen bietet der Öffentlichkeit sogar recht persönliche Einblicke, gerade während der Ferienzeit. Doch nicht jeder Post ist ein guter Post.
13. August 2017, 05:01

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Wer sich die Profilseiten von Zuger Politikexponenten auf Facebook ansieht, stösst grösstenteils auf wenig Persönliches. Dies liegt auch daran, dass viele persön­lichere Bilder lediglich ihren Freunden zugänglich machen und nicht allen Facebook-Nutzern. Was die Zuger Politiker auf ihren öffentlichen Seiten posten, sind überwiegend Beiträge, die ihre politische Arbeit betreffen. Einige wenige stellen aber doch auch persönliche Bilder öffentlich wie Kantonsrat Jürg Messmer (SVP/Zug). Auf seinem Profil kann jeder die Aussicht vom Gartensitzplatz seines Schwagers sehen, aber auch Trauriges, wie etwa ihn selber mit seinem Schwiegervater. Das Foto postete er am Tag von dessen Beerdigung. Probleme sieht Messmer dabei keine. «Ich habe nichts zu verbergen und mache deshalb keine Unterscheidung zwischen öffentlichem und privatem Account.» Er gehe davon aus, dass auch das öffentliche Profil grösstenteils von Personen aufgesucht werde, die ihn sowieso kennen würden. Aber auch sonst würde es ihn nicht stören. «Als Politiker bietet man immer eine Angriffsfläche.» Was für ihn jedoch nicht in Frage komme, seien Fotos, auf denen Personen zu sehen sind, deren Einwilligung er nicht habe.

Nutzen würde er Facebook – nebst der Verbreitung seiner politischen Arbeit –, um mit weiter entfernt lebenden Freunden und Familienmitgliedern in Kontakt zu bleiben. «Da ist es einfacher, mit einem Post Neuigkeiten mitzuteilen, als jedem einzeln zu schreiben.» Angelegt hat er sein Profil ursprünglich wegen seiner Tochter. «Als sie etwa zehn Jahre alt war, wollte sie einen eigenen Account. Ich sagte: Das ist okay, aber nur, wenn du mich als Freund hinzufügst.›»

Es sind hauptsächlich SVP-Exponenten, die Privates auf Facebook zeigen: Fotos von einer Wanderung zur Alp Trupchun postet etwa SVP-Kantonsrat Ralph Ryser (Unterägeri). Auf einem ist auch sein Sohn zu sehen. Er sei noch neu bei Facebook und würde bei den Einstellungen noch etwas ausprobieren, sagt Ryser auf Nachfrage. «Normalerweise poste ich öffentlich nur Landschaftsfotos und nicht solche von Familienmitgliedern.» Bei der Wanderung am 4. August habe er eine Ausnahme gemacht.

Von der Zuger Exekutive postet einzig Bildungsdirektor Stephan Schleiss regelmässig Privates. So wird erkennbar, dass er seine Sommerferien in den USA verbrachte, wo er auch Museen besuchte. Ein Bild zeigt ihn posierend vor einer Concorde, ein anderes vor einer alten Air Force One und ein weiteres vor dem Nachbau einer Wasserstoffbombe. Dazu schreibt er: «Hydrogen Bomb, over 9 Megatons (Replica).» Die Kommentare zum Foto liessen nicht lange auf sich ­warten: «Der Daumen gehört runter!», schrieb ein Nutzer. «Dieses Bild birgt durchaus gewissen Sprengstoff ...», ein anderer. Nach Einordnung von Politikberater Mark Balsiger (Box) hätte Schleiss besagtes Foto nicht posten sollen.

Schleiss bereut sein umstrittenes Bild nicht

Auf Nachfrage sieht der Bildungsdirektor selbst kein Problem darin. «Die Kommentare stammen von Personen, die ich alle persönlich kenne», schreibt Schleiss. Er würde das Foto wieder so machen und es auch wieder bei Face­book zeigen. «Wasserstoffbomben wur­den ausserhalb von Tests nie gezündet. Das Modell, vor dem ich posiere, passt natürlich ins Museum.» Gleichwohl habe eine Nachbildung einer Wasserstoffbombe aber auch etwas Absurdes, jedenfalls in seiner Vorstellung, so Schleiss. Das Modell habe ihn spontan an Dr. Seltsam im Film von Stanley Kubrick erinnert. «Und dann kommt natürlich die ernste Seite dazu. Bomben wie diese waren für jenes Gleichgewicht des Schreckens verantwortlich, das uns in Westeuropa lange Zeit ein Leben in Frieden und Freiheit ermöglicht hat.» Zur Frage, wieso diese Bilder im öffentlichen Teil seines Accounts zu sehen sind, schreibt er, dass sich Politisches und Privates nicht trennscharf auseinanderhalten liessen. «Als ‹öffentliche Person› ist man immer exponiert.»


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