Ein amerikanischer Footballtraum ist geplatzt

OBERÄGERI ⋅ Labinot Arapi hat seine Zelte in Übersee abgebrochen und lebt wieder in Oberägeri. Der 23-Jährige hat lehrreiche Erfahrungen gemacht – und eine gefährliche Situation erlebt.
08. August 2017, 04:38

Michael Wyss

sport@zugerzeitung.ch

«Ich möchte keinen Augenblick missen. Es war eine grossartige Zeit, die ich in Amerika erleben durfte, und ich habe viele Freunde gewonnen. Schliesslich war der Weg mein Ziel und dieser geht für mich nun in der Schweiz weiter», sagt der Oberägerer Labinot Arapi. Der 23-Jährige mit kosovarischen Wurzeln war seit Januar 2016 in Amerika und studierte in St. Charles (Missouri) am College der Lindenwood University.

Im Team der Lindenwood Lions wollte Arapi den Grundstein für die Verwirklichung seines grossen Traums legen, einer Karriere als Football-Profi in den USA. «Wer weiss, vielleicht schaffe ich das. Ich bin ein Kämpfer», sagte er im Frühjahr 2016 gegenüber unserer Zeitung. Und gekämpft hatte der 184 Zentimeter grosse und 98 Kilogramm schwere Linebacker (defensive Position im Football) bis zuletzt. Schliesslich aber hat er seinen Traum aufgegeben.

«Sportlich habe ich mich weiterentwickelt. Es waren andere Gründe, weshalb ich mich entschied, mein Abenteuer abzubrechen», sagt der frühere Spieler des Zuger Vereins Midland Bouncers. «Der Coach gab mir keine Chance, trotz attestierter guter Leistungen auf und neben dem Feld. Das war sehr frustrierend für mich und eine riesige Enttäuschung. Finanziell hatte ich bisher gegen 25'000 Franken investiert.» Es seien «politische Gründe», schreibt Arapi auf seiner Facebook-Seite, die ihn dazu bewogen hätten, wieder in die Schweiz zu kommen. Damit meinte er konkret: «Als Ausländer hast du wenig Chancen in Amerika. Es wäre natürlich vermessen, von mir zu glauben, dass ich dies ändern kann.» Football ist die Nummer eins der Sportarten in den USA und der ganz grosse Nationalstolz. Die Amerikaner fangen bereits im Kindergarten an, Football zu spielen, und sind so im Vorteil. Das Auswahlverfahren für eine Aufnahme in die Profiliga NFL findet dann in den College-Teams statt.

Alle Erfahrungen waren es wert

Rückblickend sagt Arapi, der als Mental- und Fitnesscoach in Zürich arbeiten wird: «Ich habe in Amerika vieles gelernt, vor allem zu beissen. Es wird dir nichts geschenkt. Drei Mal täglich trainierten wir. Die erste Trainingseinheit war morgens um 5.45 Uhr. Von meinem Amerika-Abstecher konnte ich für mein jetziges Leben aber viel profitieren. Es war eine Zeit, die ich nie vergessen werde. Ich habe alles gegeben und alles erreicht, was in meinen Händen lag.» Der 23-Jährige hat darüber hinaus Land und Leute kennen gelernt. «Amerika hat mir viele Seiten gezeigt. Reichtum, Armut, Patriotismus, Oberflächlichkeit, Einsamkeit und Kriminalität.» Arapi geriet sogar einmal in einen Schusswechsel im Ausgang. «Wir hatten riesiges Glück, dass wir nicht getroffen wurden», erzählt er aufgewühlt.

Und wie geht es weiter in Sachen Football? «Ich würde gerne in der Schweiz weiterspielen, Football ist und bleibt meine ganz grosse Leidenschaft.»


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