Anwohner aus Hünenberg See geben nicht auf

ENNETSEE ⋅ Wegen der Umfahrung Cham-Hünenberg wird in einigen Wohnquartieren Mehrverkehr erwartet. Zwei Gruppierungen möchten deshalb die Durchfahrtssperre in Cham zeitweise aufheben – und kündigen an, ihre Einsprachen weiterzuziehen.
16. Mai 2017, 19:40

Es ist ein Verkehrsprojekt der Superlative: die Umfahrung Cham-Hünenberg (UCH), die die beiden Ennetseegemeinden dereinst vom Durchgangsverkehr entlasten soll. Und wie es umfangreiche Bauvorhaben so an sich haben, ist auch der Widerstand gross. 124 Einsprachen waren gegen das Projekt im Frühsommer 2015 eingegangen. Vor rund einem Monat gab die kantonale Baudirektion bekannt, dass die Einsprachen behandelt und die Gespräche abgeschlossen sind (wir berichteten).

Kritisch geäussert hat sich während der öffentlichen Auflage auch die Interessengemeinschaft Hünenberg See, ein überparteilicher Verein, der seit Ende 2014 besteht. Gemeinsam mit der IG Eichmatt, die sich aus Anwohnern der Eichmattstrasse zusammensetzt, wurden eine Sammeleinsprache sowie mehrere Einzeleinsprachen eingereicht. Die Einsprecher wollen die geplante Durchfahrtssperre durch Cham (diese soll als flankierende Massnahme der UCH umgesetzt werden) zeitweise, genauer zwischen 19 und 7 Uhr, aufheben. «Wir haben schon während der Projektphase im Begleitgremium immer wieder betont, dass die Entlastung des Zentrums Cham nicht im Übermass zu Lasten umliegender Wohnquartiere gehen darf», schreiben die beiden Gruppierungen in einer Mitteilung. Die erhöhte Lärm- und Schadstoffbelastung nachts und an den Wochenenden sei «unverhältnismässig und nicht zwingend, um das Zentrum von Cham zu entlasten», heisst es. Man werde deshalb an den erstinstanzlichen Einsprachen festhalten. Marc Zihlmann, Präsident der IG, präzisiert auf Anfrage im Namen des Vorstandes: «Der Kanton hat zwei Einspracheverhandlungen mit uns geführt. Zuerst stand die Baudirektion unserer Idee positiv gegenüber, doch offenbar wäre eine neue Auflage nötig, um unser Anliegen durchzusetzen. Deshalb sieht es nun danach aus, dass unsere Einsprachen abgelehnt werden.»

Mehrbelastung von Lärm und CO2 befürchtet

Für Zihlmann und seine Mitstreiter ist das unverständlich. «Unser Vorschlag wäre eine optimale Lösung», ist der Präsident überzeugt. «Ab 19 Uhr ist in Cham jeweils nicht mehr viel los – wieso dann einen Bogen um das Zentrum machen?» Durch die «Umweg-Kilometer», so befürchten die Anwohner aus Hünenberg See, komme es zu einer Mehrbelastung von Lärm und CO2. Bei einer freien Durchfahrt ohne Mindestaufenthaltsdauer während der Nacht- und Morgenstunden würden Zielorte direkter angefahren. Die Mitglieder der IG – seit ihrer Gründung haben sich der Gruppe über 100 Personen angeschlossen – warten nun auf den Entscheid der Baudirektion. Er hoffe nach wie vor, dass der Kanton dem Vorschlag eine Chance gebe, sagt der Präsident. Sollte der Entscheid gegen eine Teilaufhebung des Durchfahrtsverbots ausfallen, steht für Zihlmann fest: «Wir werden unsere Einsprachen weiterziehen.»

Was bedeutet dies für das Baubewilligungsverfahren der UCH, das derzeit läuft? Weil es sich um ein laufendes Verfahren handle, könne er sich nicht dazu äussern, sagt der Zuger Baudirektor Urs Hürlimann. Er verrät nur so viel: «Momentan werden die Entscheide redigiert.»

 

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch


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