Politiker fordern Einigkeit in Sachen Verkehr

RISCH/ROTKREUZ ⋅ Die Region Zug West boomt und wächst rasant. Das bringt deutlich mehr Verkehr mit sich. An einem Anlass in Rotkreuz diskutierten Lokal- und Bundespolitiker über neue Lösungen. Klar scheint einzig: Es braucht ein Umdenken.
14. September 2017, 04:55

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Während in Bern die Bundesratskandidaten der FDP in den Hearings den Fraktionen Red und Antwort stehen mussten, wurde am Dienstagabend in Rotkreuz über Lokales diskutiert. Der Gewerbeverein Risch-Rotkreuz sowie die örtliche CVP und FDP luden zum Wirtschaftsforum Risch-Rotkreuz. Thema des Anlasses war schlicht der Verkehr.

Inmitten aufgebockter Porsche-Modelle in der Werkstatt des Stuttgarter Luxusautobauers in Rotkreuz hörten sich 120 Personen, darunter auch einige Kantonsräte, zuerst die Ausführungen des Zuger Baudirektors Urs Hürlimann (FDP) und von CVP-Ständerat Peter Hegglin an. Danach folgte eine Diskussionsrunde mit den beiden Genannten sowie den Rischer Gemeinderäten Peter Hausherr (CVP), Ruedi Knüsel (FDP), Markus Scheidegger (CVP) und Roland Zerr (FDP).

Baut der Staat, gibt es grosse Verzögerungen

Urs Hürlimann gab in seinem Eröffnungsreferat einen Überblick über die Verkehrssituation im Kanton Zug. Dazu müsse man zurückblicken und sehen, wie weit man bisher gekommen sei. So wurde gemäss dem Gesamtverkehrskonzept von 2004 etwa die sechsspurige Autobahn umgesetzt. Doch es stocke auch: Gegen die Umfahrung Cham-Hünenberg seien zum Beispiel 124 Einsprachen eingegangen, so der Baudirektor. «Somit ist der Baubeginn frühestens 2021. Fertiggestellt ist die Strasse dann wohl nicht vor 2026 – also 20 Jahre nachdem das Volk den Bau beschlossen hat.» Die Quintessenz daraus sei, dass wenn der Staat baue, mit mindestens fünf bis zehn Jahren Verspätung gerechnet werden müsse. Für die verantwortlichen Politiker bedeute dies auch immer, «mögliche Entwicklungen abzuschätzen und ein wenig Kaffeesatz zu lesen», so Hürlimann. Denn niemand wisse heute, ob in 40 Jahren eine Strasse noch immer dringend benötigt werde oder ob völlig andere Bedürfnisse aufkommen würden.

Klar sei hingegen, dass man im Kanton Zug nicht noch mehr Einzonungen machen und weitere Strassen bauen wolle. Dafür fehle der Platz. Da die Wirtschaft aber weiter wachsen werde und müsse – sonst bleibe die Innovation auf der Strecke –, würden auch weiterhin immer mehr Personen nach Zug ziehen oder als Arbeitskräfte in die Region pendeln. Es werde zunehmend unmöglich sein, dass alle Leute allein mit dem Auto zur Arbeit fahren. Deshalb müsse man sich die Frage stellen, ob beispielsweise wirklich alle Schulen um 8 Uhr beginnen oder alle Geschäfte um 9 Uhr aufmachen müssten.

Auch zur Situation in Rotkreuz beziehungsweise Hünenberg (Bösch) äusserte sich Hürlimann. Der Kanton will bekanntlich beim chronisch überlasteten Kreisel Forren einen Bypass für die Blegistrasse bauen, ergänzt durch einen neuen Halbanschluss an die A4 von der Buonaserstrasse. Diesen Vorschlag wird der Kanton in Kürze dem Bundesamt für Strassen präsentieren. Er sei zuversichtlich, dass der Vorschlag dort auf offene Ohren stosse, so Hürlimann. Allerdings sei auch klar, dass die Lösung in der Region nicht überall gut ankommen werde. Zum Schluss appellierte der Baudirektor darum an die Anwesenden und an alle Rischer: «Bei allem was wir machen, ist wichtig, dass wir es zusammen machen und nicht jeder nur für sein eigenes Gärtchen schaut.»

Mit einer Stimme zu sprechen, sei zentral – gerade in Bundesbern, sagte auch Ständerat Peter Hegglin. «Wer mit einer einheitlichen Haltung auftritt, hat eine Chance.» Denn beim Verkehr werde auf Bundesstufe intensiv gestritten. Er persönlich setze sich klar für die Realisierung des Zimmerberg-Basistunnels ein. Ohne Ausbauten am Nadelöhr Zürich oder Luzern sei im Kanton Zug keine weitere Bahnentwicklung möglich.

Coop-Tankstelle als Behinderung

In der abschliessenden Diskussionsrunde ging es dann wieder um die lokale Situation. Angesprochen auf grosse Projekte in Risch, etwa der Suurstoffi oder betreffend der Ansiedelung weiterer Firmen, sagte Gemeindepräsident Peter Hausherr, weitere Einzonungen werde es in Risch keine geben, «jedoch Verdichtungen, gerade im Bahnhofbereich». Die Bereitschaft, dort auch in die Höhe zu bauen, sei in der Bevölkerung da.

Der Rischer Bauchef Ruedi Knüsel votierte für eine möglichst rasche Umsetzung des Bypasses beim Kreisel Forren. «Das würde Entlastung bringen und ‹nur› rund zwei Millionen Franken kosten.» Ein Problem sei die Coop-Tankstelle beim Kreisel. Durch die Ein- und Ausfahrten zur Tankstelle werde der Verkehrsfluss behindert. Eine Möglichkeit, diesem Umstand Abhilfe zu schaffen, sei, eine Ampelanlage bei der Tankstelle zu installieren, sagte Knüsel, worauf ein Raunen durch die Reihen ging.

Zum Schluss gelangte die Runde dann wieder zum Kern der Diskussion: Das Gebiet Zug West boomt. Das rasante Wachstum sei eine grosse – auch gesellschaftliche – Herausforderung, sagte Sozialvorsteher Roland Zerr. Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass der wirtschaftliche Erfolg halt auch die Schattenseite des Verkehrs mit sich bringe, dessen Probleme es nun gemeinsam zu lösen gelte.


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