Auch kleine Schulen sind wichtig

ZUG ⋅ Eine Abstimmung wird über den Fortbestand der Schule Finstersee in der Gemeinde Menzingen entscheiden. Wie steht es um die Situation der Quartier- und Weilerschulhäuser in anderen Zuger Gemeinden?
11. Januar 2018, 11:45

Die Pubertierenden der Stadt Zug sind während der Schulzeit einigermassen leicht zu überwachen: Die Oberstufe ist im Loretoquartier konzentriert. Anders sieht es auf der Primarstufe aus. Neun Schulhäuser sind über die Stadt verteilt. Darunter finden sich mit dem «Gimenen» und dem «Hänggeli» zwei, die man leicht übersehen kann. Es handelt sich um klassische Quartierschulhäuser aus den 1960er- respektive 1970er-Jahren, die neben Kindergärten eine Doppelklasse (1./2.) beziehungsweise zwei Primarklassen anbieten.

Im Gegensatz zur Schule im Menzinger Weiler Finstersee, über deren Fortbestand die Gemeindeversammlung im März befinden wird, sind die Stadtzuger Kleinschulhäuser nicht gefährdet: Die Bevölkerungszahl im Kantonshauptort steigt. Die Bildungsvorsteherin Vroni Straub-Müller (CSP) schreibt auf Anfrage von einer «konstant hohen Schülerzahl». Der kantonale Richtwert von 18 Kindern pro Klasse wird im Schulhaus Hänggeli an der Fadenstrasse genau erreicht, im «Gimenen» liege die Zahl bei durchschnittlich 20.

Die Notwendigkeit dieser Standorte ist auch darin begründet, dass in den beiden jeweils nahe gelegenen Schulhäusern Burgbach beziehungsweise Kirchmatt die Schüler gemäss Straub «aus Platzgründen» nicht unterkommen könnten. Kein Standort werde in Frage gestellt. Das war vor acht Jahren noch anders. Unter der Überschrift «Es braucht noch mehr Kinder» machte unsere Zeitung im Frühjahr 2010 auf die ungewisse Zukunft des Schulhauses Hänggeli aufmerksam. Per Schuljahr 2009/10 musste die 1. Klasse aufgegeben werden, weil nur zehn Kinder dafür angemeldet waren. In der Folge stieg die Schülerzahl wieder – und das Kleinschulhaus hat sich bis heute gehalten.

Eine Überbauung beendet den Engpass

Ebenfalls nur kurze Zeit zur Diskussion stand der Fortbestand des 1898 erbauten Schulhauses Niederwil. Im Jahr 1985 besuchten noch 23 Kinder die Gesamtschule im Chamer Weiler. Die zwei Jahre später fertiggestellte Überbauung Bachtalen in Rumentikon bedeutete die Rettung für das Schulhaus. In Rumentikon ist auch der heutige Chamer Bildungsvorsteher Beat Schilter (parteilos) aufgewachsen, hat aber in Hagendorn die Primarschule besucht. «Der Standort Niederwil steht weder politisch noch sonst zur Diskussion», sagt Schilter. Es bestehe auf dem ganzen Gemeindegebiet ein höherer Bedarf an Schulraum.

In Hünenberg wählte man im Jahr 2007 einen besonderen Weg, um das Mattenschulhaus vor dem Verwaisen und der Schliessung zu bewahren: die Einführung einer Tagesschule, also eines umfangreichen und kostenpflichtigen Betreuungsangebots neben dem Unterricht, inklusive Verpflegung. «Seitdem mussten wir diesen Schulstandort im Mattenboden nicht mehr in Frage stellen», schreibt der Hünenberger Schulpräsident Ueli Wirth (FDP) auf Anfrage. 
Dabei kann man auch auf Hilfe anderer Gemeinden bauen: Seit dem Jahr 2010/11 steht das Angebot zu den gleichen Tarifen auch Schülern aus Cham und Steinhausen offen.

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch
 


 


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