Simone Buhofer: Auf dem Weg zu den ganz Grossen

SPRINGREITEN ⋅ Die Hagendornerin Simone Buhofer (21) tut, wofür sie viele beneiden: Sie reitet und trainiert Pferde und ist dabei äusserst erfolgreich. In den nächsten Tagen misst sie sich mit dem europäischen Nachwuchs.
08. August 2017, 04:38

Nadine Wyss

sport@zugerzeitung.ch

Es riecht nach Pasta und Gewürzen, der Tisch ist gedeckt. Die 21-jährige Simone Buhofer steht in der Küche im Haus ihrer Eltern in Hagendorn und bereitet für ihren Freund Sergio Hauser (23) und Reiterkollege Nico Balmer (21) das Mittagessen zu. Die jungen Männer warten geduldig. Weniger geduldig ist der vier Monate alte Jack-Russel-Mischling Moritz. Er möchte lieber spielen oder gestreichelt werden. Er hat die Aufmerksamkeit auf sicher. Moritz wird gestreichelt und geknuddelt. Doch schon bald ist er müde und schläft unter dem Tisch ein.

Es liegt eine ereignisreiche Zeit hinter Simone Buhofer, die in den nächsten Tagen an den Europameisterschaften der Jungen Reiter im Einsatz stehen wird. Sie ist aus Holland in die Schweiz zurückgekehrt, nachdem sie über ein Jahr im Training bei Piet Raijmakers war. Der Umzug verlief nicht reibungslos, erzählt sie: «Weil etwas mit den Papieren nicht in Ordnung war, verzögerte sich die Einfuhr der Pferde.» Nach einem Hin und Her konnte Buhofer dann doch aufatmen und ihre Tiere im neuen Stall in Dielsdorf in Empfang nehmen. Die Zürcher Ortschaft soll neuer Dreh- und Angelpunkt der Springreiterin werden. In den 15 angemieteten Boxen stehen nicht nur die eigenen Pferde, sondern sie beherbergen auch die Handelspferde ihres Freundes. Sergio Hauser erwirbt junge talentierte Springpferde, die er fördert und weiterverkauft. Die Infra­struktur in Dielsdorf kommt ihm dabei zugute, aber auch das Umland hat es ihm angetan. «Es ist mir wichtig, dass die Pferde regelmässig ins Gelände können. Das tut ihnen gut, auch sie sollen zwischendurch auf anderem Boden gehen können», erklärt er.

Von Hagendorn in die weite Welt

Simone Buhofers Reiterkarriere begann auf dem elterlichen Reitbetrieb in Hagendorn. Die Liebe zu den Pferden wurde ihr sozusagen in die Wiege gelegt. Mit ihren Eltern und den drei Geschwistern verbrachte sie die ersten Jahre ihres Lebens auf dem weitläufigen Betrieb der Grosseltern. Die im nordischen Stil gehaltene Anlage ist umgeben von eingefassten Weiden. Der gepflegte Hof, der auch Pensionspferde beherbergt, liegt leicht erhöht an idyllischer Lage.

Nach den ersten Reitversuchen absolvierte Buhofer mit neun Jahren das Reiterbrevet und die ersten Springprüfungen. Nach bestandener Springlizenz wurde die talentierte Reiterin in das Juniorenkader aufgenommen. Einen weiteren Karrieresprung erlebte die Pferdenärrin bei Willi Melliger. Beim bekannten Springreiter trainierte sie drei Jahre. Mit Melliger als Trainer feierte sie die ersten Erfolge in der Hindernishöhe 140/145 Zentimeter und schaffte es im 2015 an die Europameisterschaft der Jungen Reiter. Einem Stage bei Holger Hetzel in Deutschland folgte einer bei Ulrich Kirchhoff in Italien. Kirchhoff war es wiederum, der Buhofer die Verlegung nach Holland zu Piet Raijmakers vorschlug. Das zahlte sich aus in der Form von Siegen und Klassierungen in nationalen und internationalen Turnieren bis Hindernishöhe 155 Zentimeter. Die ambitionierte Sportlerin hat damit einen weiteren Meilenstein geschafft und ist bei den Besten angekommen. Auf ihre bisher schönsten Erfolge angesprochen erklärt die 21-Jährige: «Jeder Gewinn ist schön, egal auf welcher Stufe.» Besonders gern erinnert sie sich jedoch an den 2. Rang an den Schweizer Meisterschaften und an die Nationenpreise, bei denen sie für die Schweizer Equipe starten durfte.

Jüngst darf sich Buhofer über Pferdezuwachs freuen. Neben der bewährten Stute Flying Girl kann sie drei neue Pferde ihr Eigen nennen: Coralie, Eljenhove und Livius van Orti werden künftig mit ihrer Reiterin um die Podestplätze kämpfen. Auf die Frage, wie sie das Talent und den Charakter eines Pferdes erkennen kann, antwortet sie: «Ein für mich wichtiges Indiz ist das Auge. Es gibt mir Auskunft über das Gemüt. Das Talent und den Willen erkenne ich dann beim Springen.»

Die Neuen müssen sich nun unter Beweis stellen und das Herz der Reiterin erobern. Dieses schlägt derzeit für «Flying Girl», mit der sie schon viele Erfolge feiern konnte und die auf ihre ehemalige Lieblingsstute Wimona folgte. «Wimona haben wir mit 14 Jahren und mit 40 Siegen bis 140 Zentimetern aus dem Sport verabschiedet», bedauert die Hagendornerin und ergänzt: «Man spürt, wenn es so weit ist.» Das ehemalige Springpferd ist nun auf der Weide und bereits tragend. «Meine Mutter hat den Hengst ausgewählt. Das Fohlen würde ich gerne behalten», sagt Simone Buhofer. Bei der guten Abstammung der Stute und dem Erfolgsausweis ist sie sich sicher: «Es wird bestimmt ein tolles Fohlen.»

Vorbilder aus Luzern und Holland

Buhofer startet in den nächsten Tagen mit der Stute Flying Girl für die Schweiz an der Europameisterschaft der Nachwuchsspringreiter. Es steht viel auf dem Spiel für sie. Sie träumt von einer Aufnahme in die Elite – zu den ganz Grossen möchte sie gehören. Demütig gibt sie zu, dass dies noch ein weiter Weg ist, steht sie doch mit ihren 21 Jahren am Anfang einer eventuell grossen Karriere. Sie erwähnt den Luzerner Werner Muff und den Holländer Jeroen Dubbeldam als Vorbilder. Mit Flying Girl und den neuen Pferden will Buhofer es ihnen gleichtun. Verläuft die Erfolgskurve weiterhin wie bisher, wird man in Zukunft noch viel hören und lesen von dieser ehrgeizigen jungen Frau.


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