Chefsache

Tiger im Zirkus: Aus der Zeit gefallen

Chefredaktor Harry Ziegler über Wildtiere in der Zirkusarena.
16. September 2017, 04:40

Das Halten und Vorführen von Wildtieren im Zirkus sorgt immer wieder für Kontroversen. Momentan gastiert ein Zirkus im Kanton Zug, der unter anderem mit Bengalischen Tigern auftritt. Der Widerstand gegen solches Vorführen und Auftreten wird zu Recht immer grösser. Der Direktor des im Kanton gastierenden Zirkus argumentiert in unserer Freitagsausgabe, dass «Tiere Teil der Zirkuskultur» sind. Und dass der Zirkus «schon immer einen Bildungsauftrag hatte». Diesen habe er früher erfüllt, indem er in abgelegenen Gebieten Dinge zeigte, die noch niemand kannte.

Ja, früher. Da mögen Wildtiere noch Teil der Zirkuskultur gewesen sein, weil man gemäss Bildungsauftrag mit dem Vorführen der exotischen Tiere etwas Wissen in abgelegene Gebiete brachte. Heute in Zeiten des Fernsehens und des Internets wirken solche Argumente wie aus der Zeit gefallen. Geradezu hilflos ist der Versuch des Direktors, sich den mittlerweile inexistenten, weil überholten Bildungsauftrag zurechtzuargumentieren: Der Zirkus habe es sich nun zur Aufgabe gemacht, auf die allgemeine Problematik der Tiere hinzuweisen.

Das machen auch die Tierschutzorganisationen. Sie weisen hin auf die Massentierhaltung oder die nicht artgerechte Haltung von Haustieren, auf die nicht vorhandene Akzeptanz von Wolf und Bär sowie die Situation von Wildtieren auch im Zirkus. Sie beobachten und kritisieren wo nötig diese allgemeine Problematik in der Haltung von und im Zusammenleben mit Tieren. Dafür braucht es den Zirkus nicht. Genau so wenig wie für die Erhaltung und Zucht gefährdeter Tier­arten. Das können spezialisierte Einrichtungen artgerechter und besser.

Harry Ziegler,

harry.ziegler@zugerzeitung.ch


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