Neubaupläne beim Bahnhof: Aus für zwei Traditionsgeschäfte?

ZUG ⋅ Das östliche Eckhaus am Bahnhofplatz wird abgerissen und durch einen Neubau mit Tiefgarage ersetzt. Knecht Mode und Confiserie Meier bangen darum um ihre Zukunft.
17. Mai 2017, 05:00

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Wo gibt es die besten Zuger Kirschtorten zu kaufen? Diese Frage kann nicht schlüssig beantwortet werden. Logisch: Denn auch Kirschtorten sind – wie die meisten anderen Esswaren – Geschmackssache.

Einer der Hersteller der Zuger Spezialität ist die Confiserie Meier. Deren Torten werden in der Chamer Städtler Allmend produziert und im einzigen Laden mit Café an der Alpenstasse 16 in Zug verkauft. Noch – zumindest. Denn spätestens Ende September 2018 müssen die Confiserie Meier und Ende Dezember 2018 das Kleidergeschäft Knecht Mode, die das Erdgeschoss des Hauses belegen, ausgezogen sein. Dies, weil das Haus am östlichen Rand des Bahnhofplatzes abgerissen und durch einen Neubau mit Tiefgarage ersetzt wird.

Nachfolgelösung bald bekannt

Sie wisse nicht, wie es weitergehe, sagt Catherine Meier von der gleichnamigen Confiserie. «Mein Mann wird im nächsten Jahr 70 Jahre alt und eine Nachfolgelösung steht bald an. Wir brauchen – auch darum – unbedingt eine Übergangslösung für die Zeit während des Neubaus und würden gerne wieder im neuen Haus als Mieter einziehen.» Natürlich sei dieses Szenario vom Angebot – sprich der neuen Miete – abhängig, ergänzt Meier. «Wir sind seit Jahrzehnten hier und würden sehr gerne am vertrauten Ort bleiben.»

Es sei eine sehr schwierige Situation für sie, sagt auch Silvia Mettler, die seit 30 Jahren bei Knecht Mode arbeitet und diese seit 24 Jahren besitzt. «Ich mache mir grosse Sorgen. Denn es geht bei uns um zehn Arbeitsplätze», sagt sie und fügt an: «Wir müssen zumindest für die rund zweijährige Bauzeit eine Ersatzlösung finden.»

Seit letztem Herbst ist Knecht mit der «Kollektion Rabe» im Geschäft an der Schmidgasse 4 vertreten, wo zuvor die Buchhandlung zur Schmidgasse war. Doch dieser Laden sei nur eine Ergänzung, betont Mettler. «Wir brauchen dringend einen Ersatzstandort für unser Hauptgeschäft.» Sehr gerne würde sie nach dem Neubau wieder am selben Ort einziehen, sagt die Geschäftsfrau. «Ich hoffe auf ein faires Angebot mit einer zahlbaren Miete. Dies umso mehr, als wir während der langen Bauzeit des neuen Bahnhofs lange hartes Brot essen mussten.»

Unbeantwortete Fragen

Ist im neuen Gebäude im Erdgeschoss weiterhin eine Gewerbenutzung geplant und wie stehen die Chancen der bisherigen beiden Mieter? Dazu gibt es von der Eigentümerin keine Antworten. Auch zu Gerüchten, dass künftig eine Fast-Food-Kette im Erdgeschoss eingemietet sein wird, lassen die Eigentümer nichts verlauten. Zu erfahren ist von Zurich-Mediensprecher David Schaffner einzig: «Das Gebäude an der Alpenstrasse 16 in Zug ist eine Anlageliegenschaft der Zürich Lebensversicherungs-Gesellschaft AG und muss wegen ihres Alters und des baulichen Zustands durch einen Neubau ersetzt werden.» Den Mietern sei gekündigt und die befristeten Verträge nicht verlängert worden. In Härtefällen würden die Mieter bei der Suche nach einer neuen Wohnung durch die Verwaltung unterstützt. Die Bauarbeiten begännen voraussichtlich Anfang 2019 und würden wahrscheinlich im Sommer 2020 abgeschlossen, ergänzt Schaffner und sagt: «Es steht Mietern und Interessenten frei, ihr Interesse für Ladenflächen, Büros oder Wohnungen bei der Verwaltung jetzt schon zu platzieren.»


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