Baden bei der einstigen Raffinerie

ROTKREUZ ⋅ Das Schwimmbad vor den Grosstanks des Bundes feiert sein 50-jähriges Bestehen. Gebaut wurde das Becken als Löschwasserreserve.
18. Juli 2017, 05:00

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Seit 50 Jahren können sich die Rischer im Sommer im Schwimmbad Rotkreuz abkühlen. Das 50-Meter-Becken leuchtet türkis in der Landschaft und hebt sich von der eher unschönen Tankanlage des Departements Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) des Bundes ab. Die für die Gemeinde charakteristischen Grosstanks stehen direkt zwischen Badi und Zuggleisen. Die Geschichte zu dieser Anlage liegt aber noch weiter zurück als diejenige des Schwimmbades, sie ist aber mit ihr verknüpft.

Während des Zweiten Weltkriegs baute die Ipsa – der Name ist italienisch und stand für Industria Petrolifera Svizzera, Società Anonima (Schweizerische Petrolium-Industrie AG) – die erste Erdölraffinerie in der Schweiz in Rotkreuz. Zuvor kaufte das Unternehmen den Hof von Johann Hägi im Umfang von fast 63 000 Quadratmetern, das rund 25 000 Quadratmeter grosse Riedland von Jakob Holzgang und das Wiesland in der Grösse von 3600 Quadratmetern von Verena Niederberger. Die damaligen Quadratmeterpreise schwankten zwischen 1.48 und 3 Franken. In den Kaufprotokollen stand als Zweck die Errichtung einer Erdölraffinerie. Gebaut wurde die Anlage von italienischen Ingenieuren und Arbeitern. In den Anfängen versuchte die Ipsa, Kaffeesatz zu Ölen zu verarbeiten. Dies gelang aber nie befriedigend, sodass das Unterfangen eingestellt wurde. Nach dem Krieg war die Ipsa dann als Ölraffinerie aktiv.

1961 ging die Anlage der Ipsa an die Eidgenossenschaft über. Als Löschwasserreserve von 3000 Kubikmeter baute das Oberkriegskommissariat (heute VBS) mit Beteiligung der Einwohnergemeinde ein Schwimmbad. Den Kredit von 270 000 Franken für die Rotkreuzer Badeanstalt sprach die Gemeindeversammlung am 18. September 1965 mit 152 zu 78 Stimmen. Das VBS lagert in den Grosstanks Flug-, Dieseltreibstoff und Heizöl. Inzwischen ist die Anlage nicht mehr wie in den 1960er-Jahren von Wald und Wiesen umgeben, sondern liegt heute mitten im Siedlungsgebiet, beispielsweise Nahe der Überbauung Suurstoffi. Im kantonalen Richtplan steht indes der Antrag des Kantons an den Bund zur Aufhebung des Tanklagers drin. Bis es so weit sein könnte, schwim­men die Badegäste aber weiterhin vor dem nichtalltäglichen Hintergrund.


Leserkommentare

Anzeige: