Berührungspunkte zweier Länder

ZUG ⋅ Die Kantonsschule erfreute sich hohen diplomatischen Besuchs. Zwei Vertreter der tschechischen Botschaft referierten vor interessierten Schülerinnen und Schülern.
19. Mai 2017, 07:22

Julian Koller

redaktion@zugerzeitung.ch

«Wir sind nicht hier, um Werbung oder Antiwerbung für die EU zu machen», betonte Pavel Bednár, Vertreter des tschechischen Botschafters in der Schweiz, am Mittwoch in der Kantonsschule Zug. «Wir wissen schon, dass ihr in dieser Hinsicht nichts von uns wollt», fügte er lachend hinzu. Sein Kopräsentator Pavel Škoda ist ebenfalls Diplomat. Er sitzt im tschechischen Botschaftsrat und ist Leiter der Wirtschaftsabteilung.

Zusammen brachten sie zwei Wirtschaftsschwerpunktklassen an der Kantonsschule Zug verschiedenste Aspekte rund um die Tschechische Republik näher. Anlass für den Vortrag war der Europatag am 9. Mai, zu dessen Ehren die Botschaft ihr Heimatland einigen Schulen in der Schweiz vorstellt. Die beiden Referenten erzählten von der Geschichte des Landes, insbesondere von wirtschaftshistorischen Entwicklungen, und stellten verschiedenste bekannte Marken wie etwa Škoda vor. Besonders faszinierten aber Ausführungen zum Diplomatenberuf und zum Thema EU, vor allem, weil sie dazu klar Stellung bezogen. Obwohl man in Tschechien nach wie vor mit Kronen bezahlt, ist man seit 2004 ein vollwertiges Mitglied der EU. Das hat dem Land viel Sicherheit, aber auch wirtschaftliche Entwicklungsbeschleunigung gebracht. Entsprechend hoch ist der Zuspruch für die Union unter den Abgesandten.

Internationale Konkurrenz

«Im Grunde genommen wollen in der Botschaft fast alle, dass die EU Erfolg hat. Auch wenn wir uns natürlich bewusst sind, dass sie sich in einer Zerreissprobe befindet, wie sie es wohl noch nicht erlebt hat», erklärt Pavel Bednár. Für Tschechien sei die Mitgliedschaft in EU und Nato in vielerlei Hinsicht von Vorteil, so seien zum Beispiel die Grenzen gesichert und Pufferzonen für politische und wirtschaftliche Krisen geschaffen. Pavel Škoda begründete die tschechischen Interessen an einer starken EU – welche in dieser Hinsicht übrigens deckungsgleich mit den Schweizer Interessen seien – zusätzlich auf internationaler Ebene. «Global gibt es drei Wirtschaftsgrossmächte, nämlich die USA, China und die EU», sagte er. «Und wir als Europäer sind sehr daran interessiert, dass wir uns in dieser Konkurrenz behaupten können. Niemand sagt aber, dass das einfach sei. Ich persönlich nenne die europäische Bewegung das komplizierteste Projekt der Welt.»

In der Fragerunde interessierte die Schülerschaft sich vor allem für den Beruf des Diplomaten an sich. Vor allem gelte es dabei immer daran zu denken, dass man sein Land repräsentiere, selbst in der Freizeit, erklärte Pavel Bednár. «Zum Beispiel bedeutet das, dass man, selbst wenn einen niemand kennt, in der Kneipe vielleicht nicht gerade unter den Tisch fallen sollte», konkretisierte er schmunzelnd.


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