Blick aus anderer Perspektive

UNTERÄGERI ⋅ Geni Häusler führte durch die historischen Gassen des Dorfs. Seine Anekdoten von anno dazumal gaben dem von der Bürger- und Einwohnergemeinde organisierten Rundgang eine authentische Note.
11. September 2017, 07:22

Nadine Wyss

redaktion@zugerzeitung.ch

Unter dem Motto «Dem Dorf ein Gesicht geben» begrüsste Geni Häusler seine 19 Gäste im strömenden Regen unter dem Vordach der Ägerihalle. Einheimische und Zugezogene interessierten sich für den Einblick der besonderen Art.

Der 69-Jährige schaffte es mit seinen Anekdoten trotz Dauer­regen, die Schar bei Laune zu halten. Der Dorfführer ist in Unterägeri aufgewachsen und kennt in seinem Heimatdorf jeden Fleck.

Am Anfang war der Sumpf

Aus dem beschaulichem Ort von früher ist ein Dorf mit rund 8500 Bewohnern geworden. Bevor die Lorze um 1860 kanalisiert und tiefer gelegt wurde, war der grösste Teil der heutigen Dorf­fläche ein Sumpfgebiet. Angeblich grassierten Sumpffieber und Malaria. Nur mit der Hilfe der Korporation, welche Land zur Kultivierung unter den Familien verteilte, war eine Existenz überhaupt möglich. Zusammen mit der Einwohner-, der Bürgergemeinde und der katholischen Gemeinde gehört die Korporation zu den vier Gemeinden von Unterägeri.

Auf die Postkutsche folgte die Strassenbahn. Es ist kaum vorstellbar, dass früher eine Bahn die Menschen vom Ägerital nach Zug beförderte. Auch kaum denkbar, dass früher die Verstorbenen von Unterägeri nach Oberägeri transportiert werden mussten. Unterägeri war damals keine Pfarrei und hatte somit auch keinen Friedhof. Heute verfügt das Dorf über zwei Kirchen und selbstverständlich über eine eigene Begräbnisstätte.

Der Dorfrundgang führte vorbei an der Pfarrkirche, dem Schulhaus Acher hinauf zum Seniorenheim St. Anna, welches seine Tore schliessen musste. Häusler erinnerte sich: «Früher war das St. Anna ein Krankenheim. Ärzte konnten kleinere Operationen durchführen, und Kinder kamen dort zur Welt.» Mit dem neuen Grossprojekt werden weitere Grünflächen verschwinden. «Zum Glück wird die alte Linde beim St. Anna bestehen bleiben.»

Daraufhin erzählte er, wie er früher mit dem Schlitten die steile Strasse heruntergefahren ist. Immer wieder kam Häusler auf dem Rundgang auf seine Kindheit zu sprechen: «Wir Kinder hatten ein anderes Leben damals.» Er erzählte von den Freiheiten, die sie hatten, von hohen Kletterstangen ohne Schutzmatten und dass er als Dreijähriger mit dem Beil Holzhacken durfte. Seine Mutter hatte diesen Moment mit der Kamera festge­halten.

Dass man jedoch die Zeit nicht festhalten kann, war den Interessierten nach eineinhalb Stunden bewusst. Einige fragten nach einer Fortsetzung. Geni Häusler verabschiedete sich und verschwand mit seinen Unterlagen zwischen den alten Häusern.


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