«Busangebote können nicht beliebig ausgebaut werden»

ÖV ⋅ Jene, die vom Ägerital nach Menzingen pendeln, kennen den Knoten Talacher gut. Die FDP Unterägeri und einige CVP-Kantonsräte wünschen sich eine Direktverbindung zwischen den Gemeinden. Bildungsdirektor Stephan Schleiss kennt das Problem.
12. Februar 2018, 11:43
Um von Unterägeri nach Menzingen mit dem Bus zu reisen, wechseln Pendler und Schüler der Kantonsschule Menzingen bei der Station Talacher das Gefährt – und dies kann während der Stosszeiten einige Zeit in Anspruch nehmen. Für die FDP Unterägeri zu viel. Sie hat beim Gemeinderat eine Motion eingereicht, denn die Ortspartei findet, dass eine direkte Busverbindung Abhilfe schaffen könnte.

Vor kurzem ging das Anliegen als Motion auch beim Regierungsrat ein. Die CVP-Kantonsräte Laura Dittli, Patrick Iten (beide Oberägeri) und Iris Hess (Unterägeri) beauftragen die Regierung «mittels einer direkten Busverbindung zwischen dem Ägerital und Menzingen das ÖV-Angebot an Werktagen morgens und abends zu optimieren.» Dabei sollen die Fahrzeiten auf den Unterricht der Kantonsschule Menzingen abgestimmt werden. Die neuen Fahrkurse sollen auf den Linien 1 und 2 angeboten werden. Die CVP begründet ihr Begehren darin, dass viele Schülerinnen und Schüler aus dem Ägerital die Kantonsschule Menzingen besuchen. Weiter werde die Schule nach dem Ausbau in drei Jahren Ausbildungsort für rund 450 Schüler sein.

Bildungsdirektor Stephan Schleiss (SVP) nimmt im Interview Stellung und erklärt, dass das Amt für Mittelschulen und das Amt für öffentlichen Verkehr miteinander in Kontakt stehen.
 

Stephan Schleiss, hat die Bildungsdirektion das Problem mit den Busüberlastungen Richtung Menzingen erkannt?

Ja, das haben wir. Weil die Busangebote aufgrund finanzieller Restriktionen nicht beliebig ausgebaut werden können, stehen das Amt für Mittelschulen und das Amt für öffentlichen Verkehr miteinander in Kontakt. Die Schulen konnten über schulorganisatorische Massnahmen einen wichtigen Beitrag zur Brechung der Verkehrsspitzen in den Morgenstunden leisten.

Sehen Sie einen sofortigen Handlungsbedarf?

Im aktuellen und im nächsten Schuljahr können wir die Verkehrsspitzen brechen. Auch per Schuljahr 2019/20 wird eine entsprechende Lösung angestrebt. Es dürfte allerdings sehr schwierig werden.

Hat die Bildungsdirektion bereits Gespräche geführt mit den Zugerland Verkehrsbetrieben und dem Amt für öffentlichen Verkehr?

Ja, solche Gespräche finden regelmässig statt.

Gibt es Lösungsansätze? Wie sehen diese aus?

Aktuell geht es um die Massnahmen zur Brechung der Verkehrsspitzen. Mittelfristig sind Umdisponierungen bestehender Kurse – etwa statt von Zug nach Menzingen, aus dem Ägerital nach Menzingen – sowie weitere Verstärkungskurse ausserhalb des Taktfahrplans zu prüfen.

Wie stark werden die Schülerzahlen nach Beendigung des Ausbaus der Kantonsschule Menzingen ansteigen?

Der Ausbau der Kantonsschule Menzingen kommt durch das Langzeitgymnasium zu Stande. Dadurch steigt die Zahl der Klassen jährlich um zwei an. Dieser Prozess setzte per Schuljahr 2015/16 ein und wird im August 2020 mit Start des Schuljahrs 2020/21 abgeschlossen sein. Die Kantonsschule Menzingen wird dannzumal mindestens 24 Klassen und damit insgesamt rund 500 Schülerinnen und Schüler umfassen.

Inwieweit wird dieser Anstieg das Problem noch verstärken?

Mehr Schülerinnen und Schüler brauchen auch mehr Transportkapazität.

Cornelia Bisch und Andrea Muff

redaktion@zugerzeitung.ch


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