Cham Paper ohne Papier

ZUG ⋅ Die Cham Paper Group trennt sich von ihrem historischen Geschäft. Sie verkauft die Papierproduktion und konzentriert sich auf den Immobilienbereich. Dafür wird die Firma umbenannt.
05. Dezember 2017, 21:39

Bereits seit 2015 wird in Cham kein Papier mehr hergestellt. Die Cham Paper Group hat damals die Produktion vollständig nach Italien verlagert. Nun wird der Papierbereich vollständig abgestossen. Das Traditionsunternehmen verkauft sein Spezialpapiergeschäft an den südafrikanischen Zellstoff- und Papierhersteller Sappi. Da das Papier nicht mehr zum Geschäft gehört, ändert die Firma auch ihren Namen: Aus der Papierproduzentin Cham Paper Group wird die Immobilienfirma Cham Group.

Insgesamt bezahlt Sappi 146,4 Millionen Franken. Nach Abzug von Schulden und Kosten fliessen der Cham Paper Group 125 Millionen Franken zu, wie die Zuger Gruppe gestern mitteilte. Mit dem Verkaufsertrag erhält die künftige Cham Group mehr Flexibilität für die Entwicklung des Papieri-Projekts. Auf dem alten Fabrikareal der Cham Paper Group – einem Fünftel der gesamten Fläche Chams – baut das Unternehmen Wohnungen sowie Dienstleistungs- und Gewerbeflächen. 2000 Personen sollen einst dort wohnen und 1000 Arbeitsplätze entstehen. Insgesamt will die Cham Paper Group 700 Millionen Franken in das Projekt stecken.

Wende im Papiergeschäft eigentlich geschafft

Mit dem Verkauf, der voraussichtlich im ersten Quartal 2018 abgeschlossen werden soll, gehören neu rund 360 Mitarbeitende zu Sappi. Die meisten davon arbeiten in den beiden italienischen Werken in Carmignano und Condino, rund 30 Personen in Cham. Mit dem Verkauf ändere sich für die Mitarbeitenden erst einmal nichts ausser dem Aktionär, sagte ein Sprecher der Gruppe.

Der Verkauf sei aus einer Position der Stärke erfolgt, erklärt die Firma. Nach der Verlagerung nach Italien wurde das Papiergeschäft wieder profitabel gemacht. Das Traditionsunternehmen erzielte in einem anspruchsvollen Umfeld erste operative Fortschritte. Dies gelang unter anderem dank effizienteren Betriebsabläufen und der Modernisierung der Produktionsanlagen.

Statt wie einst sieben betreibt das Unternehmen heute noch drei Papiermaschinen. Mit der Papierproduktion erwirtschaftete die Cham Paper Group in der ersten Jahreshälfte 2017 noch 91,6 Millionen Umsatz. Davon blieben 10,3 Prozent an Betriebsgewinn auf Stufe Ebit übrig. Auf der anderen Seite sei das Geschäft durch die Reorganisation jedoch zu klein geworden, um sich langfristig aus eigener Kraft am Markt zu behaupten, so der Cham-Group-Sprecher.

Wege führten auseinander

Dass die Wege von Immobilien und Papier auseinanderführen, war deshalb im Markt erwartet worden. Die Immobiliensparte und das Papiergeschäft passten schlecht zusammen, es bestand wenig bis kein Synergiepotenzial. Die Sappi-Gruppe hingegen, die rund 12000 Mitarbeitende beschäftigt, kann durch den Kauf ihr bisher eher kleines Spezialpapiergeschäft ausbauen und damit im höhermargigen Wachstumsmarkt mitmischen.

Der Konzentration auf das Immobiliengeschäft müssen die Aktionäre an einer ausserordentlichen Generalversammlung noch zustimmen. Denn der Verkauf verlangt eine Änderung des Gesellschaftszwecks der Firma. Nötig ist die Zustimmung von zwei Dritteln der an der GV vertretenen Stimmen. Der Verwaltungsrat stellt den Aktionären in Aussicht, die Aktie zu einem attraktiven Dividendentitel zu machen. An der Börse fand dies Anklang: Der Aktienkurs der Cham Paper Group kletterte gestern um 2,6 Prozent auf 430 Franken.

 

Roman Schenkel/SDA


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