Zug

Chrööpfelimee-Chorsänger: Auf das Gesamtpaket kommt es an

Jeweils am Alt-Fasnachtssonntag gehört die Zuger Altstadt während des Abends den Verliebten. Bettina Cerletti gibt Einblicke in die Vorbereitungen des teilnehmenden ChorXang für das Chrööpfelimee.
15. Februar 2018, 12:25

Sabrina Tanner

redaktion@zugerzeitung.ch

Wenn die laute Fasnachtszeit vorbei ist, wird es Zeit für sanfte Klänge. Am Alt-Fasnachtssonntag, dieses Mal am 18. Februar, findet das alljährliche Chrööpfelimee-Singen in den Gassen der Zuger Altstadt statt. An diesem Brauch, bestehend schon seit über 150 Jahren, nimmt auch Bettina Cerletti teil. Mit dem ChorXang ist die Zugerin, die als Primarlehrerin tätig ist, bereits seit mehr als sechs Jahren dabei und wird auch dieses Jahr wieder Liebespaare besingen.

Der Chor tritt heuer mit dem Motto «Schweizerlieder aus allen Sprachregionen» auf und widerspiegelt in seiner Liederwahl die Sprachvielfalt der Schweiz. Auf romanisch, italienisch, französisch und deutsch werden die Paare besungen. «Verglichen mit dem letztjährigen Motto, als sich alles um Hühner und Gockel drehte, ist das diesjährige Programm sanfter und die Lieder treffen mit ihren Wohlklängen mitten ins Herz», sagt Cerletti. Die fünf Stücke wurden von der Programm-Kommission, bestehend aus zwei Chormitgliedern und dem Dirigenten, extra für das Chrööpfelimee-Singen ausgewählt und mit dem Chor eingeübt.

Schlichte, aber originelle Tenues

Neben dem Singen streicht Bettina Cerletti die Wichtigkeit des Gesamtpakets hervor, welches den Klang der Lieder, deren Inhalt und Aussage, aber auch die Ansagen, die Performance und die Tenues beinhaltet und das zu einer stimmigen Atmosphäre beiträgt. Die Tenues von «Xang» sind schlicht, aber dennoch originell. Durch das schwarze Outfit rücken die Handschuhe in den Vordergrund, welche an den Fingerspitzen mit verstellbarem Licht versehen sind. In der Performance nimmt das Geflimmer die Hauptrolle ein.

Das gesamte Outfit lässt Spielraum für Interpretationen, die verschiedenen Farben könnten die sprachliche Vielfalt der Schweiz symbolisieren. Bettina Cerletti hat aus jedem Lied «Lichtmomente» herausgefiltert: das romanische Lied handelt von Sternen, in einem anderen dreht sich alles um Blumen.

Der Gesang steht im Vordergrund

Damit beim Auftritt nichts schiefläuft, werden um die fünf Proben einberechnet. Die Herausforderung liegt beim Auswendiglernen der Stücke. Dafür wurde auch ausserhalb der Proben fleissig geübt, auch mit Hilfe von Videoaufzeichnungen. Durch das Auswendiglernen befassen sich die Sängerinnen und Sänger sehr intensiv mit den Liedern und deren Inhalt. Im zweiten Schritt kommen die Bewegungsabläufe dazu. Trotzdem steht der Gesang im Vordergrund, welcher die Paare berühren soll. Auf die Frage, welche Reaktion sich Bettina Cerletti vom besungenen Liebespaar wünsche, antwortet sie, dass es ein wunderschönes Zeichen sei, wenn es sich während oder nach einem Lied küsst. Wenn man sehe, dass ein Paar näher zusammenrückt, sich tief in die Augen schaut oder den Tränen nah ist, berühre dies auch die Aussenstehenden. «Es sind die emotionalen und intimen Momente, welche diese Tradition so einzigartig machen.»

Traditionen sind in der heutigen Zeit häufig dem Untergang geweiht, nicht so aber das Chrööpfelimee. Bettina Cerletti sieht keinen Grund, an einen Verfall des Brauches zu glauben, im Gegenteil. «In der heutigen Zeit, in welcher jüngere Generationen wieder vermehrt traditionell heiraten, passt dieser Brauch ganz gut», so Cerletti. Dafür spricht die hohe Anzahl an Paaren, welche sich dieses Jahr angemeldet haben.

Martin Kühn, Chrööpfelimee-Meister in erster Saison, ist positiv gestimmt. Dieses Jahr haben sich 18 Paare angemeldet, das ist Rekordwert. Neben Pärchen aus Zug sind auch diverse andere Gemeinden vertreten, sogar zwei ausserkantonale Anmeldungen sind eingegangen. Auf die Frage nach den Gründen für diesen Rekordwert, antwortet Kühn mit der Werbung. Diese sei dieses Jahr intensiv betrieben und gestreut worden. Lob spricht Kühn auch den vielen lokalen Restaurants aus, welche diesen Brauch unterstützen und sogar speziell für das Chrööpfelimee öffnen, um den auswärtigen Paaren einen Ort für das Chrööpfelimee-Singen zu bieten.

Hinweis

Chrööpfelimee in Zug: Sonntag, 18. Februar, ab 17.30 Uhr.


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