Das Komitee Zimmerberg-Light gibt sich nicht geschlagen

ÖV ⋅ Das Bundesamt für Verkehr hat Ende September die Pläne für den Ausbauschritt 2035 präsentiert. In diesem Papier wird dargestellt, wie neuralgische Punkte im Bahnnetz entschärft werden sollen. Die Liste stösst auf Widerstand.
07. Oktober 2017, 05:00

Die SBB-Strecke Zürich–Zug–Luzern ist bezogen auf die Passagierzahl eine der zugkräftigsten in der Schweiz, aber als einzige Bahnarterie immer noch nicht durchgehend doppelspurig ausgebaut. Eine Störung auf diesen Einspurabschnitten bringt schnell den ganzen Fahrplan durcheinander. Das Problem ist schon lange erkannt, geschehen ist aber nichts.

Im vom Bundesamt für Verkehr (BAV) Ende September präsentierten Ausbauschritt 2035 hat nun der Zimmerberg-Basistunnel II (ZBT II) Aufnahme gefunden. Er würde zwei der erwähnten Einspurabschnitte umfahren. Er soll von Thalwil nach Baar-Litti führen. Einmal fertig würde der ZBT II die Fahrzeit von Zürich nach Zug um rund sechs Minuten verkürzen. Mit allen dazu notwendigen Zusatzausbauten (3./4. Gleis Baar–Zug, 3. Gleis Zug–Cham) im Kanton Zug kostet dieses Bauwerk laut BAV 2,2 Milliarden Franken. Zur Erinnerung: In den 1990er-Jahren ist einmal die Zahl 600 Millionen Franken für den ZBT II genannt worden.

Die vom Zimmerberg-Light-Komitee propagierte Variante eines zweispurigen Zimmerberg-Tunnels und einer zweiten Röhre durch den Albis – also der Ausbau der Stammstrecke auf zwei Spuren – wird in der umfangreichen BAV-Dokumentation kurz erwähnt. Näher untersucht wurde es nicht, dementsprechend fehlt auch ein Preisschild dafür.

«Die Vernehmlassungsvorlage ist unbefriedigend», sagt Martin Stuber. Er ist Vizepräsident von Pro Bahn Zentralschweiz. Was dem ehemaligen Kantonsrat sauer aufstösst: «Das BAV hat offenbar nicht alles angeschaut. Da bleibt das ungute Gefühl, dass dies auch anderswo auch so geschehen ist.» Doch Stuber und seine Kollegen sind es sich mittlerweile gewohnt, ihrem Anliegen Gehör zu verschaffen.

So stört sich Martin Stuber daran, dass nirgends ersichtlich ist, was der ZBT II für sich alleine kostet. Das BAV gibt vor, dass die vom Komitee genannte Möglichkeit geprüft worden sei. Das Projekt scheitert im Vergleich, weil es Folgekosten im Knoten Thalwil verursachen würde, die beim ZBT II wegfallen. Zudem würde dadurch der geplante Ausbau auf dem Streckenast Zürich–Chur teurer werden, und die Strecken von Zürich nach Chur, nach Luzern und in Richtung Gotthard «müssten auf Thalwil ausgerichtet werden». Das wiederum würde die Anschlüsse ans weitere SBB-Netz in Zürich und Zug «verschlechtern». Das BAV schliesst dann seine Ausführungen mit dem Satz: «Aus diesem Grund ist der ZBT II die klar bessere Alternative.»

Das Basistunnelprojekt hat seine Tücken

Martin Stuber vom Komitee Zimmerberg-Light kann diese Vergleiche nicht nachvollziehen. Das alleine schon wegen der Aussage des BAV, dass beide Varianten gleich viel kosten würden. «Das ist eine ziemlich absurde Behauptung», schüttelt Stuber den Kopf. Er rechnet – «fair kalkuliert» – mit Kosten von rund 600 Millionen Franken für den Zimmerberg light (ZBL). Doch nicht alleine der längere ZBT II verursacht bei Stuber Kopfweh. Auch die Verbindung zwischen dem neuen Tunnelportal unterhalb der grossen Autobahnbrücke in die bestehende Strecke sei sehr aufwendig, so seine Optik. Zudem befinde sich die Tunnelzufahrt in einem Waldgebiet mit besonderer Schutzfunktion gegen Naturgefahren. Das Gebiet im Bereich Deinikon ist zudem als Grundwasserschutzzone ausgewiesen. «Wenig bekannt ist, dass der Tunnelvortrieb von Baar aus erfolgen würde», gibt Stuber zu bedenken. Im Sachplan Verkehr steht dazu: «Gegenüber der ursprünglichen Planung soll der Vortrieb neu von Litti her erfolgen.» Der Bau des ZBT II sei kein einfaches Projekt, der ZBL wäre schneller zu bauen, fasst Stuber zusammen.

Wie der BAV-Sprecher Gregor Saladin sagt, werden die heute bestehenden Tunnel auch nach einer Eröffnung des ZBT II weiter für den Regionalverkehr gebraucht werden. Es sollen dort stündlich zwei Züge von Zug aus in Richtung Thalwil verkehren.

 

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch


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