Das neue Bordell in Oberhausen

ZUG ⋅ Das Seniorentheater zeigt nächstens das Stück «Dorfmoral uf Halbmascht». Zwei tragische Zwischenfälle haben die bisherigen Proben überschattet. Doch die Schauspieler haben Glück im Unglück.
05. Februar 2018, 08:32

Fabian Gubser

redaktion@zugerzeitung.ch

«Jetzt mues ich eifach en Kirsch ha!», sagt der Jäger in der Wirtsstube der fiktiven Gemeinde Oberhausen. Nachdem sich im Dorf ein Nachtclub installiert hat, gerät der sonst geregelte Alltag der Bewohner durcheinander. Während das Etablissement der Posthalterin ein Dorn im Auge ist, entschuldigen sich die Ehemänner bei ihren Gattinnen auffällig oft mit Nachtsitzungen des Gemeinderates. Was die Ehefrauen wohl dazu sagen?

Das ist der Auftakt des Stücks «Dorfmoral uf Halbmascht» des Seniorentheaters St. Johannes Zug. Am 15. Februar feiert es im gleichnamigen Pfarreisaal Premiere. Das Bühnenbild, eine gemütliche Dorfbeiz mit einem Jassteppich an der Wand, errichtete Toni Bieri aus Neuheim. Tragischerweise erlag der Bühnenchef vor vier Wochen im Alter von 77 Jahren unerwartet an einem Lungenleiden. Als wäre das nicht genug, erlitt der Hauptdarsteller Théo Müller aus Menzingen kurz darauf einen Herzinfarkt. Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut, sagt Kurt Studer, der Regisseur des Theaters. Der Ausfall des Hauptdarstellers, des Gemeindepräsidenten von Oberhausen, stellte die Organisation des Theaters auf den Kopf. Doch die Senioren hatten Glück im Unglück: Der Regisseur aus Thalwil nutzte seine Kontakte und fand schliesslich einen Ersatz aus Zürich, der die gleiche Rolle bereits gespielt hatte.

Musikalische Übergänge

Bei der Probe knapp einen Monat vor der Aufführung klappt bereits vieles. Das Stück gefällt mit schön gestalteten Übergängen: Beispielsweise, wenn vor geschlossenem Vorhang plötzlich Volksmusik erklingt, sich darauf der Vorhang öffnet und die Schauspielerin in das Lied «Alles, was ich bruch» miteinstimmt. Die Texte sitzen fast, ab und zu muss die Souffleuse nachhelfen. Da schmunzelt auch der konzentrierteste Schauspieler.

Trotzdem nehmen die Schauspieler ihre Rollen ernst. Die Frau des Gemeindepräsidenten, gespielt von Rita Pföstl, schmettert lustvoll mit Sätzen wie «Die Ehemänner werded no gseh, dass mier ned so uströchneti Huusmüettere sind, wie sie dänked!» um sich. Die 72-Jährige aus Hagendorn wirkt seit zehn Jahren beim Seniorentheater St. Johannes Zug mit. Es sei eine Herausforderung, auf der Bühne Getränke zu servieren und gleichzeitig zu sprechen. Pföstl sagt, dass sie von Jahr zu Jahr mehr Zeit brauche, um den Text auswendig zu lernen.

Der Verein wirbt neben den Schlagwörtern «Freude» und «Zufriedenheit» auch ganz pragmatisch mit einer verbesserten Gedächtnisleistung. Ein anderes Mitglied bestätigt, dass das «Gehirnjogging» eine wichtige Motivation zum Mitmachen sei.

Gute Übung für das Gehirn

Regisseur Studer benennt zwei Merkmale des Seniorentheaters: Einerseits stehen die Schauspieler vor der Herausforderung, fast immer in Rollen von jüngeren Personen zu schlüpfen, andererseits benötigen sie für das Auswendiglernen mehr Zeit als Jüngere. Das ist auch der Grund, weshalb die 20 Mitglieder seit Oktober zweimal pro Woche proben. Bis jetzt sei er den Umständen entsprechend zufrieden. Die Sicherheit bei den jeweiligen Einsätzen müsse noch verbessert werden, und an der Zusammenarbeit von Technik und Spiel werde er noch feilen.

14 Aufführungen haben die 65- bis 84-jährigen Senioren vor sich. Und danach wird wahrscheinlich auch Regisseur Studer «en Kirsch näh», bevor er sich bereits auf die Suche nach dem nächsten Stück machen wird.

Hinweis Die Aufführung vom 17. 2. fällt aus, die vom 19. 2. und 28. 2. beginnen neu erst um 19.30 Uhr. Alle Daten und Zeiten finden Sie unter www.seniorentheater.ch.


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