Der Subventionsvergleich der Zuger Krippen

FAMILIE ⋅ Die Gemeinden haben alle ihre eigenen Vorgaben beim Subventionieren von Krippenplätzen. Diese sind derart unterschiedlich, dass ein Vergleich fast unmöglich ist. Wir haben dies trotzdem versucht und bringen nun etwas Licht in die Angelegenheit.
12. November 2017, 10:07

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch

Kinderkrippen schiessen derzeit beinahe wie Pilze aus dem Boden. Der Grund dafür ist die steigende Nachfrage nach Kinderbetreuung ausserhalb der Familie. Bei dieser Entwicklung stehen die Subventionen von Gemeinden immer stärker im Fokus, denn viele der Familien sind bei Tagesansätzen zwischen 120 und 150 Franken auf solche angewiesen. Die Subventionsmodelle der Gemeinden für die Betreuung in Kinderkrippen waren denn auch in jüngster Zeit immer wieder Thema. So passten Cham, Baar und Unterägeri ihre Tarifmodelle an, und die Stadt Zug erarbeitet eine Vorlage für einen Wechsel von subventionierten Plätzen zu Betreuungsgutscheinen, die in allen anerkannten Krippen auch ausserhalb der Wohngemeinde eingesetzt werden können. Die Änderungen einzuordnen oder zu vergleichen, ist derzeit aber fast unmöglich. Denn jede der elf Zuger Gemeinden hat ihr eigenes System. Auch die drei Gemeinden mit Betreuungsgutscheinen – Baar, Cham und Steinhausen – können nicht ohne erheblichen Aufwand verglichen werden. Dieser Aufgabe hat sich die «Zuger Zeitung» gestellt.

Die Schwierigkeiten beim Vergleich

Ein zentraler Punkt bei solchen Subventionen ist jeweils das «massgebende Einkommen». Es ist die Messlatte, wie viel man erhält und ab welchen finanziellen Gegebenheiten es keine Subventionen mehr gibt. Hier beginnen die Schwierigkeiten des Vergleichs: Denn das massgebende Einkommen wird von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich berechnet. Zur Berechnung werden dabei unterschiedliche Positionen der Steuererklärung verwendet, und Abzüge werden unterschiedlich gewährt – was beim massgebenden Einkommen zu Differenzen von mehreren 10000 Franken führen kann. Ein weiterer Punkt, der den Vergleich schwierig macht, sind die unterschiedlichen Tarifstrukturen. Bei den einen Gemeinden sind diese linear, also gleichmässig höhere Tarife, je höher das massgebende Einkommen ist. Bei anderen wiederum nicht.

Um trotz diesen Unterschieden die Gemeinden ansatzweise zu vergleichen, braucht es Beispielfamilien. Hier sind es die fiktiven Familien Iten und Keiser. Beide sind sich in zwei Punkten gleich. Die Eltern sind in erster Ehe verheiratet, haben zwei Kinder im Krippenalter: Das kleinere ist ein Jahr alt, gilt also noch als Baby, das grössere drei Jahre alt. Wie auch heute noch in den meisten Familien, arbeitet die Mutter Teilzeit, hier 40 Prozent, der Vater 100 Prozent. Beide Familien zahlen gleich viel für Krankenversicherung – 700 Franken pro Monat – und wohnen zur Miete. Beide Familien geben ihre Kinder zu 40 Prozent, also zwei Tage die Woche, in die Krippe.

Die Beispielfamilien Iten und Keiser

Bei der Familie Iten verdient der Vater 5500 und die Mutter 1800 Franken. Also insgesamt 7300 Franken brutto. Sie haben ein Gesamtvermögen von 100000 Franken und wohnen für 1900 Franken pro Monat in einer Mietwohnung. In der Familie Keiser verdient der Vater 8500 Franken und die Mutter 2800, zusammen also 11300 Franken brutto. Das Gesamtvermögen beträgt 190000 und die Wohnungsmiete 3000 Franken im Monat. Da auch jede Krippe andere Preise hat, wurde für den Vergleich ein fiktiver Krippentagespreis festgesetzt: 145 Franken für Babys bis 18 Monate und 130 Franken für Kinder über 18 Monate. Ohne Subventionen würden beide Familien so für die Krippe rund 2370 Franken im Monat bezahlen.

Baar, Zug und Walchwil belegen Spitzenplätze

Die schlechter verdienende Familie Iten bezahlt am wenigsten, wenn sie in Baar wohnt (berechnet mit der neuen Tarifordnung ab Januar 2018). Dort flattert jeden Monat eine Rechnung von rund 236 Franken ins Haus. Am schlechtesten käme sie in Risch weg, wo sie monatlich rund 1522.22 Franken bezahlen müsste. Würde die Frau also zu Gunsten der Kinderbetreuung zu Hause bleiben, hätte die Familie nur 100 Franken weniger auf dem Konto, als wenn die Frau 40 Prozent arbeitet. Risch liegt vor allem deshalb an letzter Stelle, weil die Gemeinde keine subventionierten Babyplätze hat. Für das einjährige Kind müsste die Familie Iten also eine andere Krippe zu regulären Preisen buchen. Wären beide Kinder nicht mehr Babys, wäre Risch ­jedoch noch immer – gemeinsam mit Oberägeri und Unterägeri (berechnet mit der neuen Tarifordnung ab Januar 2018) – auf den hintersten Plätzen. Zum Leben blieben der Familie Iten in Risch noch rund 2450 Franken, nach Abzug der Krippenkosten, Krankenversicherung und Wohnungsmiete.

Anders sieht es für die Familie Keiser aus. Sie käme in der Stadt Zug am günstigsten weg, mit Krippenkosten von 812 Franken. Am teuersten wäre es in Unterägeri, Oberägeri und Risch, wo sie bis zu 1789.65 Franken monatlich bezahlen müsste. Vom mütterlichen Lohn wären noch rund 700 Franken übrig. Insgesamt blieben den Keisers in Unterägeri, Oberägeri und Risch noch rund 8300 Franken im Monat.

Viele Faktoren spielen zusätzlich eine Rolle

Was hier jedoch noch nicht verglichen wird, ist die maximale Höhe des massgebenden Einkommens – also die Obergrenze, bis wann Subventionen ausgezahlt werden. Denn beide Beispielfamilien sind so gewählt, dass sie in allen Gemeinden Subventionen erhalten. In der Gemeinde Unterägeri ist die Familie Keiser in einer der höchsten Kategorien, die noch Subventionen erhalten. 2000 Franken mehr Lohn und sie müsste den vollen Preis für die Krippe bezahlen. In der Stadt Zug befindet sie sich hingegen in der Tarifliste erst am Anfang des oberen Drittels. In Cham befindet sie sich gar noch in der Mitte der Tarifliste.

Ebenfalls im Vergleich noch nicht berücksichtigt sind die Chancen auf einen subventionierten Platz. So sind beispielsweise in der Gemeinde Risch nur die Plätze ihrer gemeindeeigenen Krippe vergünstigt. Dies sind 24 Plätze pro Tag. Sind diese voll, muss man auf eine Krippe ohne Gemeindegelder ausweichen. Auch in allen anderen Gemeinden, die noch nicht mit Betreuungsgutscheinen arbeiten, ist die Zahl der subventionierten Plätze beschränkt. So zahlt beispielsweise die Stadt Zug sehr grosszügig Subventionen, im vergangenen Jahr standen aber 53 Babys und 60 Vorschulkinder auf der Warteliste für einen Krippenplatz – die Mehrheit von ihnen wartete auf einen subventionierten Platz. Die geplante Umstellung auf Betreuungsgutscheine soll hier Abhilfe schaffen.

Vergleich gilt nur ansatzweise

Abschliessend muss angefügt werden, dass aber auch die Zahlen, die für diese Beispielfamilien gelten, möglicherweise nur begrenzt stimmen. Denn auch wie die Krippenpreise auf den Monat gerechnet werden, wird unterschiedlich gehandhabt. Bei einer Gemeinde wie Risch wird die Lage noch komplizierter, da sie die Krippe selber führt und nicht klar ist, wie viel ein Krippenplatz dort wirklich kostet. Deshalb können klare Rückschlüsse, wie hoch der Subventionsbeitrag der jeweiligen Gemeinde ausfällt, nur begrenzt gemacht werden; solange die Tarifmodelle nicht vereinheitlicht werden (siehe Box), wird ein genauerer Vergleich wohl nicht möglich sein.


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