Der Stadtschreiber bleibt in Zug

WAHLEN ⋅ Martin Würmli hat sich gegen eine Kandidatur um das Stadtratsamt in St. Gallen entschieden. Berufliche und private Gründe halten ihn hier. Trotzdem schlägt er die Türen in der Ostschweiz noch nicht ganz zu.
18. Mai 2017, 08:29

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Martin Würmli hat sich ent­schieden: Er bleibt in Zug und damit der Stadt Zug als Stadtschreiber erhalten. Der 39-Jährige verzichtet auf eine Kandidatur als Stadtrat in seiner Heimatstadt St. Gallen. Würmli war als vielversprechender Kandidat für die Nachfolge des CVP-Stadtrats Nino Cozzio gehandelt worden. Dieser tritt krankheitsbedingt per Ende Jahr zurück. Die Ersatzwahlen finden am 24. September statt («Zentralschweiz am Sonntag» vom 14. Mai). Martin Würmli präsidierte die CVP der Stadt St. Gallen und sass bereits für die Partei im Stadtparlament.

«Nach einem Wochenende mit vielen Diskussionen und nach langem Hin-und-her-Überlegen habe ich mich definitiv entschieden, hier in Zug zu bleiben», sagt Martin Würmli. Der Entscheid, zu verzichten, sei ihm nicht leichtgefallen. Einerseits hätte ihn diese Aufgabe wirklich gereizt. «Die Stadt St. Gallen bedeutet mir nämlich immer noch viel, und es wäre toll, die Zukunft St. Gallens an vorderster Front mitzugestalten.» Zudem sehe er in seiner heutigen Tätigkeit als Stadtschreiber auch, wie spannend ein Exekutivamt sein könne.

Einige Projekte zu Ende bringen

Andererseits spreche auch vieles gegen eine Kandidatur: Zwar hatte der Zuger Stadtrat grünes Licht gegeben. «Der Zeitpunkt ist aber wirklich sehr ungünstig. Nicht nur weil ich erst rund drei Jahre in meiner jetzigen Funktion als Stadtschreiber tätig bin.» Er sei aktuell in verschiedene spannende und verantwortungsvolle Projekte involviert, die ihm am Herzen lägen und die er deshalb nicht leichtfertig aufgeben, sondern zu Ende führen möchte, betont Würmli. Dazu zählen der Umzug der Stadt­verwaltung und deren Zentralisierung im ehemaligen L & G-Gebäude an der Gubelstrasse. «Ich bin hier derzeit umgeben von einem Team, mit dem ich sehr gerne und gut zusammenarbeite. Alles in allem lässt sich sagen, dass es mir hier gefällt. Ich habe zudem eine spannende, vielseitige Aufgabe. Diese möchte ich noch ein paar Jahre weiter- und die begonnen Arbeiten zu Ende führen», so der Stadtschreiber.

Martin Würmli ist seit knapp drei Jahren als Stadtschreiber in Zug tätig. In die Zentralschweiz gekommen ist er allerdings nicht allein wegen der Arbeit. Auch private Gründe haben zu diesem Entscheid geführt. Denn Würmlis Frau ist hier aufgewachsen. Es sei denn auch die private Situation, die ebenfalls gegen einen Wegzug spreche. «Ein Wechsel nach nur drei Jahren scheint uns verfrüht», sagt Würmli.

Kandidatur zu einem späteren Zeitpunkt?

Ganz zuschlagen will der 39-Jährige die Türen in St. Gallen und vor allem für eine politische Karriere allerdings noch nicht. Er habe in Zug ein neues Kapitel seines Leben angefangen, und dieses Kapitel sei noch nicht zu Ende geschrieben. «Ich würde viele leere Seiten hinterlassen, wenn ich jetzt wieder zurück nach St. Gallen wechseln würde. Das möchte ich nicht. Ob dann aber das nächste Kapitel in St. Gallen, Zug oder sonst wo spielt, wird sich zeigen.» Gemäss dem «St. Galler Tagblatt» hat Würmli allerdings durchaus weitere Ambitionen. So äusserte er gegenüber der Zeitung, dass er sich in ein paar Jahren durchaus vorstellen könne, in seine Heimatstadt St. Gallen zurückzukehren und politische Verantwortung zu übernehmen. Beispielsweise dann, wenn ein neuer Stadtpräsident als Nachfolger von Thomas Scheitlin (FDP) gesucht werde.


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