Busparkplatz soll an den Stadtrand

ZUG ⋅ Es könne nicht sein, dass ein Grundstück an bester Lage in der Stadt als Busparkplatz verschwendet werde. Das finden zwei Gemeinderäte. In einer Motion fordern sie den Stadtrat darum auf zu handeln.
06. Dezember 2017, 05:00

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Wo der neue Hauptstützpunkt der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) mit Werkstatt zu stehen kommen soll, sorgt derzeit für Diskussionen. Geht es nach dem Willen der Zuger Regierung, wird er auf dem heutigen Areal an der Aa zwischen dem Verwaltungszentrum und dem kaufmännischen Bildungszentrum für rund 190 Millionen gebaut. Mit dieser Lösung sind jedoch nicht alle glücklich. Vor allem aus der Stadt Zug gibt es kritische Stimmen zu diesen Plänen. Der Kantonsrat wird voraussichtlich im Frühjahr 2018 die ersten Schritte bezüglich des Hauptstützpunkts beraten.

Nun befeuern die Mitglieder des Grossen Gemeinderats der Stadt Zug, Martin Eisenring (CVP) und Philip C. Brunner (SVP), die Diskussion mit einer Motion. Ihre Forderung: Der Hauptstützpunkt der ZVB soll im Göbli angesiedelt und das heutige Areal «freigespielt» werden. Die Stadt besitzt dort fast 40 000 Quadratmeter Land. Darauf soll unter anderem der Ökihof gebaut werden. Dessen Planung ist im Gange. Brunner und Eisenring richten an den Stadtrat mehrere Aufträge. Er soll zum einen die Planung im Göbli ausdehnen und auf die Möglichkeit ausrichten, «ein grosszügiges Infrastrukturprojekt inklusive ZVB-Stützpunkt zu planen». Zum anderen soll der Stadtrat mit dem Kanton und den ZVB in Verhandlungen treten und sie einladen, sich an der Planung im Göbli zu beteiligen. Im Gegenzug soll der Kanton der Stadt ermöglichen, sich an der zukünftigen Planung für das ZVB-Gelände an der Aa zu beteiligen. Und schliesslich müsse mit den SBB eine Verlängerung des Pachtvertrags für das Areal des Güterbahnhofs erwirkt werden, auf dem sich heute der Ökihof befindet. Der Vertrag läuft Ende 2019 aus. Danach muss der Ökihof umziehen.

«Filetstück» besser nutzen

«Das Areal an der Aa, auf dem sich heute der ZVB-Hauptstützpunkt befindet, ist ein Filetstück in der Stadt Zug», sagt Philip C. Brunner. Dass der Kanton dieses Grundstück auch für die nächsten Jahrzehnte «blockiert», um darauf Busse zu parkieren, sieht der SVP-Gemeinderat nicht ein. «Wir haben jetzt die Chance, diese Fläche freizuspielen und für die Stadt einen echten Mehrwert zu schaffen», so Brunner weiter. Der SVP-Gemeinderat hat denn auch schon diverse Ideen, wie das Areal dereinst genutzt werden könnte. Denkbar seien etwa ein Hotel, ein Kongresszentrum, Wohnungen, Dienstleistungsbetriebe, eine Zentralisierung der kantonalen Verwaltung, Grünflächen oder eine direkte Verbindung zu den Erholungsräumen am See. Für Martin Eisenring macht es ebenfalls keinen Sinn, für einen neuen Hauptstützpunkt an dieser Lage 190 Millionen Franken zu investieren. «Vor allem, weil es ein Areal an einer Toplage ist. Man kann hier etwas wesentlich Besseres für die Bevölkerung machen», so der CVP-Gemeinderat.

Neben der «Verschwendung des Grundstücks im Stadtzentrum» sehen Brunner und Eisenring auch Synergien, die mit dem Standort im Göbli genutzt werden könnten. Das Göbli-Areal befinde sich an guter Zentrumslage, und es werde mit der künftigen städtischen Entwicklung in den nächsten Jahren noch zentraler, ist Eisenring überzeugt. «Mit dem Bau der Tangente wird das Göbli verkehrstechnisch sehr gut erschlossen.» Eisenring kann sich durchaus vorstellen, dass dann die Busse vom Berg über die Tangente geführt werden. «So könnten das Gebiet rund um den Postplatz und die Neugasse auch vom Verkehr entlastet werden.»

Stadt scheint vom Vorschlag überrumpelt

Die betroffenen Stellen, namentlich der Kanton und die Stadt Zug, halten sich mit Kommentaren zur Idee von Brunner und Eisenring zurück. Der Kanton hat die Motion zwar zur Kenntnisnahme erhalten, verweist aber für eine Stellungnahme auf die Stadt Zug. Diese wiederum scheint vom Vorschlag der Motionäre etwas überrumpelt zu sein. Man könne und wolle zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen. Es gelte erst, eine Auslegeordnung zu machen, sagt der städtische Bauchef André Wicki. Dass sich die Stadt Zug schon selbst einmal in diese Richtung Gedanken gemacht hat, ist aufgrund der Reaktion nicht anzunehmen. Wicki sagt einzig: «Das Land im Göbli ist eine strategische Landreserve. Was dort neben dem Ökihof angesiedelt wird, ist offen.»

Den Motionären ist bewusst, dass ihr Vorschlag etwas spät kommt, da die Planung für das Areal im Göbli bereits läuft. «Es ist fünf vor zwölf. Aber es ist noch nicht zu spät. Es lohnt sich, dass Stadt und Kanton hier die Scheuklappen ablegen und die Planung überdenken», findet Martin Eisenring. Philip C. Brunner seinerseits bedauert und ist verwundert darüber, dass die Stadt noch nicht selbst auf diese Idee gekommen sei. «Sie schafft es offenbar nicht, Visionen zu entwerfen.»


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