Seit 35 Jahren das Detail im Sucher

BAAR ⋅ Den Fotoclub in Inwil gibt es seit 35 Jahren. Ein Besuch vor einem der Monatstreffen zeigt einen Verein, der mit den ständigen Veränderungen in der Fotografie Schritt halten will.
12. September 2017, 04:39

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Daniel Dubach steht im Saal ­­­ des Inwiler Mehrzweckzen­­­­trums Rainhalde. Der 49-jährige Chamer skizziert per Handzeichen, wie die jetzt leere Fläche in rund einer Stunde zum Leben erweckt wird: durch Tische, auf denen ausgedruckte Fotos liegen, und Diskussionen, die sich um jene Bilder drehen. Die Mitglieder des Fotoclubs Baar-Inwil (Fobi) treffen sich an jenem Abend zum ersten Mal nach den Sommerferien. Es gilt, die Ausbeute des Sommers zu sichten, zu besprechen und zu kritisieren. «Es ist ein lockerer Auftakt», sagt Dubach, dem man ohne jeden Zweifel zutraut, ein pflichtbewusster Vereinspräsident zu sein. Dennoch sind Ablauf und Regeln vorgegeben.

Nicht zum ersten Mal im Gespräch mit Dubach wird klar, dass hier nicht einfach ein paar Hobbyfotografen zusammenkommen, um ihre Bilder von Sonnenuntergängen zu vergleichen und möglichst eilig zum Bier überzugehen. Hier treffen sich wissbegierige Enthusiasten mit Blick für technische und ­ästhetische Details. Und Schönwetterfotografen sind sie erst recht nicht: Gemeinsame Fototouren finden bei jedem Wetter statt, denn «auch bei Regen und minus zehn Grad gibt es schöne Sujets», weiss Dubach. Und überhaupt gilt der Klassiker unter den Freiluftleitsätzen: «Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Bekleidung.»

Analogfotografie war gestern

Die Mitgliedschaft im 1982 gegründeten Fobi, der heute 57 Mitglieder umfasst, kostet 80 Franken. Darüber hinaus wird erwartet, sich aktiv einzubringen. «Wir wollen voneinander profitieren.» Die Digitalfotografie hat die Themenpalette fast ins Unermessliche erweitert, man denke nur an die Möglichkeiten der Nachbearbeitung am Computer. Die einst ideologisch aufgeladene Auseinandersetzung ist übrigens längst entschieden: Analog fotografiere keiner mehr, sagt Dubach, der aus diesen vergangenen Zeiten stammt. Im vergangenen Jahr ersetzte der Klub die Anlage für die Schwarz-Weiss-Fotoentwicklung wegen Nichtmehrgebrauchs zu Gunsten moderner Ausrüstungsgegenstände, die die Mitglieder ausleihen können. Von der Vergangenheit geblieben sind im Keller der Rainhalde nur ein paar Andenkenfotos an den Wänden sowie der typische Geruch von Chemikalien.

Auch die Art, sich mit Fotografie vertraut zu machen, hat sich verändert. Was hält Dubach von Lehrvideos auf Youtube und anderen Internetkanälen? «Sie sind sicherlich hilfreich. Aber letztlich ist es ein grosser Schritt, sich ein Video anzusehen und nachher die Kamera in die Hand zu nehmen. Der Erfahrungsaustausch mit anderen ist unersetzlich.» Die Fobi-Mitglieder, die aus mehreren Kantonen stammen, lernen nicht nur voneinander. Manchmal treten Profis in der Rainhalde oder beim befreundeten Fotoclub Ägeri auf, die die Sinne für besondere Aufnahmen schärfen. Wie beispielsweise der international bekannte Wildlife-Fotograf Thomas Marent, der sich auf die Naturfotografie spezialisiert hat. Oder der Luzerner Martin Zurmühle, der unter anderem Autor von Fotolehrbüchern ist sowie als Ausbilder und als Fachdozent an verschiedenen Schulen tätig ist.

Wettbewerb vor einer Fachjury

Referate solcher Koryphäen haben ihren Preis, im Fobi stossen die Forderungen auf Solidarität: «Weil wir uns vorstellen können, wie schwierig es ist, sich heutzutage als Fotograf den Lebensunterhalt zu verdienen, zahlen wir gern den verlangten Betrag», versichert Dubach. Einmal im Jahr stellen sich die Fobi-Fotografen zudem mit ihrem Können einer auswärtigen professionellen Fachjury, die besten drei Aufnahmen werden prämiert.

Fotografie-Einsteiger ohne oder nur mit geringen Kenntnissen sind gemäss Dubach im Fobi auch willkommen. Jedoch richteten sich die behandelten Themen eher an Fotografen mit fortgeschritteneren Kenntnissen. «Wir setzen schon mindestens Basiskenntnisse voraus», bestätigt Dubach. Jedermann sei aber eingeladen, seine Aufnahmen an einem Treffen zu präsentieren. Schliesslich geht es darum, sich selbst ein Bild zu machen.


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