Die Nachbarschaftshilfe ist in den Startlöchern

HÜNENBERG ⋅ Anfang Jahr wurde das Projekt «Hallo Nachbar!n» lanciert. Seitdem hat sich bereits einiges getan. Die Verantwortlichen sind zufrieden – doch es gibt auch Herausforderungen.
19. Mai 2017, 07:58

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Das Thema Nachbarschaftshilfe rückt in vielen Gemeinden in der ganzen Schweiz immer stärker in den Fokus. Das Projekt Kiss («Keep it small and simple») etwa, das auf der Idee der Zeitgutschriften und einer genossenschaftlichen Organisation basiert, ist im Aufwind – auch im Kanton Zug. Zug und Cham setzen auf dieses Konzept, während sich im Ägerital bereits seit über 15 Jahren ein Verein in der Nachbarschaftshilfe engagiert. In Hünenberg hat man sich ebenfalls für ein eigenes Modell entschieden. Dieses trägt den Namen «Hallo Nachbar!n» und wurde Ende Januar lanciert.

Der heutige 19. Mai ist der «europäische Tag der Nachbarn» – vielerorts werden Nachbarschaftsfeste und damit soziale Bindungen und Solidarität ­gefeiert. Grund genug, in Hünenberg nachzufragen, wie das Anfang Jahr initiierte Projekt angelaufen ist. Christian Bollinger, der Leiter der gemeindlichen Sozialabteilung, ist zufrieden mit dem Start von «Hallo Nachbar!n». «Das Thema ist aktuell und das Interesse vorhanden», sagt er. Im Zentrum des Projekts steht der gegenseitige Kontakt. Mehrere Kontaktpersonen in den Quartieren sollen die Anwohner vernetzen und den Austausch und die gegenseitige Unterstützung fördern. Wie Bollinger berichtet, hat Mitte April eine erste Veranstaltung mit rund zehn interessierten Kontaktpersonen stattgefunden. «Sie waren zwischen 30 und 70 Jahre alt. Ein breites Spektrum», freut sich der Projektleiter.

Fünfköpfige Arbeitsgruppe gebildet

Ausserdem wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, welche die Rahmenbedingungen festlegt und Veranstaltungen organisiert. Sie besteht aus Christian Bollinger und Franziska Roos Muff (Fachfrau Alter der Gemeinde) sowie aus je einem Vertreter der katholischen und der reformierten Kirchgemeinde und einem ehemaligen Vorstandsmitglied des Vereins Kontakt.

Aktiv geworden sind die interessierten Kontaktpersonen bislang aber noch nicht. «Die neue Rolle zu definieren, ist eine Herausforderung. Nicht alle haben die gleichen Vorstellungen. Wir sind momentan daran zu definieren, welches die genauen Aufgaben einer Kontaktperson sein sollen», erklärt Christian Bollinger. Wichtig ist laut dem Projektleiter, dass die Nachbarschaftshilfe von selbst entsteht und sich ohne allzu viele Vorgaben entwickeln kann.

Einladungen zum «Tag der Nachbarn»

Für den heutigen Tag der Nachbarn hat die Projektgruppe Einladungskarten gestaltet und gedruckt, mit denen Hünenberger Einwohner ihre Nachbarn zu einem kleinen Fest, einem Kaffee oder einfach zu einem Schwatz einladen können. Für die Planung eines oder mehrerer Quartierfeste habe die Zeit nicht gereicht, führt Bollinger aus. «Wir starten klein, aber fein. Für das Jahr 2018 ist eine grosse Veranstaltung angedacht.» Ausserdem will die Projektgruppe bis im Herbst die bereits bestehende Homepage www.hallo-nachbarn.ch als Austauschplattform etablieren und im Spätherbst oder Winter einen Vortrag organisieren. Ein weiteres Ziel ist es, zusätzliche Kontaktpersonen zu gewinnen und schliesslich damit an die Bevölkerung zu treten. «Um die ganze Gemeinde abzudecken, bräuchten wir etwa 50 Kontaktpersonen», sagt Christian Bollinger. Eine Pflicht sei dies jedoch nicht, und auch eile es nicht, fügt er an, denn: «Nachbarschaft findet bereits jetzt ständig statt.»

Das Projekt «Hallo Nachbar!n» ist auf drei Jahre ausgelegt und wird in diesem Zeitraum mit 37 000 Franken von der Gemeinde unterstützt. Davon stammen 20 000 Franken aus dem Nachlass von Hedwig Bolliger.

 

Round-Table-Gespräch in Baar

Auch in Baar tut sich etwas in Sachen Nachbarschaftshilfe. Bereits seit einiger Zeit plant der Gemeinderat, auf dem Gebiet aktiv zu werden. Für den 7. Juni ist nun ein erster Round-Table geplant. 25 Organisationen, die in der Freiwilligenarbeit tätig sind, wurden laut Sozialvorsteherin Berty Zeiter zum Workshop eingeladen. Darunter sind die Altersheime, das Asylnetz, der Mittagsclub, die Kirchen oder die Pfadi. «Ziel ist es, eine Ist-Analyse vorzunehmen und herauszufinden, welche gesellschaftlichen Entwicklungen und Herausforderungen auf uns zukommen», sagt die Gemeinderätin. Danach gelte es, eine geeignete Trägerschaft für die koordinierte Nachbarschaftshilfe zu finden. Wenn eine passende Form gefunden ist, kann sich der Gemeinderat auch eine Anschubfinanzierung vorstellen. Berty Zeiter sagt: «Wir möchten im nächsten Jahr mit einem Nachbarschaftshilfeprojekt starten.» (rh)

 


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