Die Patienten rennen ihnen die Tür ein

OBERÄGERI ⋅ Im Xundheitszentrum Ägerisee praktizieren seit Anfang Jahr wieder zwei Kinderärzte. Langfristig wird die pädiatrische Versorgung abwechslungsweise von einem siebenköpfigen Team gesichert werden. Der Zulauf ist schon heute gross.
11. Januar 2018, 07:45

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

Kaum wurde die Nachricht bekannt, dass im Gesundheitszentrum Ägerisee wieder Kinderärzte praktizieren, lief das Telefon heiss. «Wir haben den Eindruck, dass die Patienten sehr dankbar sind, weil sie nun in der Nähe zum Kinderarzt gehen können. Wir hatten schon viele, sehr po­sitive Begegnungen», erzählt Georg Bohn, der gemeinsam mit Christina Spörri während der ersten beiden Monate des neuen Jahres die Betreuung der kleinen Patienten übernehmen wird. Die beiden werden ab kommenden März gemeinsam mit weiteren Kollegen den Betrieb ihrer neu eingerichteten pädiatrischen Gemeinschaftspraxis Lorzenpark in Cham aufnehmen. «Da die Eröffnung nicht auf Jahresanfang 2018 realisierbar war, diskutierten wir im Kreis des neu gegründeten Vereins Kinderärzte Zug mögliche Übergangslösungen», berichtet Bohn. Dabei entwickelte sich die Idee, den allseits bekannten Wunsch von Joachim Henggeler des Gesundheitszentrums Ägerisee nach einer pädiatrischen Grundversorgung im Ägerital aufzunehmen und mit mehreren Kinderärzten dort langfristig Sprechstunden anzubieten. «Wir stiessen im Gesundheitszentrum auf offene Ohren und konnten das Projekt rasch gemeinsam konkretisieren.»

Der 73-jährige Allgemeinmediziner Henggeler übernahm vor 40 Jahren die Praxis seines Vaters und führt sie seither erfolgreich weiter. «Bis 2011 war ich als Einzelkämpfer unterwegs», erzählt er. Dann wurde die Praxis in das Gesundheitszentrum der Ärztekasse umgewandelt. Seither praktizieren dort zwei Grund­versorger, neben Henggeler auch Michael Schneider. «Es war seit der Gründung des Zentrums immer mein Wunsch, der Bevölkerung ein ganzes Grundversor­ger-Angebot anzubieten mit Allgemeinmedizin, Gynäkologie sowie Jugend- und Kindermedizin», erklärt Henggeler. «Dies vor allem auch deshalb, weil die jüngere Generation von Grundversorgern nicht mehr alles anbietet, wie wir älteren Hausärzte es konnten.» Wegen mangelnder Nachfrage wurde die Gynäkologie vor drei Jahren wieder aufgegeben. Ein griechischer Kinderarzt, der während eines Jahres in Oberägeri praktizierte, erlebte einen starken Zulauf. «Leider verliess er uns 2014 wieder.» Seither fand Henggeler keinen Kinderarzt mehr.

Nachhaltige Teamlösung

Christina Spörri und Georg Bohn werden sich in den kommenden zwei Monaten ein 80-Prozent-Pensum teilen. Nach Ablauf dieser Zeit wird ein Team von fünf Kinderärztinnen und zwei Kinderärzten abwechselnd Sprechstunden anbieten. «Viele Kinder aus dem Ägerital werden bereits von diesen Ärzten betreut», erzählt Henggeler. Für reguläre Behandlungen und Abklärungen wird jeder kleine Patient von seinem eigenen Kinderarzt betreut. «Notfälle übernimmt der jeweils anwesende Arzt.» Ansonsten ändert sich im Team des Gesundheitszentrums nichts. Michael Schneider wird weiterhin im 100-Prozent-Pensum tätig sein, Joachim Henggeler arbeitet Teilzeit. «Ich bin aktiv auf der Suche nach einer Nachfolge für mich», betont er. Die fünf medizinischen Praxisassistentinnen sowie eine Auszubildende bleiben im Team. Eventuell muss das Team zusätzlich aufgestockt werden. Die seit Beginn des Jahres sehr zahlreich eingehenden telefonischen Anfragen für Kontrollen und Untersuchungen zeigten klar das Bedürfnis der Bevölkerung, einen Kinderarzt vor Ort zu kontaktieren, stellt Henggeler fest. Auch der Bekanntheitsgrad der künftig für das Gesundheitszentrum tätigen Kinderärzte werde dazu beitragen, dass man mit einem grossen Zulauf rechnen dürfe. «Es ist eine grosse Freude für mich, dass die vielen Eltern mit ihren Kindern nicht mehr ins Tal hinunterfahren müssen.»

Eine Zugerin und ein Saarländer

Der 43-jährige Georg Bohn stammt aus dem deutschen Saarland und wohnt mit seiner Familie in Baar. Seine Facharztausbildung absolvierte er an der Medizinischen Hochschule Hannover. Bohn leistete einen Einsatz bei «Ärzte ohne Grenzen» in Niger und verbrachte vier Jahre in London. Seit 2013 ist er als Kinderarzt im Kanton Zug tätig. Die 43-jährige Christina Spörri ist in Zug aufgewachsen und lebt mit ihrer Familie in Unterägeri. Sie absolvierte ihr Studium in Zürich und schloss 2002 ab. Ihre Facharztausbildung in Kinder- und Jugendmedizin absolvierte sie im Universitäts-Kinderspital Zürich. Seit 2010 ist Spörri als Kinderärztin im Kanton Zug tätig.


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