Die Wishalde ist wieder im Schuss

BAAR ⋅ Nachdem die Schützenstube in Baar rund ein halbes Jahr leer stand, hat die Gemeinde endlich neue Pächter gefunden. Es handelt sich um ein Gastropaar mit viel Erfahrung.
20. Juni 2017, 05:00

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch

Barbara und Peter Iten kommen aus dem Catering-Bereich. Nun haben sie sich bereit erklärt, den Betrieb auf der Restauration des Schiessstandes Wishalde zu übernehmen. «Im Moment sind wir noch dabei, verschiedene Ideen auszuprobieren und loten aus, was hier funktioniert, wo die Nachfrage der Baarer steht», erzählt Barbara Iten. Mit dem ­neuen Pächterpaar kommt frischer Wind in die Wishalde am Stadtrand von Baar. Das sieht man nur schon an der Einrichtung: Der Raum ist heller geworden, Küche und Toiletten wurden renoviert, und im Eingangs­bereich schuf Barbara Iten eine gemütliche kleine Stube mit Sofa und Ofen. Auch die Fassade wird dieser Tage frisch gestrichen. In der Wishalde ist also wieder neues Leben eingekehrt.

Die Welt des Schiessens ist für das Ehepaar Iten weitgehend Neuland. An anderen Standorten wird das Schützenlokal meistens von Vereinsmitgliedern geführt und nicht von einem externen Pächter. «Wir wurden von den Schützen herzlich empfangen», erzählt Barbara Iten. «Die Begegnungen sind sehr offen. Die Schützen sind ein unkompliziertes Volk und unterstützen uns, wo immer es nötig ist.» Seit gut zwölf Jahren betreiben die Itens den Cateringservice Partychuchi. In Unterägeri kann ein weiteres Eventlokal über die Partychuchi gemietet werden. Es liegt im Grünen und bietet für bis zu 60 Personen Platz. Nun bieten Barbara und Peter Iten auch die Wishalde als Eventlokal an. Für Firmen- und Vereinsanlässe, Geburtstage, Hochzeiten – was immer man gerne feiert, das geht jetzt auch zwischen Stadt und Natur in der Wishalde. «Wir bieten massgeschneiderte Lösungen für Gruppen zwischen 20 und 70 Gästen.»

Viele Ideen warten darauf, umgesetzt zu werden

Geöffnet ist die Wishalde vorerst am obligatorischen Schiessen, am Feldschiessen und natürlich am Kantonalschützenfest, das am kommenden Wochenende beginnt. «Da haben wir nochmals dreimal drei Tage offen und die Möglichkeit, das Volk hier kennen zu lernen», freut sich Barbara Iten. Doch das Pächterpaar hat noch andere Ideen, wie es die Wishalde neu beleben will. «Die meisten sind aber noch in der Planung, und es wäre zu früh, jetzt schon zu viel zu verraten», meint Barbara Iten. Nur so viel will sie preisgeben: Dass für die Winterzeit etwas in Zusammenarbeit mit dem Lichterweg entstehen soll. «Gerade in dieser Jahreszeit mit dem Schnee und den Lichtern an der Kapelle ist der Ort hier sehr schön und lohnt einen kleinen Ausflug aus der Stadt.»

Das Gastrogeschäft hat Barbara Iten schon als Kind von der Pike an gelernt. Ihre Eltern haben bereits gewirtet, und sie ist im Restaurant grossgeworden. Nach der Kochlehre absolvierte sie die Hotelfachschule. Später übernahm sie zusammen mit Peter Iten das Lokal ihrer Eltern in Schindellegi, wo Peter Iten von seinem Schwiegervater in die Kunst des Kochens eingeführt wurde. Ursprünglich stammt er aber aus einer ganz anderen Richtung: Nach einer Lehre als Lastwagenchauffeur arbeitete er im Transportwesen und als Disponent, was ihm auch bei der heutigen Tätigkeit sehr zu Gute kommt. Heute ist er für die Logistik der Partychuchi zuständig und mit beinahe 20 Jahren Erfahrung als Koch unterstützt er seine Frau in der Küche. Die Partychuchi ist eingerichtet, um Anlässe für bis zu 800 Personen auszurichten. Da ist die gut organisierte Logistik das A und O.

Regionale Produzenten werden berücksichtigt

Auch die Herkunft der Produkte liegt Barbara Iten am Herzen. «Wir sind bemüht, regionale Produzenten und lokale Lieferanten zu berücksichtigen», erklärt sie. Die meisten Produkte vom Apérogebäck bis zu den Dessertkreationen werden in der eigenen Produktionsküche hausgemacht. «Alle unsere Gerichte werden in Allenwinden produziert und an die verschiedenen Lokalitäten fertig gekocht angeliefert.» Das habe den Vorteil, dass die Kücheninfrastruktur nicht mitgenommen werden müsse. «Für uns sind die beiden eigens betriebenen Eventlokalitäten ideal, weil wir hier die Infrastruktur wie Geschirr, Kühlmöglichkeiten und Kaffeemaschine vor Ort haben. Das erleichtert die Durchführung eines Anlasses enorm.»

 Hobby und Leidenschaft

Wirte von Schützenstuben sind häufig mit dem örtlichen Schützenverein verbunden. So auch im Kanton Zug: In der Chollermüli etwa wirtet Olga Rama. Seit über 20 Jahren wirtet sie dort teils als Hobby, teils als Beruf. Ihre Schützen sind für sie ihre Familie, erzählt sie. Sie ist Mitglied in allen Schützenvereinen der Umgebung: «Um meinen Schützen über den Mitgliederbeitrag auch etwas zurückzugeben», wie sie sagt. Seit sie nicht mehr so gut sieht, schiesst sie aber nicht mehr. Sie hofft, dass sie die Stube noch bis 95 weiterführen kann. «Solange ich gesund bin, bewirte ich meine Schützen.» Geöffnet hat ihre Stube stets Mittwoch bis Sonntag ab 18 Uhr. In Niederwil führt seit 38 Jahren Esther Litschi zusammen mit ihrem Mann Josef Litschi die Stube. Sie schiesst zwar nicht, aber ihr Mann ist Vereinsmitglied. Für beide ist die Stube ein Hobby. Geöffnet haben sie an den obligatorischen Schiessen sowie während des Feldschiessens und wenn der Verein etwas unternimmt. Josef Litschi ist pensionierter Karosseriespengler. In der Chrüzegg in Menzingen wirtet seit diesem Frühling Corinne Staub. Die 37-Jährige schiesst selber nicht, aber ein Freund von ihr ist im Verein, und sie selbst plant auch beizutreten. Auch für sie ist das Wirten ein Hobby, und sie öffnet für die verschiedenen Schiessanlässe – so auch für das kantonale Schützenfest, das am kommenden Wochenende beginnt. (wm)


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