«Dieser Charme, diese Wärme, dieses Heilige halt …»

ZUG ⋅ Der Chor Xang, die Big Band Zug und die Sopranistin Eveline Suter lassen das selten gespielte «Sacred Concert» von Duke Ellington erklingen. Vieles an diesem musikalischen Leckerbissen ist ungewöhnlich – nicht nur die Klangfarbe.
20. Juni 2017, 07:28

In entspannter Konzentration steht Peter Werlen mit fast geschlossenen Augen vor seinem 26-köpfigen Chor Xang, dirigiert engagiert das «Almighty God», unterbricht plötzlich, hüpft temperamentvoll zwischen seinen Sängern hin und her, erklärt Stimmung und Ausdruck, benutzt Bilder, sensibilisiert, feuert an. Dann hebt er ­erneut die Arme, und wieder ­füllen die charakteristischen Jazz-Dissonanzen – ausgeführt in manchmal bis zu acht Stimmen – den Raum, um dann aber zu ruhigen einstimmigen Passagen zurückzukehren: Man spürt die geistliche Musik, den Gospel, das «Warme und Heilige», wie Dirigent Werlen es nennt.

In den Pausen sind in der Ferne swingende Blechbläser zu hören, denn ein paar Zimmer weiter probt die Big Band Zug unter ­Leitung des Saxofonisten Stefan Andres. Gegen Ende des sonntäglichen Probennachmittags aber treffen sich die beiden Gruppen, um den ersten Durchlauf durch Duke Ellingtons «Sacred Concert» zu wagen, welches sie anlässlich des Namenstages der Kirche St. Johannes in gemeinsamer Aufführung vereinen wird. Es fehlt nur noch die Sopranistin Eveline Suter, welche erst bei der Hauptprobe dazustossen kann. In Neuheim aufgewachsen, ist sie inzwischen international gefragte Musical-Hauptdarstellerin und Filmschauspielerin und daher im Moment noch im Ausland unterwegs.

Ambitionierte Amateure und Profimusiker

Die aus 18 Mitgliedern bestehende junge Big Band Zug – Saxofon-, Trompeten- und Posaunenspieler, ein Pianist, ein Bassist und ein Drummer – verbindet mit dem Chor Xang zweierlei: Beide Ensembles sind zusammengesetzt aus ambitionierten Amateuren und Profimusikern, und beide haben sich zum Ziel gesetzt, mit ungewöhnlichen musikalischen Projekten zu überraschen und auf diese Weise neues Publikum zu gewinnen. Duke Ellingtons «Sacred Concert», eine Art Jazz-Oratorium, ist das perfekte Vorhaben, um sie zusammenzuführen, denn: Werke für Chor und Big Band sind äusserst rar.

Ellington, der berühmte amerikanische Pianist, Bandleader und Komponist, dessen Big-Band-Swing zwischen 1920 und 1960 um die Welt ging, der den wilden «Jungle Style» prägte und Jazzstandards schrieb, aber auch mit Avantgarde-Musikern Alben aufnahm oder sich gelegentlich an klassischer Musik orientierte, war einer der einflussreichsten Jazzmusiker des 20. Jahrhunderts. Spiritualität war in seinem gegen 2000 Stücke umfassenden Werk ein wichtiger Impuls. Im Verlauf des letzten Lebensjahrzehnts schrieb er insgesamt drei «Sacred Concerts», das erste als Auftrag zur Einweihung der Grace Cathedral in San Francisco. Die Musik dazu bestand aus altem und neuem Material, die Reihenfolge war nicht festgelegt und konnte – jazztypisch – variiert werden. Es existierte daher auch keine komplette Partitur, und der Chor sang mehrheitlich einstimmig. Erst 1993 schufen die beiden dänischen Komponisten und Arrangeure John Hoybye und Peder Pedersen die heute gängige, aus dem Material aller drei sakralen Werke zusammengesetzte Version – unter Aufwertung des Chores, der mehrstimmig wurde und somit der Big Band gleichberechtigt an die Seite trat.

Dieses fast einstündige «Sacred Concert» bestreitet den Hauptanteil der geplanten zwei Zuger Konzerte. Die Big Band Zug wird aber noch weitere drei Stücke präsentieren und auf ­diese Weise die Vielseitigkeit Ellingtons erlebbar machen.

 

Dorotea Bitterli

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

Aufführungen des «Sacred Concert» und dreier weiterer Stücke von Duke Ellington in der Kirche St. Johannes in Zug am Freitag/Samstag, 23./24. Juni 2017, je um 20 Uhr. Eintritt frei, Kollekte.


Leserkommentare

Anzeige: