Dieses Jahr ist der Grind im Fokus

ALLENWINDEN ⋅ Zum 50-Jahr-Jubiläum hat die Fasnachtsgesellschaft Faschall für eine nicht ganz traditionelle Plakette entschieden. Designt wurde sie in Südamerika.
12. Februar 2018, 08:03

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Für die einen ist es ein Erkennungsmerkmal, für andere ein Schmuckstück, manchmal dient es im ganz praktischen Sinne als Eintrittsbillett und für gewisse ist es ein Sammlerobjekt: die Fasnachtsplakette. Die meisten Fasnachtsgesellschaften und Zünfte stellen jeweils eine solche her, verkaufen oder verschenken sie an Fasnachts-Fans und die Oberhäupter anderer Gesellschaften.

Auch die Allenwindner Fasnachtsgesellschaft Faschall stellt jedes Jahr eine Plakette her. In diesem Jahr steht bei ihr ein grosses Jubiläum an. 50 Jahre gibt es die Gesellschaft bereits. Dieser runde Geburtstag ist denn auch auf der aktuellen Plakette präsent. Auf dem viereckigen Abzeichen prangt die Zahl 50 zusammen mit dem Grind des Faschall und dem Text «Faschalleri, Faschallera, hahahaha».

Kopf statt Bauten

Mit diesem Motto bricht die Faschall-Gesellschaft im Jubiläumsjahr etwas mit der Tradition der vergangenen Jahre. «In der Regel zeigen wir auf der Plakette ältere oder bedeutende Häuser aus dem Dorf und der Umgebung», sagt Lukas Huwyler. Er ist Vizepräsident der Fasnachtsgesellschaft Allenwinden und hat in den letzten 15 Jahren jeweils bei der Gestaltung der Plakette mitgewirkt. «Mit den Gebäuden oder Bauwerken – es war auch schon mal die Lorzentobelbrücke abgebildet – wollen wir eine gewisse Verbundenheit schaffen», erklärt Huwyler. Wer die Faschall-Plakette kaufe, soll das Dorf und die Tradition wiedererkennen. «Und das passiert auch.» Es sei allerdings nicht immer einfach, jedes Jahr ein neues passendes Gebäude zu finden. «Die Zahl dieser Häuser ist in unserem Dorf eben begrenzt», sagt Huwyler. Ausserdem müssten die Bewohner oder Besitzer eines Hauses auch immer noch einverstanden damit sein, dass ihr Haus auf einer Plakette abgebildet wird. «Wir fragen die Betroffenen immer vorher an», so Huwyler. Darum waren die Macher in diesem Jahr gar nicht unfroh, dass sie sich nicht auf die Suche nach einem Gebäude machen mussten, wie Huwyler sagt: «Zum Jubiläum war klar, dass wir den Faschall-Grind selbst in den Fokus rücken möchten.»

Obwohl auf der Faschall-Plakette die Heimatverbundenheit zentral ist, wird das Stück weit weg von der Heimat gestaltet – im südamerikanischen Ecuador. Dort lebt seit rund fünf Jahren der Grafiker und Designer der Faschall-Gesellschaft Siegfried Andermatt. «Er hat sich einen Traum erfüllt, ist ausgewandert und arbeitet dort bei diversen Hilfsprojekten mit», sagt Lukas Huwyler. Für das Plaketten-Design sei die räumliche Distanz kein Problem. Dank der neuen technischen Mittel. «Wir schicken ihm jeweils Fotos von den Gebäuden und besprechen das Design sowie unsere Anliegen in Skype-Konferenzen mit Siegfried. Das klappt wunderbar, ganz so, als wäre er hier», erzählt Huwyler. In Ecuador wird dann das Motiv zu Papier gebracht und der Vorstand kümmert sich anschliessend hier um die Abwicklung der Herstellung. «Wir sind gut vernetzt und eingespielt», sagt Huwyler stolz.

Limitierte Auflagen

Erhältlich sind die Faschall-Plaketten in verschiedenen Ausführungen. Die edelste Variante ist die Goldplakette. Diese ist nummeriert. Insgesamt 87 Stück sind pro Jahr davon im freien Verkauf. 87 sind es, weil die Faschall-Gesellschaft im Jahr 1988 erstmals einen Faschallminister inthronisierte. Dieser erhielt die Plakette Nummer 88. «Seither gehen die Plaketten jeweils fortlaufend an den aktuellen Minister. Der amtierende Faschallminister Felix I. trägt somit die Nr. 118. Die Plaketten 88 bis 117 liegen im Besitz der Ehrenministerinnen und Ehrenminister», erklärt Lukas Huwyler. Und auch die anderen 87 haben in der Regel schon vor ihrer Herstellung einen Abnehmer. Die meisten sind fasnachtsbegeisterte Allenwindner, die seit Jahren eine solche Plakette für 30 Franken kaufen. «Wir haben für diese Plaketten auch kleine Wartelisten. Wenn jemand verstirbt oder die Plakette nicht mehr will, rückt jemand anderes nach», sagt Huwyler.

Eine grössere Stückzahl gibt es von der Silber-Plakette. 400 davon stellt die Faschall-Gesellschaft her. Sie wird im Dorf, in den Restaurants und dann auch am Umzug für 12 Franken verkauft. Die Plakette sei eine Art freiwilliger Eintritt für den Umzug, sagt Huwyler und ergänzt: «Quasi eine Spende für all die Leckereien und die Bescherung an der Kinderfasnacht.»


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