Druck auf Kantonsspital nimmt zu

GESUNDHEIT ⋅ Das Jahr 2016 war für die Zuger Kantonsspital AG erfreulich. Die Entwicklungen im Gesundheitswesen stellen das Spital aber vor grössere Herausforderungen. Vor allem finanzieller Art.
17. Mai 2017, 19:29

Harry Ziegler

harry.ziegler@zugerzeitung.ch

Das Geschäftsjahr 2016 war für die Zuger Kantonsspital AG erfolgreich. Mit einem Gewinn von rund 1,2 Millionen Franken wurde zwar ein um rund 300 000 Franken geringerer als 2015 ausgewiesen. «Wir sind damit zufrieden, es ist ein gutes Resultat», sagte alt Regierungsrat Walter Suter, Verwaltungsratspräsident der Gesellschaft. Zufrieden ist Suter übrigens mit den allermeisten Zahlen aus dem Jahr 2016 (siehe Box). Und seine beiden Aktionäre, der Kanton Zug und die Stiftung Pflegezentrum Baar, offenbar auch. Suter wurde gestern an der Generalversammlung mit 100 Prozent der Stimmen für eine weitere Amtszeit gewählt.

Trotz der guten Resultate könne sich die Spitalleitung nicht zurücklehnen, erläuterte Spitaldirektor Matthias Winistörfer. Die Spitäler werden auf Neuerungen reagieren müssen. «So werden wir wohl künftig mehr ambulante als stationäre Patienten betreuen», führte Winistörfer aus. Das sei am Beispiel des Kantons Luzern zu sehen. Dort mache die Politik Druck und möchte den Grundsatz «ambulant vor stationär» rigoros umsetzen. Wie der Kanton Zug nun darauf reagieren werde – ob er sich einem allfälligen Luzerner Modell oder aber einer möglichen Bundeslösung anschliesst – sei nicht bekannt.

Tarife bereiten grössere Sorge

Im letzten Jahr steigerte das Kantonsspital den Umsatz mit ambulant betreuten Patientinnen und Patienten um fast 10 Prozent auf 45,9 Millionen Franken. Mit stationärer Behandlung wurden knapp 62 Millionen Franken umgesetzt. Diese Zahlen nähern sich einander an und dürften sich in den kommenden Jahren wohl weiter zu Gunsten der ambulanten Behandlungen verschieben.

Und genau darin liege das unmittelbare Sorgenpotenzial, so Suter und Winistörfer. Denn nun, da die Tarifpartner sich in den Verhandlungen um Tarmed nicht einigen konnten, wird der Bundesrat die Tarife festlegen. Verwaltungsratspräsident Walter Suter ist überzeugt, dass sich damit die Rahmenbedingungen ändern und es finanziell schwieriger werden dürfte. Er geht davon aus, dass sich die Resultate künftig eher verschlechtern werden, gerade weil Tarmed auf die Erbringung ambulanter Behandlungen eine grosse Wirkung habe. So werden die ambulanten Behandlungen über Tarmed abgerechnet, während die stationären ei­nem anderen Tarif (Swiss DRG) unterliegen. Der vermehrte Druck der Politik, den Grundsatz «ambulant vor stationär» durchsetzen zu wollen, wird laut Matthias Winistörfer Auswirkungen auch auf das Zuger Kantonsspital haben. Man sei aber in einer guten Ausgangslage, erklärte Walter Suter. «Wir arbeiten kostengünstig pro Fall.» Dieses Kostenbewusstsein sei für das Spital eine gute Voraussetzung, den sich verändernden Rahmenbedingungen erfolgreich zu begegnen.

Das Spital stellt sich aber nicht nur auf die sich mutmasslich verschlechternden Rahmenbedingen ein. Es investiert auch. Beispielsweise in modernste Operationstechnologie. Im letzten Jahr konnte ein erster digitalisierter Operationssaal in Betrieb genommen werden, ein weiterer befindet sich im Bau. Damit verfügt das Spital über zwei digitalisierte und vier herkömmliche Operationssäle. Weiter wurden die Radiologie und die Intensivstation mit Geräten der neuesten Generation ausgerüstet.

Mitte September 2016 eröffnete das Kantonsspital in Rotkreuz eine Frauenpraxis. «Diese Praxis ist ein grosser Erfolg», sagte Spitaldirektor Matthias Winistörfer. Das Angebot schliesse eine Versorgungslücke in der Gemeinde. Trotz des Erfolgs in Rotkreuz sei das Kantonsspital zurückhaltend mit derartigen Angeboten. «Wir helfen gerne dort, wo es Engpässe in der Versorgung gibt. Eine Konkurrenz zu praktizierenden Ärzten wollen wir nicht werden», so Walter Suter.

HINWEIS
Den Geschäftsbericht 2016 der Zuger Kantonsspital AG finden Sie hier.

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