Peter Körner: «Dürfen nicht auf die Leute warten»

WALCHWIL ⋅ Die Kulturkommission hat sich zum Ziel gesetzt, Einheimische und Zuzüger zusammenzubringen. Zu diesem Zweck hat sie im Dorf ein Projekt lanciert, das man aus Grossstädten kennt.
14. Juni 2017, 08:01

Interview: Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Die jüngste Ausgabe von «Walchwil informiert», der Informationsbroschüre der Gemeinde, widmet sich unter anderem der Kultur im Dorf. In seinem Editorial findet der Gemeindepräsident Tobias Hürlimann bemerkenswerte Worte: Der Gemeinderat habe während der Klausur «Schwerpunkte gesetzt, um das Wohlbefinden zu verbessern und Walchwil wieder etwas mehr spüren zu lassen». Das auch von aussen oft als leblose Zuzügergemeinde wahrgenommene Dorf will sich nach innen stärker präsentieren. Die Walchwiler Kulturkommission (Kuko) hat zu diesem Zweck in der vergangenen Woche eine «freie Bühne» auf dem Dorfplatz aufstellen lassen, auf der zahlreiche Aktivitäten die Bewohner zusammenbringen sollen. Das Kuko-Mitglied Peter Körner, selbst aus Baar zugezogen, erklärt, wie das gelingen soll.

 

Peter Körner, ist Walchwil tot, wie Ausstehende diagnostizieren?

Nein, das ist eine sehr subjektive Wahrnehmung. Klar, gibt es das Lädelisterben, ausserdem sind Arth und Zug nicht weit weg, wo es alles gibt. Aber es läuft dank der Vereine eine Menge im Dorf – nur kriegen das nicht alle mit. Uns von der Kulturkommission geht es darum, die Leute zum Zusammenkommen und zur Teilnahme zu bewegen. So wie wir das kürzlich mit dem EVZ und «Fit 4 Zug» geschafft haben, wo der Schulhausplatz voll war.

Was ist das Ziel der freien Bühne?

Seit zwei Jahren haben wir in Walchwil einen Dorfplatz, der leider nicht so stark genutzt wird. Wir wollen ihn mehr beleben und mit der freien Bühne die Leute zusammenbringen – Einheimische und Zuzüger durchmischt. Wenn wir das schaffen, ist die freie Bühne ein Erfolg.

Existiert überhaupt ein Bedürfnis nach dieser Durchmischung?

Uns von der Kulturkommission ist sie ein grosses Anliegen.

Die acht Fixpunkte im Programm beinhalten eine Menge Folklore. Nach welchen Kriterien hat es die Kulturkommission zusammengestellt?

Die angesprochenen Vereine haben eine niedrigere Hemmschwelle, ihr Können zu präsentieren. Ausserdem ist es schwierig, auswärtige Künstler zu finden, wenn man keine Gage zahlt. Der Graffiti-Sprayer Ralph Hospenthal zum Beispiel erweist mir einen Freundschaftsdienst.

Die Bühne steht grundsätzlich jedermann offen. Das ist ein mutiger Versuch in einem Dorf, zumal es kaum Passanten gibt.

Kürzlich hat mich die Mutter eines Mädchens angerufen, das Karate macht, und gefragt, ob der Karateklub eine Vorführung auf der Bühne geben könne. So stellen wir uns das vor. Es müssen keine Profis sein, die etwas auf der Bühne aufführen.

Wie hat die Gemeinde auf die Idee der freien Bühne reagiert?

Sehr aufgeschlossen. Wir haben ja mit dem Gemeinderat Stefan Hermann und mit Lara Huwiler sowieso zwei Personen von der Gemeinde in der Kulturkommission. Der gesamte Gemeinderat und das Werkhofteam stehen voll hinter der freien Bühne, es ist ein Miteinander.

Haben Sie auch negative Rückmeldungen auf die Idee erhalten?

Nein, das nicht. Aber ich bin erstaunt, dass es bisher nicht mehr Rückmeldungen für eine Teilnahme gegeben hat. Wir waren im Vorfeld wohl etwas naiv, was das anbelangt. Wir haben gemerkt: Wir dürfen nicht auf die Leute warten, sondern müssen sie abholen.

Hinweis Programm freie Bühne Walchwil. Heute: Trachtentanzgruppe Ägerital/Walchwil (20.30). 20. Juni: Alphornbläser Echo vo de Bärenegg (19.30). 22. Juni: Band Kurious Kurt & Söhne. 25. Juni: Empfang Jodlerklub Edelweiss und Alphornbläser Echo vo de Bärenegg (18.00). 28. Juni: Riviera Band. 29. Juni: Musikgesellschaft Walchwil (19.30). 30. Juni: Jonglieren erleben mit David Hürlimann (19.00). 5. Juli: Kirchenchor Walchwil (19.30). 6. Juli: Kindertrachtengruppe (17.00). 7. Juli: Graffiti-Live-Painting mit Ralph Hospenthal. Das tagesaktuelle Programm ist auf www.walchwil.ch ersichtlich.


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