Ein Baumeister kehrt zurück

ZUG ⋅ Anlässlich eines Vortrags von Pro Natura Zug hat die Biologin Marianne Rutishauser über den Biber referiert. Die Rückkehr des Nagers birgt auch Konfliktpotenzial.
16. April 2018, 08:27

David Huwyler

redaktion@zugerzeitung.ch

Der Verein Pro Natura Zug, gegründet 1963, führte am vergangenen Freitag die Generalversammlung im Siehbachsaal durch. Im Anschluss an die Versammlung referierte die Biologin Marianne Rutishauser zum Thema Biber. Mit Freude verkündete die Referentin, dass ein grosser Architekt der Natur in den Kanton Zug zurückgekehrt ist. Bevor der Biber 1850 in der Schweiz ausgerottet wurde, hat er über Jahrtausende die Schweizer Gewässerlandschaft entscheidend mitgeprägt. Gut 100 Jahre nach der Ausrottung wurden ab 1956 in der ganzen Schweiz gut 150 Biber ausgesetzt. Wie sich zeigt, war diese Neuansiedlung ein grosser Erfolg. Heute gibt es in unserem Land schätzungsweise wieder 3000 Biber. Seit wenigen Jahren auch im Kanton Zug. Laut Pro Natura leben 15 bis 20 dieser Nager im ganzen Kanton.

Aber unsere Gewässer sind durch Landwirtschaft und künstliche Ufer stetig unter Druck. Gemäss dem Bundesamt für Umwelt gibt es in unseren Seen, Bächen und Flüssen viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Daher hat Pro Natura im Januar 2018 das Projekt «Aktion Biber & Co.» lanciert. Dieses Nachfolgeprojekt von «Hallo Biber» soll zehn Jahre dauern und für vielfältiges Leben in den Schweizer Gewässern sorgen. Dabei wird zuerst auf die Sympathiewerbung für den Biber fokussiert. Mit dem Biber als Botschafter setzt sich Pro Natura für artenreiche Gewässerlebensräume und ein Miteinander von Mensch und Natur ein. In allen Projektregionen (Mittelland, Reusstal, Zentralschweiz und Ostschweiz) versucht Pro Natura mit Beratungs- und Informationsarbeit die Öffentlichkeit für den richtigen Umgang mit dem Biber zu sensibilisieren.

Wie kein anderes Tier beeindruckt der Biber als Botschafter der Aktion mit seinem Talent als Landschaftsgestalter. Mit dem Fällen von Bäumen gelangt beispielsweise mehr Licht auf den Boden. Somit können viele kleine Pflanzen gedeihen. Durch das Stauen von Bächen entstehen Teiche mit flachen Ufern und seichte Sümpfe. Diese bieten neuen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, welche somit vom Schaffen des Bibers profitieren.

Die Rückkehr des Bibers hat jedoch nicht nur Gutes. Sie birgt auch Konfliktpotenzial. So werden auch Bäume und Sträucher aus Privatgärten abgenagt. «Der Biber hinterlässt bei den Bürgern gemischte Gefühle. Wir Menschen haben einen geordneten Alltag. Auf den ersten Blick scheint daher das Tun vom Biber anarchistisch. Wer aber genauer hinschaut, bemerkt, dass der Biber wichtig ist für die Natur und entlang der Gewässer eine entscheidende Rolle in der Landschaftsgestaltung einnimmt», sagt der Präsident von Pro Natura Zug, André Guntern aus Baar.

Flussläufe müssten renaturiert werden

Obschon der Biber inzwischen wieder fast durchgehend im Schweizer Mittelland an Bächen und Flüssen vertreten ist, haben viele Gewässer nach wie vor kein Naturufer. Sie sind in Betonkorsetts eingezwängt, verbaut oder aber eine genügend grosse Uferzone fehlt. Damit sich der Biber in Zukunft weiter ausbreiten kann, müssten noch viele Flussläufe renaturiert werden.


Anzeige: