Ein Unverpackt-Laden ist vorerst vom Tisch

UNTERÄGERI ⋅ Svenja Brandenberg und Nadia Haeny werden kein verpackungsfreies Geschäft eröffnen – der Grund sind die Finanzen. Anderswo wird das Angebot aber ausgebaut.
20. Mai 2017, 10:19

Ein Lebensmittelgeschäft, in dem Produkte ganz ohne Plastikverpackung gekauft werden können – das ist die Vision von Nadia Haeny (35) und Svenja Brandenberg (33). Im Juni wollten die beiden Frauen aus dem Ägerital in der ehemaligen Eisenwarenhandlung in Unterägeri einen Unverpackt-Laden eröffnen (wir berichteten).

Doch daraus wird jetzt nichts. Der Grund liegt bei den Finanzen. 45 000 Franken hätten Haeny und Brandenberg benötigt, um ihre Idee in die Tat umzusetzen. Mittels Crowdfunding suchten sie Geldgeber für ihr Projekt. Die Frist verstrich jedoch Ende April, ohne dass genügend Geld zusammenkam. «Am Anfang waren die Zusagen zahlreich, und wir erhielten sehr viele Reaktionen», schildert Nadia Haeny. Nach einer Weile sei ihnen dann aber klar geworden, dass es wohl nicht reiche. «Wir haben dann auch aufgehört, richtig Werbung zu machen, da uns ein erfolgreicher Abschluss der Kampagne nicht realistisch erschien – obwohl wir viel Zuspruch erfahren haben.»

Bioladen realisiert Unverpackt-Abteilung

Trotz des Scheiterns dieses Projektes werden die Ägerer bald mit ihrem eigenen Gebinde und «Zero Waste» (ohne Abfall) einkaufen können. Denn der Bioladen Köstliches von Haas, der in Unterägeri an der Waldheimstrasse beheimatet ist und auch an der Dorfstrasse in Baar eine Filiale führt, hat sich des Themas ebenfalls angenommen. Geschäftsleiter Nick Haas bestätigt dies auf Anfrage. «Diese Idee besteht bei uns bereits seit zwei Jahren. Inzwischen konnten wir auch die Finanzierung sicherstellen und stehen kurz vor der Umsetzung», sagt er. In den nächsten Wochen werden in den beiden Geschäften sogenannte Silos eingebaut, aus denen die Kunden Getreide, Linsen oder Pasta in eigene Behälter abfüllen können. Weiter wird Nick Haas spezielle Nussmühlen anschaffen, mit denen Nussmus hergestellt werden kann. «Das Ganze ist eine Ergänzung unseres bestehenden Angebots», erklärt der Geschäftsleiter. «Ich bin gespannt, wie die Neuerung bei den Kunden ankommt.»

An den guten Ideen mangelt es nicht

«Es ist schön, dass sich auf diesem Gebiet nun auch im Kanton Zug etwas tut, und es zeigt, dass wir den Zeitgeist getroffen haben», sagt dazu Nadia Haeny. Sie und ihre Kollegin werden aber trotzdem nicht aufgeben. Bereits seit vergangenem Sommer verkaufen die beiden selbstgepresste Säfte am Wochenmarkt in Zug. «Wir möchten das ausbauen und Schritt für Schritt weitere Unverpackt-Angebote aufnehmen», erklärt Haeny. Dazu gehören auch Kosmetikprodukte wie etwa Lippenbalsam oder Deo. Ein weiteres Projekt, das die beiden jungen Mütter bereits seit längerem verfolgen, ist ein zu einer Saftbar umfunktionierter Bus. Nadia Haeny sagt: «Noch fehlt uns ein eigener Bus, und auch die Finanzierung stellt wiederum eine Her­ausforderung dar. Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, mit dem Bus in den Quartieren Znüni und Zvieri zu verkaufen. Eine Möglichkeit wäre, als Trägerschaft einen Verein oder eine Genossenschaft zu gründen.» Es steht fest: Obwohl sie (vorerst) keinen Unverpackt-Laden eröffnen können, gehen Svenja Brandenberg und Nadia Haeny die Ideen nicht aus.

 

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch


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