Ein Eigenheim für 647 Bitcoin

WÄHRUNG ⋅ Beim Zuger Unternehmen Park-Immobilien kann neu mit der Kryptowährung Bitcoin bezahlt werden. Damit sollen neue Kundensegmente angesprochen werden. Für Mietzahlungen wäre das System aber zu kompliziert.
17. September 2017, 04:38

Gemeinhin müsste man denken, dass es eher junge Unternehmer sind, die Innovationen gegenüber aufgeschlossen sind. Kurt Blunschi aber ist 66 Jahre alt. Schon lange ist er im Zuger Immobiliengeschäft tätig. Von 2012 bis 2016 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen zurück, ist jetzt aber mit einer neuen Firma zurück. Die Park Immobilien AG verkauft primär Zuger Immobilien im hochwertigen Sektor. «Ich bin von ganzem Herzen Makler», sagt er über sich. Und deshalb finde er es cool, etwas Neues anzubieten.

Seit kurzem wird auf der Homepage seines Unternehmens der Verkaufspreis der jeweiligen Immobilie nicht mehr nur in Franken, sondern auch in der Kryptowährung Bitcoin angezeigt. Wie kam es dazu? Angefangen habe es mit einem befreundeten ausländischen Makler, der ihm erzählt habe, wie viele seiner Häuser er in kürzester Zeit über Bitcoin verkauft habe, so Blunschi. Zudem hat er an die Bitcoin Suisse AG Büroräumlichkeiten vermittelt. Diese befinden sich im gleichen Haus wie seine Firma. Die Bitcoin Suisse AG ist eine Börse, jedoch für die Kryptowährung Bitcoin. Für Blunschi hat ein Mitarbeiter von Bitcoin Suisse extra ein Tool kreiert, das ständig den Bitcoin-Preis der Immobilien auf seiner Homepage dem aktuellen Kurs anpasst.

Umtausch gar nicht so einfach

Blunschi selbst sieht sich als Vorreiter: «Ich bin schweizweit der erste Immobilienhändler, bei dem in Bitcoin bezahlt werden kann.» Er verbindet damit die Hoffnung, einen neuen Kundenstamm anzusprechen. Nämlich jenen, der dank steigendem Kurs viele Bitcoin verdient hat und diese gerne ausgeben möchte. Denn es ist, wie Andrej Majcen von Bitcoin Suisse erklärt, gar nicht so einfach, eine grosse Summe Bitcoin umzutauschen. «Das Problem der einzelnen Bitcoin-Märkte ist, dass diese wenig liquid sind. Deshalb kann jemand, der mehrere Millionen für ein Haus ausgeben möchte, die Summe meist nicht auf einmal umtauschen, sondern muss dies auf mehreren Märkten verteilt machen.» Dies könne zu Verlusten führen, da durch die schnellen Kursschwankungen nicht jeder Teil des Betrages zum gleichen Kurs getauscht werden könne. Als einer der grössten Player könne Bitcoin Suisse jedoch den gesamten Betrag umtauschen. Blunschi erhält am Schluss also keine Bitcoin, sondern Franken.

Alle Transaktionen können nachvollzogen werden

Wer bei Herrn Blunschi mit Bitcoin bezahlt, überweist den Kaufbetrag eigentlich erst einmal an Bitcoin Suisse. Dort wird gegen Gebühr der Umtausch vollzogen und das Geld aufs Bankkonto weitergeleitet. Bevor die Bitcoin weitergeschickt werden, muss aber auch Bitcoin Suisse als Finma unterstelltes Unternehmen die Herkunft der Bitcoin abklären. Dies sei laut Majcen dank der Blockchain einfacher, als man denke. Dabei handelt es sich um eine dezentrale Datenbank, auf der alle Transaktionen von Bitcoin gespeichert werden. «So können wir praktisch alle bisherigen Transaktionen der entsprechenden Bitcoin nachvollziehen», so Majcen. Auch ihm ist bisher kein anderes Immobilienunternehmen bekannt, das zumindest über ihre Börse den Verkauf in Bitcoin anbiete. Gerade in Bezug auf den Standort Zug sei dies eine gute Idee. «Es gibt immer mehr Firmen, die sich wegen des Crypto Valley hier ansiedeln und dementsprechend auch auf Bitcoin setzen», so Majcen.

Wohnungen mit Bitcoin mieten kann man aber selbst bei Kurt Blunschi noch nicht. «Das wäre zu kompliziert. Für einen einmaligen Verkauf ist der Aufwand okay, aber monatlich wäre dieser zu gross.»

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch


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