Ein Schreiben der Fachmittelschule verunsichert Lehrer

BILDUNG ⋅ Offiziell gilt für den Übertritt von Sekschülern an die Fachmittelschule ein benötigter Notenschnitt von 5,0. Die Schulleitung hat allerdings andere Zahlen kommuniziert, was für Ärger sorgte. Der Bildungsdirektor erklärt die Hintergründe
13. April 2018, 11:33

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch


Jeweils im Frühjahr stehen für die Seklehrerinnen und -lehrer die Übertrittsgespräche an. Es geht darum abzuklären, ob sich Schüler für eine kantonale Mittelschule – darunter die Fachmittelschule (FMS) – anmelden können. Was den Übertritt an die FMS betrifft, sind zurzeit einige Zuger Oberstufenlehrer verunsichert. Gemäss kantonalen Vorgaben braucht man nämlich für die FMS einen Notenschnitt von 5,0. An den Info-Anlässen wird den Anwärtern allerdings kommuniziert, dass auch eine 4,7 oder eine 4,8 reichen würden. Das bringe Lehrer in schwierige Situationen, heisst es unter Pädagogen.

Zari Dzaferi, Baarer SP-Kantonsrat und Seklehrer in Menzingen, kennt das Problem. «Viele Lehrpersonen haben sich darüber geärgert.» Es sei gut, dass der Orientierungswert von 5,0 gelte. «Wenn nun die Schule die Jugendlichen und die Eltern darauf aufmerksam macht, dass auch eine 4,7 reiche, werden die Rahmenbedingungen zu schwammig.» Der Orientierungswert, so die Meinung von Dzaferi, sollte möglichst angestrebt werden. Er vermutet, dass die FMS zu wenig Anmeldungen verzeichnet und sich deshalb für diesen Schritt entschieden habe. Die «inoffizielle Senkung des Notenschnitts» sei mit einem Schreiben an interessierte Schülerinnen und Schüler kommuniziert worden. «Wir Lehrpersonen wurden aber nicht direkt informiert.»

«Orientierungswert darf unterschritten werden»

Dies bestätigt Barbara Kurth-Weimer, Präsidentin des Lehrerinnen- und Lehrervereins Kanton Zug (LVZ). «Es stimmt, dass einige Lehrpersonen bei den Übertrittsgesprächen nicht mit der Kommunikation der FMS vertraut waren. Die Haltung der FMS wurde den Lehrpersonen leider nicht offiziell mitgeteilt», sagt sie. Das Thema und auch das Schreiben seien intern diskutiert worden, und man habe mit der Schulleitung der FMS Kontakt aufgenommen. Barbara Kurth betont jedoch, dass der Orientierungswert keine Marke sei, die zwingend erreicht werden müsse. «Beim Übertrittsverfahren handelt es sich um eine ganzheitliche Beurteilung. Der Orientierungswert darf daher auch unterschritten werden.» Dies werde von den Lehrpersonen auch so gehandhabt. Allerdings, ergänzt die LVZ-Präsidentin, sei der Spielraum nicht definiert. «Von daher begrüssen wir es, wenn die FMS den Spielraum eingrenzt.»

Wie äussern sich die FMS und die Regierung dazu? Bildungsdirektor Stephan Schleiss nimmt Stellung zum Thema. Bei den Übertritten sei die Gesamtbetrachtung massgebend. «Das heisst, dass in der ganzheitlichen Betrachtung der Leistungen und der mutmasslichen Entwicklung des Schülers der Notenwert gut begründet ‹übersteuert› werden kann.» So sei dies bei der Einführung des Orientierungswertes gegenüber den Lehrpersonen kommuniziert worden. Was das Schreiben der FMS angeht, sagt Schleiss: «Es wurde den Info-Broschüren der FMS beigelegt.» Diese würden jeweils Anfang Schuljahr an alle Sek-Schulen sowie an das BIZ gesandt. «Dies ist der übliche Kommunikationskanal der Mittelschulen, aber nicht der Dienstweg für offizielle Informationen. Das hat die FMS zu wenig bedacht. Es ging der FMS um eine Beschreibung des Übertritts aus ihrem Blickwinkel und aufgrund ihrer Erfahrung.»

Das Schreiben sei im Bildungsrat ein Thema gewesen, erklärt der SVP-Regierungsrat weiter. «Die FMS wurde angehalten, künftig auf die Nennung dieser Notenschnitte zu verzichten.» Von einer «Senkung des Orientierungswerts» kann laut Stephan Schleiss nicht die Rede sein. «Die FMS wollte die Gesamtbetrachtung in Erinnerung rufen. Sie hat nichts Neues verkündet, sondern nur verdeutlicht, welche Voraussetzungen Jugendliche mitbringen müssen, um an der FMS Erfolg zu haben.»  Die Vermutung, dass die FMS mit tiefen Anmeldezahlen kämpfe, bestätigt der Bildungsdirektor nicht. «Die FMS Zug bewegt sich mit einer Schülerzahl von insgesamt rund 200 Jugendlichen im normalen Rahmen und wird als wichtige Zubringerschule der PH Zug gut nachgefragt.»

Zur Veranschaulichung: 2013/14 lag die Schülerzahl bei 198, 2014/15 bei 186, 2016/17 bei 215 und für 2018/19, so die provisorische Prognose, bei 228. «Gewisse Schwankungen bei den Anmeldungszahlen haben an allen Zuger Mittelschulen Tradition», stellt Schleiss fest.
Absichten, den Orientierungswert anzupassen, gibt es zurzeit nicht. «Der Wert besteht erst seit drei Jahren», sagt Schleiss. «Wir müssen noch etwas Erfahrung sammeln, bevor wir über eine Änderung nachdenken.»


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