«Room 4 U»: Ein Leben in den eigenen vier Wänden

OBERÄGERI ⋅ Das Kinder- und Jugendheim Lutisbach schafft ein neues Angebot. Mit «Room 4 U» sollen junge Erwachsene auf die Selbstständigkeit vorbereitet werden. Die Finanzierung ist eher aussergewöhnlich.
15. November 2017, 07:03

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Das Kinder- und Jugendheim Lutisbach in Oberägeri ist das einzige seiner Art im Kanton Zug. Nun möchte es sein Angebot erweitern: zwei Aussenwohnungen mit sechs Plätzen für junge Erwachsene im Alter von 16 bis 21 Jahren. Damit soll den angehenden Erwachsenen, welche das «Lutisbach» altershalber verlassen müssen, eine Anschlusslösung auf dem Weg zum selbstständigen und unabhängigen Wohnen und Leben angeboten werden können. Denn das «Lutisbach» ist konzeptionell auf Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 15 Jahre ausgerichtet. Das Projekt heisst «Room 4 U». Micha Portmann, Institutionsleiter, erklärt: «Momentan haben wir vier an­gehende Erwachsene, die sich ­ in einer Lehre befinden.» Insgesamt leben 20 Kinder und Jugendliche in besagter Institution. Der Wunsch nach einem «Aussenwohnen» habe sich in den Jahren verstärkt. «Die Tendenz ist steigend. Wir bekommen Anfragen aus der ganzen Schweiz», sagt Portmann.

Die Idee einer Wohnung ausserhalb des Kinder- und Jugendheims kam bereits 2014 erstmals aufs Tapet. «Diverse Jugendliche sind damals an die Leitung herangetreten. Sie waren der Auffassung, dass es für sie ein entsprechendes altersgerechtes Wohnen braucht.» Damals habe sich das «Lutisbach» aber noch in einer organisatorischen Umbauphase befunden. Seit 2011 ist das Heim den Richtlinien der Interkantonalen Vereinbarung für soziale Einrichtungen (IVSE) unterstellt. Diese würden auch für die neuen Aussenwohnungen gelten. Das heisst, der Kanton Zug wird die Wohnungen abnehmen und sie etwa auf Zweckmässigkeit und Sicherheit prüfen.

Im Januar dieses Jahres hat das Team im «Lutisbach» mit ­ der Ausarbeitung des neuen An­gebots begonnen und Nägel mit Köpfen gemacht. «Die Vorarbeit, also der operative und strategische Teil, hat ungefähr ein drei Viertel Jahr gedauert», so der Heimleiter. Im März habe der Stiftungsrat das Projektportfolio gutgeheissen, für die Detailplanung und das Budget habe der Rat dann im September seine Zustimmung gegeben. Auch der Kanton Zug sei bereits mit im Boot, sagt Portmann. «Jetzt sind wir im Projektschritt ‹Finanzierung› und ‹Wohnungssuche›.» Gesucht werden zwei 4,5-Zimmer-Wohnungen, vorzugsweise im Ägerital.

Für den Heimleiter ist es ein Pionierprojekt

Für das Projekt «Room 4 U» sind einmalig 45 000 Franken nötig. «25 000 Franken wollen wir auf Spendenbasis akquirieren. Den Rest versuchen wir, über ein Crowdfunding zu erhalten», erklärt Micha Portmann. Dafür wurde die Internet-Plattform «Wemakeit» ausgewählt. Noch für 30 Tage können sich potenzielle Unterstützer eine «Belohnung» erkaufen und damit einen Geldbetrag für das Projekt spenden. Der Haken: Das Projekt erhält den finanzierten Betrag nur, wenn das Ziel – der vorher festgelegte Gesamtbetrag – auch erreicht worden ist. Das Heim versuche zum ersten Mal, ein Projekt über eine solche Plattform zu finanzieren, weiss Portmann.

Für Micha Portmann, der 2015 die Leitung übernommen hat, ist «Room 4 U» ebenfalls ein persönliches Pionierprojekt. «Ich lebe für das Projekt und bin überall dabei», gibt er zu. Falls die gewünschte Summe mit Crowdfunding aber nicht erreicht werde, solle das Projekt nicht sterben. «Der Aufbau und die Finanzierung würden sich einfach in die Länge ziehen», sagt Portmann.

Hinweis

Weitere Informationen über «Room 4 U» finden Sie auf wemakeit.com/projects/room-4-u oder auf www.kinderheim-lutisbach.ch.


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