Auszeichnung für den Umgang mit einer unerbittlichen Krankheit

GESUNDHEIT ⋅ Alzheimer lässt sich kaum heilen oder aufhalten. Wer Hilfe annehmen kann, hat aber noch viel zu erleben. Im Kanton Zug leben rund 1500 Menschen mit der Krankheit.
16. September 2017, 04:40

Vergangenen Donnerstag verlieh die Alzheimervereinigung Zug im Burgbachkeller ihren alljährlichen Fokuspreis. Diesmal unter dem Motto «Mein Leben mit der kognitiven Krankheit» und «Mein Leben mit Demenz». In vergangenen Jahren ging der Preis an Fachleute, die sich aussergewöhnlich engagiert für ihre Patienten einsetzten. Diesmal ging der Preis an einen Patienten, der auf bewundernswerte Weise mit seiner Krankheit umzugehen gelernt hat: den ehemaligen Kantonsschullehrer Jürg Iten.

Vor dreieinhalb Jahren wurde ihm die Diagnose Alzheimer gestellt. «Für uns war von Anfang an klar, dass wir diese Wende in unserem Leben annehmen und offen damit umgehen wollen», sagt Iten heute. Er und seine Frau Beata Iten haben Nachbarn, Familie und Freunde über die Diagnose ins Bild gesetzt. «Dadurch gab es keine Irritationen in unserem Umfeld. Im Gegenteil, wir erfuhren Verständnis, Anteilnahme und Unterstützung.»

Eine frühe Diagnose hilft

Wichtig wurde aber auch, professionelle Hilfe anzunehmen. Mit Hilfe des Projekts «Amnesia Zug», welche Demenzkranke und deren Umfeld berät, abklärt und mit professionellen Partnern im Kanton vernetzt, hat die Familie Iten etwa zum Tagesheim am Pflegezentrum Baar gefunden, wo Jürg Iten nun vier Tage die Woche ein «interessierter und engagierter Teil» geworden ist, wie Markus Anliker in seiner Laudatio verrät. Anliker ist Ger­iater und Projektleiter der Anlaufstelle Amnesia ( www.amnesia-zug.ch ). «Uns ist vor allem daran gelegen, dass sich Menschen, die sich nicht sicher sind, ob sie an Alzheimer erkrankt sind, möglichst früh bei uns abklären lassen.» Aufgehalten oder gar geheilt könne die Krankheit nur in äusserst begrenztem Masse. Aber je früher die Krankheit erkannt werde, umso besser könne man sich auf die neue Lebenssituation einstellen. Hilfe finden. Sich mit fachlichen Partnern vertraut machen, solange die kognitiven Fähigkeiten das noch zulassen. So verleiht die Alzheimervereinigung Zug den Fokuspreis auch, um die Gesellschaft über das Thema Alzheimer aufzuklären, meint der Kantonsrat und Präsident der Alzheimervereinigung Zug Kurt Balmer. «Alzheimer ist eine Krankheit, die uns alle etwas angeht, und keine Schande.» Zurzeit leben in Zug etwa 1500 Menschen mit Alzheimer, schätzt Anliker. Das Wichtigste am Leben mit der kognitiven Krankheit sei das Gleiche, wie in seinem bisherigen Leben, findet Iten. «Das Gute, das Schöne, das, was das Leben zum Leben macht, suchen und geniessen.» Der ehemalige Musiklehrer findet das vor allem beim Musizieren oder bei ausgedehnten Spaziergängen durch die Natur. Seine Frau Beata Iten betont, dass die Krankheit neben vielen schwierigen Herausforderungen auch Gutes mit sich bringe. «Jürg ist seit der Diagnose noch empfänglicher geworden für feine Emotionen und überrascht uns immer wieder mit seinem pointierten Humor.» Seitdem Iten im Tagesheim am Pflegezentrum Baar vielseitige Kontakte und ­einen angeregten Austausch pflegt, gibt es beim Abendessen zu Hause wieder wie früher ganz viel Interessantes zu berichten und zu teilen zwischen den beiden.

 

Wolfgang Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch


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