Ein Richter fängt neu an

ZUG ⋅ Nach 17 Jahren als Kantonsrichter beginnt für Beat Furrer Anfang 2018 ein neues Kapitel. Er freut sich auf seine Tätigkeit als Anwalt in einer Zuger Kanzlei. Erholt hat er sich dazwischen in der Wildnis Afrikas.
31. Dezember 2017, 05:00

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Beat Furrers neues Büro ist noch halb leer. Auf dem Pult liegen einzig ein paar Akten und der Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung. Auf einem zweiten Tisch und auf dem Boden mehrere dicke Ordner. Sein PC komme bald, sagt der 51-Jährige schmunzelnd.

Nach 17 Jahren als Zuger Kantonsrichter – die letzten viereinhalb davon präsidierte er das Gremium – beginnt Beat Furrer Anfang 2018 seine neue Tätigkeit als Partner in der Zuger Anwaltskanzlei Schnurrenberger Tobler Gnehm & Partner. Der Entscheid, das Richteramt nach so langer Zeit niederzulegen und sich noch einmal neu zu orientieren, sei über den Zeitraum von rund einem Jahr gereift. «Zuerst spielt man mal mit dem Gedanken. Der wird dann immer konkreter, und am Schluss braucht’s vielleicht noch ein wenig Mut», sagt Furrer.

Im Job ein ruhiger Typ, privat ein «Lebendiger»

Für den Wechsel habe es mehrere Gründe gegeben. «Zum einen bin ich relativ jung, mit 34 Jahren, in dieses Amt gewählt worden. Dann habe ich alle Stationen am Gericht durchlaufen, etwa die 1. Abteilung mit Schwerpunkt Familienrecht, Erb- und Sachenrecht geleitet, bis hin zum Präsidium am Schluss.» Und als er 50 geworden sei, habe er gespürt, dass es nochmals Zeit für eine Veränderung und eine neue Herausforderung sei. Wobei der Seitenwechsel kein komplettes Neuland darstelle, wirft Furrer ein. Schliesslich habe er vor seiner Richterzeit schon ein paar Jahre in einer Baarer Kanzlei als Anwalt und Notar gearbeitet.

Ans Kantonsgericht gekommen ist Beat Furrer im Jahr 2000. Er wurde damals angefragt, ob ihn die offene Stelle interessiere. Auf die Frage, was ihn denn am Richterberuf gereizt habe, sagt Furrer: «Von meiner Persönlichkeit her dachte ich ‹Das liegt mir›. Im Job bin ich ein ruhiger Typ, der gerne Akten studiert und nach sachgerechten Lösungen sucht. Auf der anderen Seite habe ich gerne Kontakt mit Leuten. Im Privaten bin ich eher ein ‹Lebendiger›.» Die schwierigsten Fälle, die er am Gericht habe behandeln müssen, seien jene gewesen, in denen sich Familien zerstritten haben. «Scheidungen und der Kampf ums Kind», fasst sie Furrer zusammen. «Da ist es oft schwierig, die Eltern in einem Gespräch überhaupt noch zu erreichen.» Ebenfalls gefordert hätten ihn Entscheide, die sehr schnell getroffen werden mussten, wie beispielsweise die Anordnung von vorsorglichen Massnahmen ohne Anhörung der Gegenpartei. «Wenn etwa von einer Seite gefordert wird, der Kontakt zu einem Kind sei zu unterbinden, dann fordert das einen emotional schon stark», so Furrer, der selber einen erwachsenen Sohn hat. Eine Frage, die er sich auch immer wieder gestellt habe, sei: «Richte ich mit einem Entscheid nicht noch mehr Schaden an?» Aus diesem Grund habe er eher dazu geneigt, eine Situation einstweilen zu belassen und nicht gleich einzugreifen.

Während seiner Zeit in der handelsrechtlichen Abteilung, in welche Beat Furrer auf seine zweite Amtsperiode wechselte, habe ihm mit am meisten zu schaffen gemacht, wenn er den Konkurs über eine Firma eröffnen musste, «und die Betroffenen sich zuvor jahrelang mit Leib und Seele abgemüht hatten».

Die Pause zwischen dem Rücktritt Ende August und dem Antreten der neuen Stelle nutzte Furrer um runterzufahren und seine private, lebendige Seite auszuleben: Während dreier Monate fuhr er mit seiner Lebenspartnerin in einem Land Rover durch Namibia und Südafrika. Auf dem Dach des grossen Autos eine Matratze und ein Zelt, welches man jederzeit aufstellen konnte.

Runterfahren auf den einsamen Strassen Afrikas

Begeistert erzählt Furrer von den endlos wirkenden einsamen Strassen, der Ruhe, der Natur und den wilden Tieren. Aber auch von den Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung. Die Fotos, die er auf seinem Handy zeigt, untermauern seine Beschreibungen. Gab es denn auch mal Probleme, so alleine in der Wildnis? «Wir hatten nur einmal eine kleine Panne, als die Stossdämpfer kaputtgingen», erzählt Furrer. Und man merkt ihm an, wie gut er sich erholen konnte in dieser Zeit.

Um sich im Alltag zu entspannen und auf andere Gedanken zu kommen, treibt Beat Furrer Sport – so regelmässig es geht. Er geht zweimal pro Woche Joggen und ebenso oft ins Fitness. Er besuche aber auch gerne mal ein Theater oder eine Ausstellung in Zug oder Zürich, und er habe eine Schwäche für Kunst und Design, etwa Möbel. Nicht selten sei er an einem Jazzkonzert anzutreffen.

Die Vorfreude auf den Neustart kann Furrer schlecht verstecken. «Am meisten freue ich mich auf den Kundenkontakt – gerade, wenn man lange einsam in Afrika unterwegs war.» Aber auch auf die Zusammenarbeit mit den neuen Kollegen und die zusätzliche Freiheit. «Hier kann man flexibler arbeiten, also etwa auch mal unter der Woche einen Tag freinehmen und Skifahren gehen, dafür arbeitet man dann am Wochenende.» Eine Sache liegt Beat Furrer zum Abschluss des Gesprächs noch am Herzen: Ihn freue es sehr, dass das Kantonsgericht mit Aldo Staub «einen tollen Nachfolger» erhalten habe.


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