Ein «Schandfleck» am Tor zu Ägeri

UNTERÄGERI ⋅ Das Haus an der Zugerstrasse 91 direkt beim Dorfeingang erregt in den Leserbriefspalten Aufmerksamkeit. Die Zeichen stehen gut, dass es dieses Jahr noch saniert wird.
07. Januar 2018, 15:48

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Die Fassade bröckelt, die Fensterläden hängen schief und ein wenig erinnert das Gebäude rein äusserlich an «das alte Haus von Rocky Docky» im Lied von Bruce Low. Gemeint ist die Liegenschaft mit Baujahr um zirka 1850, die direkt nach dem Unterägerer Ortsschild, von Zug her kommend auf der rechten Seite, steht. Das baufällige Gebäude erregt Aufmerksamkeit. So bezeichnet ein Leserbriefschreiber das Haus an der Zugerstrasse 91 als Schandfleck, der einen grossen Imageschaden für Unterägeri verursache (Ausgabe vom 4. Januar). Er hoffe, «bald ein korrektes Haus beim Eingang zum schönsten Tal der Schweiz zu treffen».

Diese Hoffnung könnte bald in Erfüllung gehen. Walter Hürlimann, der bei der SAE Immobilien AG ehemals Spinnereien Aegeri für die technische Verwaltung zuständig ist, bestätigt: «Wir sind an der Feinplanung und werden nach Möglichkeit in diesem Jahr beginnen, das Haus instand zu setzen.» Die Planung der Sanierung der Zugerstrasse 91 sei weit fortgeschritten, meint Hürlimann. «Es sollen drei neue, preisgünstige Wohnungen entstehen», erklärt er weiter. Eine Baubewilligung liege bereits vor. Inzwischen habe die SAE Immobilien diese bereits verlängern müssen. «Wir wollten das Haus zusammen mit dem Kraftwerk der Inneren Spinnerei sanieren. Denn so können wir eine Baustelle für zwei Projekte nutzen», erklärt Walter Hürlimann. Da aber bei der öffentlichen Auflage der Kraftwerk-Sanierung eine Einsprache des WWF eingegangen sei, müsse damit vorerst noch gewartet werden.

Wohnlage zur Lorze hin

Das Gebäude gehört zu den Anlagen der Spinnerei Aegeri und damit zum Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung ISOS. Das bedeutet, das Erscheinungsbild des bestehenden Hauses müsse erhalten bleiben. «Wir höhlen das Gebäude aus und erweitern es leicht zur Lorze hin. Dort sollen Terrassen entstehen», führt Walter Hürlimann aus. Damit gibt es Möglichkeiten für Sitzplätze und Gärten. Auch der alte Eingang zur Strasse hin müsse ersichtlich bleiben, «aber wir werden das anders lösen und den Hauszugang von der Strasse weg verlegen». Die ganze Wohnlage soll in Richtung der Lorze ausgerichtet werden. «Dies und der Einbau von Schallschutz-Fenstern machen das Wohnen neben einer Strasse angenehmer», ist Hürlimann sicher. Denn die Strasse ist die Hauptverbindung ins Ägerital.

Momentaner Mieter: der Kanton Zug

Momentan sind die drei Wohnungen dem Kanton Zug vermietet und werden von Flüchtlingen genutzt. Dass das Haus kein Prestigeobjekt ist, sieht auch Walter Hürlimann so. «Gemeindepräsident Josef Ribary hat uns ebenfalls schon gesagt, dass dieses Haus keinen schönen Dorfeingang mache.» Und jetzt sei der «Schandfleck» auch noch besser zu sehen, wenn man Unterägeri Richtung Zug verlasse, scherzt Hürlimann. Denn nun ist die Passerelle weg, die über die Zugerstrasse führte. Dies, da ein Kran auf einem Lastwagen die Unterseite der Passerelle drei Tage vor Weihnachten beschädigte. Danach musste sie abgerissen werden. Das ehemalige Einfamilienhaus mit der Nummer 91 blieb davon aber verschont – wie das alte Haus von Rocky Docky hat es vieles schon erlebt.


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