Neue Skulptur grüsst von oben

ZUG ⋅ Giorgio Fattorini ist ein EVZ-Fan der ersten Stunde und ist auch heute bei jedem Spiel in der Bossard-Arena anzutreffen. Der 94-Jährige hat seinem Lieblingsklub eine Stahlskulptur geschenkt, die für ihn den Charakter eines Vermächtnisses hat.
11. Oktober 2017, 08:16

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Es gibt nur noch wenige EVZ-Fans, die von sich sagen können, dass sie wohl alle 459 Spieler, die seit der Gründung vor 50 Jahren die drei Buchstaben auf ihrem Dress trugen, in Aktion gesehen haben. Giorgio Fattorini (94) erfüllt dieses Kriterium. Er kann zudem auch das Recht für sich reklamieren, dass er und seine um zwei Jahre ältere Frau Trudy jeweils die Ältesten bei EVZ-Spielen in der Bossard-Arena sind. In diese Kategorie der Fan-Urgesteine gehört auch der zwei Jahre jüngere Lorenz Caminada (92). Dieser hat seit 1967 nur gerade sechs (!) EVZ-Heimspiele verpasst. Beide Altherren wohnen nahe beieinander in der Herti und können so noch zu Fuss in die Arena gehen.

Zu erzählen über die guten alten EVZ-Zeiten haben beide sehr viel. Giorgio Fattorini hat seinem Lieblingsklub zum runden Geburtstag nun zusätzlich eine Art Vermächtnis unter Lebenden gemacht. Die Gabe ist am 2. September oberhalb der Tageskasse vor der Bossard-Arena platziert worden: ein etwas überdimensionierter Eishockeyspieler. Das Gründungsjahr 1967 fehlt ebenso wenig wie die drei Buchstaben EVZ, die Fattorini immer wieder Freude bereiten. Wie viel er für das Unikat bezahlt hat, will Fattorini nicht sagen: «Ich habe keine Erben und kann es mir leisten.» Für ein solches Kunstwerk habe er zu Hause einfach keinen Platz. Der Ort, wo es jetzt platziert sei, könne nicht besser sein. Jeder, der zur Bossard-Arena gehe, sehe die Stahlskulptur von Heinz Bauer (75).

Giorgio Fattorini kennt den Künstler sehr gut. Begegnet sind sich die beiden beim Skifahren vor neun Jahren. Das zeigt, wie vital der 94-jährige Fattorini auch im hohen Alter noch ist. Neben dem Skifahren ist auch das Tennis für den gebürtigen Tessiner immer ein Lebensquell. In der Kategorie Ü80 war Fattorini lange Jahre die Nummer 1 in der Schweiz. Der Spender hat seinem Freund Heinz Bauer einmal seine Geschenkidee präsentiert und ihm dann aber freie Hand gelassen. Die Eisenskulptur ist kein Schnellschuss, wie ihr Schöpfer Heinz Bauer verrät: «Meine Arbeit hat sich über Monate hingezogen.» Der in Wollerau SZ wohnhafte Heinz Bauer ist stolz, dass er etwas in dieser Art habe ausführen dürfen: «Es ist mein erstes Werk, welches in der Öffentlichkeit zu sehen ist.» Mit Skulpturen beschäftigt sich Bauer erst seit 2013. Bauer hat erst nach seiner Pensionierung ins Künstlerfach gewechselt: «Ich habe mich fit und gesund gefühlt und wollte einfach noch etwas machen.» Er «pröble» gerne herum.

Heinz Bauer hat den Eishockeyspieler aus Stahl ohne Vorlage geschaffen. Für seinen übergrossen Eishockeycrack hat Heinz Bauer rostfreien Stahl verwendet. Und es ist ein schwerer Junge, bringt er doch 120 Kilogramm auf die Waage. Die Grösse der Skulptur vor der Bossard-Arena ist für Heinz Bauer «genau richtig». Stolz ist der Schwyzer Künstler auch, dass «die Ergometrie» seines Eishockeyspielers stimmt.

Was auf den ersten Blick erstaunt: Um die Statue am jetzigen Ort aufzuhängen, hat es eine Baubewilligung gebraucht. Zudem hat Giorgio Fattorini den Segen des EVZ-CEO Patrick Lengwiler einholen müssen. «Er war von meiner Idee begeistert», sagt Giorgio Fattorini. Ursprünglich hätte der Eishockeyspieler aus Stahl an einem Platz in der Bossard-Arena aufgehängt werden sollen, wie der ehemalige Dienstchef im Bahnhof Zug erklärt. Doch diese Option ist verworfen worden. Giorgio Fattorini ist aber mit dem Standort seines Geschenks nun sehr zufrieden und wird immer zum Eishockeyspieler aufschauen, wenn er in die Arena geht. Noch fühle er sich trotz des hohen Alters fit: «Ich habe immer noch grosse Freude am EVZ. Für mich ist der EVZ das grösste Geschenk.» Aber er blickt der Endlichkeit des Lebens auch ohne Angst entgegen: «Mein Leben geht dem Ende entgegen.»

Giorgio Fattorini hat einen grossen Wunsch: «Ich möchte noch einmal einen EVZ-Meistertitel erleben.» Und ist er einmal nicht mehr auf dieser Erde, so erinnert die Eisenskulptur noch lange an diesen EVZ-Fan der ersten Stunde.

Hinweis

Mit «Hingeschaut» gehen wir Details mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach. Weitere Beiträge finden Sie hier.


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