Lea Müller ist für einen Tag Zuger Stadtpräsidentin

AUSTAUSCH ⋅ Die 18-Jährige Lea Müller ist gestern im Rahmen des Welt-Mädchentags in das Büro ihres Chefs eingezogen. Mit der Aktion soll ein Zeichen für Chancengleichheit gesetzt werden.
12. Oktober 2017, 05:00

Es ist ein ungewohntes Bild, das sich gestern im Stadthaus am Kolinplatz zeigt. Bei einem Blick ins Büro des Stadtpräsidenten sieht man am Schreibtisch nicht wie sonst den ergrauten Dolfi Müller, sondern eine junge Frau, die eifrig am Computer arbeitet. Die 18-Jährige Lea Müller hat das Zepter im Stadthaus übernommen. Zumindest für einen Tag. Dies im Rahmen der Aktion «Girls Takeover», zu Deutsch «Mädchen-Übernahme», die gestern anlässlich des Welt-Mädchen-Tags durchgeführt wurde.

Als sie von der Stadt angefragt wurde, sei für sie bald klar gewesen, dass sie mitmache. «Ich finde es eine gute und wichtige Aktion», sagt Lea Müller. Mädchen seien heute vor allem in Entwicklungsländern nach wie vor stark benachteiligt. Und auch in der Schweiz gebe es noch Ungerechtigkeiten. «Zum Beispiel die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern, oder dass Männer noch immer bessere Chancen auf Kaderpositionen haben als Frauen», zählt die Allenwindnerin auf. Auch in anderen Bereichen ortet sie Verbesserungspotenzial. «Im Sport liegt der Fokus oft auf den Männern, obwohl die Frauen häufig mindestens so gute Leistungen bringen. Das ist schade», betont Lea Müller. Die 18-Jährige ist selbst eine begeisterte Unihockey-Spielerin. Auch hier werde den Männern oft mehr Aufmerksamkeit gewidmet.

Viele Anfragen von Medien

Wenn Lea Müller nicht im Büro des Stadtpräsidenten sitzt, dann ist sie als kaufmännische Mitarbeiterin in der Stadtverwaltung tätig. Im Sommer hat sie ihre Lehre abgeschlossen. Als Kurzzeit-Stadtpräsidentin hat sie auch eine politische Aufgabe übernommen. Letzte Woche hat sie zusammen mit Stadtpräsident Dolfi Müller Geschäfte für die Stadtratssitzung vorbereitet und an der Sitzung teilgenommen. Gestern stand dann die Überarbeitung der Kommentare zum Nachhaltigkeitsbericht auf ihrer Agenda und die Beantwortung von Medienanfragen. «Es ist verrückt, wie viele Anrufe und Anfragen ich bekommen habe. Das hätte ich nicht gedacht», sagt sie.

Im Büro des Stadtpräsidenten fühlt sich Lea Müller wohl. Auch wenn es am Morgen etwas seltsam gewesen sei, sich einfach im Büro des Chefs zu installierten. «Es gefällt mir aber gut hier. Das Büro ist hell und schön gross.» Es sei aber auch etwas einsam. Sie vermisst ihre Kollegen. Dass sie irgendwann einmal in die Fussstapfen des Stadtpräsidenten treten könnte, kann sich Lea Müller heute noch nicht vorstellen. «Politik interessiert mich zwar und ich gehe auch abstimmen und wählen.» Selbst politisch aktiv zu sein, das möchte sie aber lieber nicht. Der Konsequenzen wegen. «Plötzlich wird man auf der Strasse erkannt, und man exponiert sich ja auch. Das ist nicht so meins», sagt die 18-Jährige. Oder vielleicht auch noch nicht. «Ich bin ja noch jung und habe etwas Zeit. Vielleicht ändere ich meine Meinung mal», sagt sie und schmunzelt. Und wo war Dolfi Müller heute? Er weilt derzeit in den Ferien. Die Aktion «Girls Takeover» wurde organisiert von Plan International. Die Organisation ermöglichte laut einer Mitteilung weltweit rund 1000 Mädchen, einen Tag lang in einer Führungsposition tätig zu sein. Neben Zugs Stadtpräsident haben sich an der Aktion auch die Stadtpräsidenten von Luzern, Chur und St. Gallen sowie diverse Firmen beteiligt.

 

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch


Leserkommentare

Anzeige: