Ein Verein macht Zuger Wirtschaftsgeschichte sichtbar

PROJEKT ⋅ Die Landis & Gyr hat den Namen Zug mit ihren Zählern in aller Welt bekannt gemacht. Das Unternehmen hat Zeugnisse seiner Geschichte dem Verein Industriepfad Lorze überlassen. Dieser hat nun mit dem Geschenk Grosses vor.
03. Januar 2018, 05:00

Im Zuger Depot Technikgeschichte (ZDT) an der Sihlbruggstrasse in Neuheim lagern seit 2009 zahlreiche sehr wertvolle Exponate. Der Besucher erhält dadurch einen Einblick in die Zuger Industriegeschichte. Im ehemaligen Zeughaus des Bundes sind Fahrzeuge, Dokumente und zahlreiche Gerätschaften wie der Omnibus «Orion» deponiert. Neulich sind weitere Produkte in Neuheim eingetroffen. Die heutige Landis & Gyr (L & G), die aus dem Zuger Traditionsbetrieb entstanden ist, hat ihr Archiv dem Industriepfad Lorze vermacht, der zu den fünf ZDT-Mietern gehört (www.zdt.ch). Die L & G-Hinterlassenschaften sind bisher in einem Lagerhaus im Kanton Zürich untergebracht gewesen. Jetzt befinden sie sich im zweiten Stock des ZDT-Depots.

Was genau in den 62 grossen Holzkisten, welche perfekt auf eine handelsübliche Palette passen, verpackt ist, lässt sich nur erahnen. Da und dort liegt ein alter Stromzähler der Landis & Gyr auf dem Holzdeckel. Dank der Herstellung dieser Geräte hat sich die 1896 gegründete Firma weit über die Landesgrenzen hinaus einen guten Namen gemacht. «Wir wollen Produkte der Landis & Gyr für nachfolgende Generationen erhalten», sagt Ulrich Straub. Der ehemalige Zuger Stadtrat ist Präsident des Vereins Industriepfad Lorze. Dabei profitiert der Verein von seinem guten Netzwerk.

Mitarbeiter mit Weitblick haben viel bewirkt

Dass die Gerätschaften aus mehr als hundert Jahren Unternehmensgeschichte der L & G überhaupt noch vorhanden sind, ist Mitarbeitern zu verdanken, welche sich dafür interessiert haben. «Die Zähler hätten auch verschrottet werden können», sagt Jakob Widmer. Er ist kürzlich pensioniert worden und beginnt nun, das überlassene Material aus dem L & G-Fundus zu sichten. Widmer weiss auch zu erzählen, dass im Betrieb früher jede Schraube für die Produkte selber hergestellt worden ist.

Ulrich Straub hat Grosses vor: «Wir wollen im Jahr 2020 eine Ausstellung veranstalten, in welcher der Besucher Gerätschaften der L & G aus der Vergangenheit präsentiert werden.» Das Datum 2020 wählt der Verein Industriepfad Lorze mit Bedacht: Er feiert in diesem Jahr sein 25-Jahr-Jubiläum.

Die L & G hat auch Uhren produziert

Wer nun aber glaubt, dass sich das Zuger Traditionsunternehmen nur mit Zählern weltweit einen Namen erarbeitet hat, der geht fehl. In der Inducta sind Uhren hergestellt worden, welche viele Jahre an Schweizer Bahnhöfen die genaue Uhrzeit vermittelt haben. 1962 ist dieser Geschäftszweig von einem Berner Unternehmen übernommen worden. Dieses stellt noch heute grosse Uhren her.

Noch könne aber niemand genau sagen, was sich noch alles in den Kisten finden wird. Straub spricht deshalb von einem «noch unausgereiften Schatz». Auch Bildmaterial wartet noch darauf, ausgewertet zu werden. Von den rund 50 000 Fotos aus der langen Firmengeschichte sind erst deren 5000 digitalisiert worden. Es warten also noch weitere Schätze, die es zu entdecken gibt.

 

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch


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