Ein weiterer Rückschlag für das Chamer Kleinwasserkraftwerk «Hammer»

ÖKOSTROM ⋅ Die Energiestrategie 2050 des Bundes hat grosse Auswirkungen auf Kleinwasserkraftwerke. Sie werden finanziell nicht mehr in dem Ausmass wie vorher unterstützt. Für ein Kraftwerk auf Zuger Boden kann das einen Verlust in Millionenhöhe bedeuten.
16. April 2018, 05:00

Zuerst der WWF und jetzt der Bund: Die Sanierung des Kleinkraftwasserwerks Hammer in Cham steht unter keinem guten Stern. Gegen das entsprechende Baugesuch hat die Umweltorganisation bereits vor rund zwei Jahren Einsprache erhoben (siehe Box). Nun kommt der Bund dem Hammer in die Quere: Die Energiestrategie 2050, die seit Anfang 2018 gilt, unterstützt Investitionsprojekte von Kleinwasserkraftwerken (KW) nicht mehr in dem Ausmass wie vorher. Wasserwerke, deren Leistung unter 1000 Kilowatt liegt, werden nicht mehr gefördert. «Die Verordnung des Bundesrates kommt für einen grossen Kreis der Kleinwasserkraftbetreiber mit einer völlig unerwarteten Richtungsänderung», sagt Bruno Bosshard, Rechtsvertreter des Besitzers des Hammer-Guts, Ariel Lüdi.

Genau wie Lüdi haben viele kleine Stromproduzenten im Vertrauen auf die Zusagen der KEV (kostendeckende Einspeisevergütung) Vorinvestitionen in ihre Bauprojekte vorgenommen. «Im Hammer hatten wir rund zwei Jahre daran gearbeitet und mit den Behörden und Umweltverbänden Vorgespräche und Absprachen geführt», so Bosshard. Ausserdem müsse der Bau einer neuen Turbine rechtzeitig in Auftrag gegeben werden. «Diese Massnahmen wurden alle vorgenommen mit der Sicherheit, dass diese Investitionen in den nächsten 20 Jahren durch garantierte Strompreise wieder amortisiert werden können», führt der Anwalt weiter aus. Bereits hat Lüdi über 900'000 Franken in die Sanierung seines KWs investiert. «Das Geld ist jetzt vernichtet», ist sich Bosshard sicher. Das Finanzielle ist jedoch nur die eine Seite. Der Richtungswechsel des Bundes treffe ihn auch emotional, sagt er und zielt damit auch auf den WWF ab: «Es ist für Ariel Lüdi schwer nachvollziehbar, dass solch sinnvolle ökologische und historische Projekte durch politische Ränkel- und Machtspiele verzögert, wenn nicht gar verhindert werden.»

Strom für 100'000 Haushalte

Lüdi ist nicht der einzige Betroffene. Bis vergangenen September hätten über 100 Anlagen schweizweit die Baureife erreicht und warteten auf eine Zusicherung der Finanzierung über die KEV, heisst es in einer Mitteilung der Swiss Small Hydro, dem Schweizer Verband der Klein­wasserkraft. «Die angepasste Energieverordnung markiert eine Kehrtwende der bisherigen Praxis und verletzt das Prinzip des Handelns nach Treu und Glauben», heisst es weiter. Dem kann Bruno Bosshard beipflichten. Rund 20 bis 30 Millionen Franken seien in den letzten Jahren in die Projektierung investiert worden. Die bewilligten Projekte könnten sofort realisiert werden und würden über 450 Millionen Kilowattstunden erneuerbaren Strom produzieren – was einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 100'000 Schweizer Haushaltungen entspricht.

Weitermachen trotz Widrigkeiten

Der Verband fordert nun, dass der Bundesrat den gesetzlichen Spielraum unter dem Stichwort «Ausnahmeregelung» ausschöpft, Vorinvestitionen, die auf Basis geltender gesetzlicher Rahmenbedingungen getätigt wurden, geschützt werden und dass die Energieverordnung angepasst wird. Ariel Lüdi hingegen hat sich nicht beirren lassen und eine kreative Lösung gefunden: Seit Anfang Jahr wird im Hammer wieder Strom produziert. Zum Einsatz kommt allerdings nicht die neue Turbine: «Lüdi investierte in die alte Turbine einen hohen Betrag, obwohl in Zukunft mit einer neuen Turbine fast doppelt so viel ‹grüner› Strom produziert werden könnte», sagt Bosshard und führt in die Zukunft blickend aus: «Die Wahrscheinlichkeit, nochmals einen viel grösseren Betrag in eine neue Turbine zu investieren, ist ohne die langjährige Amortisationsmöglichkeit unter Mithilfe der KEV-Beiträge jedoch gering.»

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch


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