Eine Hommage und ein Soloalbum

ZUG ⋅ Die Zuger Pianistin Judith Wegmann bringt zwei Projekte in die Shedhalle: eine musikalischen Lesung zu Robert Walsers «Der Teich» und die Taufe ihrer ersten CD.
06. Dezember 2017, 07:52

Der Bieler Komponist Urs Peter Schneider ergriff nach dem 60. Todestag von Robert Walser (1878–1956) die Initiative für eine Hommage an den Schweizer Dichter. Zu dessen 1902 in berndeutscher Mundart verfasstem kleinem Stück «Der Teich», einem Familiendrama um einen Jugendlichen, schuf er eine Art Bühnenmusik: ein lyrisches Werk für Klaviertrio – fremd und vertraut zugleich. Mit den Kompositionen lässt Schneider das Publikum einen verschleierten, geheimnisvollen und melancholisch wirkenden Raum betreten. Für die musikalische Umsetzung dieses Projekts zeichnet die in Biel lebende Zuger Pianistin Judith Wegmann verantwortlich. Schauspielerisch werden die acht Szenen des Stücks von DRS-1-Sprecher Markus Amrein vorgetragen, unterbrochen durch die Lesung weiterer Walser’scher Texte.

Das gut einstündige Stück mit der Musik Urs Peter Schneiders wird diesen Donnerstag in der Shedhalle in Zug aufgeführt. Neben dem Schauspieler Markus Amrein und Judith Wegmann am Klavier wirken die Violinistin Orsolya Sepsi und die Cellistin Ellen Fallowfield mit.

Internationale Beachtung für die CD

Die Zuger Pianistin Judith Wegmann ist Mitte Dezember erneut in ihrer Heimat präsent – bei der Präsentation ihres ersten Solo­albums «Le souffle du temps», welches im Juni dieses Jahres bei Hat(now)ART 202 erschienen ist. Die Einspielung beinhaltet zehn konzeptionelle Stücke – eine tiefe emotionale, musikalische Auseinandersetzung mit dem Thema Zeit. Im Arbeitsprozess wurden sieben Töne präpariert, die sich wie ein roter Faden durch die Improvisationen ziehen. Die Stücke hat die Musikerin während acht Wochen der Zurückgezogenheit in ihrem Atelier entwickelt und auf einem älteren Yamaha-Flügel eingespielt, der absichtlich nicht gestimmt worden war, um bewusst einen Klang zu erzeugen, der nicht ganz rein und klar ist. Dies haucht den Stücken eine besondere Fragilität ein. Mit minimalen Mitteln ist diese intime Einspielung entstanden – zarte, feinfühlige Klanggebilde mit meditativem Charakter, geheimnisvoll und trotz punktueller Dramatik stets unaufdringlich und subtil.

Positive Kritiken

Für ihre erste CD konnte Judith Wegmann bereits international positive Resonanz verzeichnen. Der österreichische Rundfunk Oe1 strahlte bereits einen Ausschnitt aus der CD aus, und im «The Guardian» und in weiteren Medien erschienen entsprechende Würdigungen. Zur Präsentation der Platte – ebenfalls in der Shedhalle Zug am 16. Dezember um 19.30 Uhr – spielt Judith Wegmann mit ihrem Quartett auf, dem neben ihr die Musiker Rea Dubach, Hannes Prisi und Tobias Meier angehören. Zur Einstimmung mit dabei sein wird auch der Zuger Musiker Simon Berz.

Judith Wegmann studierte an den Jazzschulen Luzern und Bern, danach klassische Musik in Neuenburg und Luzern und freie Improvisation sowie zeitgenössische Musik an der Hochschule für Musik in Basel. Sie erhielt mehrere Förderbeiträge vom Kanton Zug und von der Stadt Biel. Ihre Projekte, die oft eine Zusammenarbeit mit Komponisten und Kulturschaffenden aus den Bereichen visuelle Kunst und Literatur beinhalten, wurden schon in der Schweiz und auch im Ausland aufgeführt.

Sie arbeitet Teilzeit an der Musikschule Oberägeri und ist seit 2015 Vorstandsmitglied der Werkstatt für die freie improvisierte Musik in Bern (WIM). (fae)

Hinweis

In der Shedhalle Zug, Hofstrasse 15, findet am Donnerstag um 20 Uhr die musikalische Lesung von Walsers «Der Teich» statt. Tickets an der Abendkasse. Am Samstag, 16. Dezember, um 19.30 Uhr lädt Judith Wegmann in die Shedhalle zur CD-Taufe von «Le souffle du temps» ein.


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