Im «Palmyra» verkaufen Flüchtlinge syrische Spezialitäten

KULINARISCH ⋅ Im Imbisswagen Palmyra an der Zugerstrasse sammeln Flüchtlinge Arbeitserfahrungen. Am kommenden Samstag wird Eröffnung gefeiert. Sie bieten dort Falafel und syrischen Kebab.
08. August 2017, 04:38

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Zwischen Burgerladen, Tankstelle und einem Lebensmittelgeschäft gibt es im Gebiet zwischen Baar und Zug bald ein neues Angebot: «Palmyra» heisst der neue Imbisswagen. Dort an der Zugerstrasse 64a verkaufen Flüchtlinge Falafel und Schawarma, den syrischen Kebab. Der Initiator Markus Zogg hat bereits im Mai an der Aarauer Bahnhofstrasse einen Imbisswagen eröffnet. «Ich bin eigentlich durch mein Netzwerk auf Baar gekommen», erklärt er. Der Standplatz von «Palmyra» befindet sich auf dem Grundstück des Christlichen Treffpunkts Zug. Kommenden Samstag findet die Eröffnungsfeier statt.

Der 38-Jährige ist hauptberuflich Religionslehrer und hat bereits im Aargau ehrenamtlich das Catering Al Salam aufgebaut. Auch jetzt bezieht er für seine Arbeit an «Palmyra» keinen Lohn. Sein Anliegen: «Flüchtlinge sollen bei uns Arbeitserfahrungen sammeln, damit sie einen guten Einstieg in die Arbeitswelt bekommen und schnell von der Sozialhilfe wegkommen.»

Mit dem Arbeitszeugnis zu einem neuen Job

Die Arbeit im Imbisswagen ist laut dem reformierten Religionslehrer als Zwischenstation gedacht. Das Arbeitszeugnis und die Beurteilung sollen den Flüchtlingen helfen, eine längerfristige Arbeit zu finden. «Wir beurteilen etwa, ob sie freundlich und pünktlich sind, und geben den interessierten Firmen Auskunft», erklärt der Familienvater das Vorgehen.

Zogg selbst zahlt mehr als den üblichen Mindestlohn in der Gastronomie. «Die Flüchtlinge verdienen bei uns 4000 Franken brutto im Monat», bestätigt er. Der Religionslehrer aus Schafisheim gibt zu: «Es ist mir ein grosses Anliegen, dass ich einen guten Lohn zahlen kann.» Dafür muss aber auch ein ordentlicher Umsatz her: «1200 Franken pro Tag ist das Ziel.» In Aarau habe er gemerkt, dass mit dem Mittagsgeschäft ungefähr 90 Prozent der Einnahmen verdient werden. Darauf hofft er auch am Baarer Standort. «Mit dem McDonald’s und dem Coop in der Nähe haben wir, glaube ich, gute Chancen, dass ein paar Kunden auch bei uns vorbeikommen.» Denn das Schüler-Menü koste bei «Palmyra» 9.50 Franken, macht Zogg Werbung. «Palmyra» wird nicht mit Spenden unterstützt. «Natürlich wäre es lässig, wenn sich Firmen oder Organisationen finden würden, die etwa einen Imbisswagen sponsern», sagt er.

In Baar sei ein junges Team am Verkaufstresen tätig. Zwei Afghanen, 21 und 22 Jahre alt, verkaufen die Falafel, und ein 35-jähriger Äthiopier leitet den Betrieb vor Ort. Als Bindeglied zur Kirche und Ansprechpartner vor Ort fungiert Daniel Schönknecht vom Christlichen Treffpunkt Zug. «Das Team in Baar sollte ohne mich funktionieren», sagt Zogg. Weitere Pläne hat der 38-Jährige aber bereits. «Etwa die äthiopische Küche möchten wir auch bald anbieten», sagt er und schwärmt von der exotischen Kost. Das Essen auf der Imbiss-Speisekarte werde frisch zubereitet, versichert Markus Zogg und sagt: «Unter anderem machen wir die Falafel, die Joghurtsauce und den Hummus selber. Es lohnt sich, davon zu probieren.»

Eine Hüpfburg am Eröffnungstag

Der Imbiss bezeichnet sich als «kulinarische Oase». Dies, weil Palmyra eine antike Stadt in Syrien ist, die in einer Oase mit 20 verschiedenen Palmensorten liegt. Am Eröffnungstag, dem 12. August, gibt es neben syrischen Spezialitäten im Fladenbrot von 11 bis 22 Uhr eine Hüpfburg für Kinder, Glace frisch vom Bauernhof und einen Ballonwettbewerb.

Hinweis: Weitere Informationen finden Sie auf www.palmyra-eat-with- impact.ch.


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