Eine Tradition sorgt für raue Kehle

STADT ZUG ⋅ In der Altstadt ging es am Güdelmontag laut zu und her. Es hallte «Greth Schälle Bei, Greth Schälle Bei» durch die Altstadt, begleitet von lauten Stimmen und fröhlichem Gelächter.
12. Februar 2018, 19:28

Sabrina Tanner

redaktion@zugerzeitung.ch

Bereits rund um den Kolinbrunnen versammelte sich am Nachmittag des Güdelmontags eine farbenfrohe Menschenmasse, welche zu den Klängen der Zunftmusik nur darauf wartete, bis die Lölis das getraute Heim verliessen. Bevor sich die Türen des Hotels Ochsen jedoch öffneten, stimmten die Zunftmitglieder das zahlreich erschienene Publikum bereits ein. So flogen schon die ersten Orangen und Mutschlis durch die Luft und Hände, welche sich zahlreich in die Höhe reckten, versuchten die Leckereien zu fangen. Als dann die Türen des Hotels Ochsen aufschwangen und die Lölis hinaustraten, gab es für Jung und Alt kein Halten mehr. Die alte Tradition der Greth Schell, deren Anfänge in das 18. Jahrhundert zurückreichen, stösst auch heute noch auf grosse Begeisterung. So war der Kolinplatz gestern enorm gut bevölkert, sodass sich das Publikum sogar auf den umliegenden Strassenseiten platzieren musste. Ein bunter Generationenmix war vorzufinden, teilweise besuchten drei Generationen einer Familie das Geschehen, um die Tradition auch den Jüngsten weiterzugeben.

Für die Mädchen und Buben galt, je lauter desto besser. Das Geschrei ist der Schlüssel, zum Ergattern von Orangen, Mutschlis, Würsten sowie Süssigkeiten, welche von den Lölis verteilt wurden. Dementsprechend schrien die Kinder um die Wette. Mit jedem Schrei füllten sich die Säcke der Prinzessinnen, Drachen, Giraffen und Clowns mehr und mehr. Die Zunft der Schreiner, Drechsler und Küfer, welche die Tradition der Greth Schell Jahr für Jahr durchführen, trafen auch dieses Jahr wieder auf strahlende Kinderaugen und sorgten für raue Kehlen.

Nachdem sich die sieben Lölis inklusive Greth Schell unter die bunte Menge gemischt hatten, bewegte sich die ganze Schar langsam Richtung Landsgemeindeplatz. Die letzten Sonnenstrahlen erhellten den Zytturm, und trotz der kalten Brise war die Zuger Altstadt gestern so belebt wie wohl ausserhalb der Fasnacht schon lange nicht mehr.

  • Das ist sie, die Greth Schell: Von ihr, die ihren Mann auf dem Buckel trägt, ist hier nur gerade die Nachthaube zu sehen. (© Stefan Kaiser / Neue ZZ)
  • Die bunte Gesellschaft verteilt Orangen, Mutschli, Gebäck und Süsses. (© Stefan Kaiser / Neue ZZ)
  • Der Tross schwingt mit «Soublotere» an Stecken. (© Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Eigentlich hat der Brauch nichts mit Fasnacht zu tun. Aber terminlich halt doch. Den Kindern ist das egal – wenn es nur etwas zu ergattern gibt.


Anzeige: