Hochhausreglement: Eine wichtige Leitplanke oder unpassend für Zug?

PODIUM ⋅ Gegner und Befürworter haben im Rahmen eines Podiums über das städtische Hochhausreglement diskutiert. Dieses kommt am 26. November zur Abstimmung. Vor allem zwei Punkte sorgten für eine hitzige Debatte.
15. November 2017, 06:54

«Es ist eine Frage mit wegweisendem Charakter.» Mit diesen Worten eröffnete Harry Ziegler, Chefredaktor der «Zuger Zeitung», am Montagabend im Burgbachsaal das Podium zur Abstimmung über das städtische Hochhausreglement. Auf dem Podium standen die Gemeinderäte Roman Burkard (FDP) und Martin Eisenring (CVP) als Befürworter sowie Urs Bertschi (SP) und Ignaz Voser (CSP) als Gegner der Vorlage. Es sollte eine technische, emotionale und vor allem komplexe Debatte werden.

Für die Befürworter war, wie Roman Burkard im Vorgespräch äusserte, klar: «Es ist wichtig, dass jetzt ein Perimeter für Hochhäuser festgelegt wird.» Ignaz Voser zeigte sich hingegen überzeugt: «Dieses Reglement ist nicht dienlich, da die Kernpunkte rausgestrichen wurden.» Um genau diese Kernpunkte – namentlich die Ausdehnung der 80-Meter-Hochhauszonen und die Grundfläche eines Hochhauses, den Footprint – drehte sich denn auch der Grossteil der Diskussion.

Diskussion um 80-Meter-Häuser

«Wo ist das Problem in der Ausdehnung der 80-Meter-Zone?», wollte Moderatorin Zoe Gwerder, Redaktorin unserer Zeitung, von den Gegnern der Vorlage wissen. Es gehe um die Massstäblichkeit, betonte Urs Bertschi. «Wir müssen uns fragen, welche Massstäblichkeit passt zu Zug? Wollen wir, dass überall dort, wo es jetzt möglich ist, auch wirklich 80-Meter-Türme entstehen?» Bertschi führte auch die Hochhäuser Uptown und Park Tower an, die seiner Meinung nach für eine Bauweise stehen, wie man sie künftig in Zug nicht mehr haben wolle.

Martin Eisenring widersprach und erinnerte, dass 80 Meter hohe Häuser auch mit dem Reglement nur in Ausnahmefällen möglich seien. «Vielleicht wäre es schöner, hätte der Park Tower eine andere Farbe, oder wir hätten das Uptown nicht in dieser Form.» Aber das sei nicht die Frage. Es gehe darum, Leitplanken zu setzen. «Wir schaffen die Basis für gute Bauten.» Burkard betonte zudem: «Dieses Reglement ist nicht die Initialzündung für neue Hochhäuser.» Das Gegenteil sei der Fall. Voser hingegen war überzeugt. «Dieses Reglement wird ­ zu Hochhäusern animieren. Und wenn man schon baut, dann will man auch die letzten Geschosse noch nutzen.»

Eine Chance oder eine verpasste Chance?

Für erhitzte Gemüter sorgte auch der Footprint, der aus dem Reglement gestrichen worden war. Dieser hätte festgeschrieben, dass ein Hochhaus über dem Sockelbau ab 30 Metern eine maximale Grundfläche von 600 Quadratmetern ausweisen darf. Das entspricht in etwa der Fläche des Park Tower. «Diesem Footprint liegt eine Stadtidee zugrunde. Damit sollte ein gefasster Strassenraum entstehen», führte Bertschi aus. «Wollen wir, dass alles so aussieht wie die Nordzufahrt?», fragte Eisenring daraufhin in die Runde. Der Footprint zementiere eine feste Sprache. «Und er schränkt das Schaffen ein», begründete Roman Burkard die Streichung. Der Konter kam prompt von Ignaz Voser: «Der Footprint ist ein Gestaltungselement und ein gutes Büro kann daraus etwas machen.» Ausserdem sei das ganze Baugesetz von vorne bis hinten eine einzige Einschränkung. «Damit leben Architekten», so Voser.

Und was geschieht, wenn das Volk das Reglement am 26. November ablehnt und die Stadt weiterhin ohne ein solches Papier dasteht, fragte Zoe Gwerder zum Schluss. «Dann erhalten wir die Möglichkeit für ein besseres Reglement, bei dem wir sensibler mit unserem Lebensraum umgehen können», antwortete Urs Bertschi. «Dann verpassen wir eine wichtige Chance, unsere Stadt zu gestalten», befand Roman Burkard.

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch


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