Harold Kreis: «Einstellung war mangelhaft»

EVZ ⋅ Trainer Harold Kreis bilanziert die Qualifikation und erklärt, warum der EV Zug statt einer Revolution eine Evolution anstrebt.
07. Dezember 2017, 07:27

Am vergangenen Montagabend stellten sich EVZ-Trainer Harold Kreis und Starverteidiger Raphael Diaz in der Smoker’s Lounge im Zuger Parkhotel den Fragen von Bruno Waller, der dort jährlich einige Anlässe mit Sportlern organisiert.

Wie sein Fazit zum bisherigen Verlauf der Qualifikation sei? fragte Waller Kreis. Dieser konterte mit einem breiten Lachen: «Wie lange haben wir Zeit?» Ganz zufrieden seien sie nicht, bekannte er und erklärte: «Unser Qualifikationsziel ist 90 Punkte. Und das Teilziel von 45 Punkten nach 25 Spielen haben wir vor dem letzten Spiel gegen Biel um drei Punkte verpasst. Dann kam das Spiel gegen Biel, und alle fragten sich: Menschenskind, was ist da passiert?»

Kreis zeigte auf, dass der EVZ statistisch sehr gut sei, aber viele Spiele mit nur einem Tor Unterschied verloren habe. Darum entspreche der Punkteertrag nicht den gezeigten Leistungen: «Denn wir sind das drittbeste Team der Liga im Überzahlspiel und die beste Mannschaft im Boxplay. Damit müssten wir eigentlich mehr Punkte erreicht haben.»

System soll beibehalten werden

Wie war die Stimmung nach der Serie von sieben Niederlagen, und was können Trainer und Spieler nach so einer schwarzen Serie tun? «Viel ändern bringt nichts», sagt Raphael Diaz. Es sei viel eher im Gegenteil ratsam, das System beizubehalten und sich auf dieses zu fokussieren. «Man muss versuchen, gute Stimmung zu verbreiten, damit dem Team die Freude am Spielen nicht vergeht.»

Besonders wichtig sei in dieser Lage auch, dass nur konstruktive Kritik geäussert werde, ergänzt Kreis. «Alles andere bringt nichts.» Es sei natürlich toll, dass nach den sieben Niederlagen von der Klubführung kein Druck aufgebaut worden sei, sagt Kreis. «Wir hatten fünf verletzte Stammverteidiger, deren Plätze junge Spieler einnehmen mussten. Das haben die Klubverantwortlichen wohl gesehen und darum auch entsprechend reagiert.» Noch einmal erklärt der Trainer, warum sein Team gegen Biel so kläglich gescheitert sei – und dies nach zuvor zwei wirklich guten Partien, wie er betont. «Die Einstellung war mangelhaft, wir haben nicht zu wenig, sondern eher zu viel Selbstvertrauen gehabt.»

Wenn das Team gut laufe und Druck mache, werde der Gegner zu Strafen provoziert, erklärt Kreis und zeigt sich äusserst unzufrieden damit, dass der EVZ in dieser Spielzeit bislang viel zu viele Strafen kassiert hat. Denn diese würden daraus resultieren, dass der Einsatz zu gering sei, die Checks nicht fertig gemacht würden und man sich nur noch mit Fouls zu helfen wisse. «Da haben wir eindeutig noch Verbesserungspotenzial.»

Es gibt Stolperfallen

Der EVZ sei – vor allem auch dank des Präsidenten und des Farmteams – auf guten Weg, bilanziert Kreis, sieht aber auch Stolperfallen: «Es ist eine never ending Story. Entweder sind die Spieler verletzt, oder sie müssen in eine Nationalmannschaft einrücken.» So stehe die U20-Weltmeisterschaft bevor, an die Zuger abkommandiert seien, andere spielten für Schweden, und einige Zuger Cracks würden an den Olympischen Spielen teilnehmen und dem EVZ am einen oder anderen Spiel fehlen.

Es gelte nun, die Mannschaft weiter zu konsolidieren und bei den Spielen jeweils ein Tor mehr zu erzielen als der Gegner, resümiert Kreis. «Der EVZ hat sich im Gegensatz zum ZSC, der einen Topspieler nach dem anderen kauft, nicht für eine Revolution, sondern für eine Evolution entschieden.»

 

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch


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