Mittelfeldspieler Giordan Martino liebt den Nervenkitzel

FUSSBALL ⋅ Giordan Martino (20) vom Drittligisten FC Baar ist immer auf der Suche nach Adrenalinschüben. Auf dem Platz ist der Mittelfeldspieler grundsätzlich gefasst – etwas bringt ihn aber zum Brodeln.
15. September 2017, 05:00

Martin Mühlebach

sport@zugerzeitung.ch

Der schweizerisch-italienische Doppelbürger Giordan Martino spielt seit seiner Zeit als D-Junior ununterbrochen beim FC Baar. Nicht zuletzt, weil ein geplanter Übertritt scheiterte. Martino verrät: «Ich trainierte während zweier Wochen mit der U17 des SC Kriens. Aber der Vereinswechsel scheiterte an Formalitäten.» Bei den A-Junioren des FC Baar, die er als Captain anführte, wurde der 1,72 Meter grosse Mittelfeldspieler von Antonio Bozzi trainiert, der nach dem Abgang von Roli Widmer zu Zug 94 im vergangenen Frühling die erste Mannschaft übernahm.

Der ehemalige Baarer A-Juniorentrainer berief zu Beginn der laufenden Saison mehrere seiner einstigen Junioren ins Fanionteam. So auch den 20-jährigen Giordan Martino, der zusammen mit Gabriel Can im defensiven Mittelfeld agiert. Martino rechtfertigt das Vertrauen seines Trainers mit Übersicht, einem guten Passspiel und mit Zweikampfstärke. Selbstkritisch meint er: «Mein Direktspiel muss noch besser werden. Ich nehme den Ball noch zu oft an, bevor ich ihn weiterleite.» Er sei überzeugt, dass es seinem Trainer gelingen werde, diesen Schwachpunkt zu beheben. Der Trainer Bozzi arbeite sehr zielstrebig, und es sei ihm schon bei den A-Junioren gelungen, seine Vorstellungen umzusetzen. Um seine Ideen von einer gepflegten und erfolgreichen Spielweise der ersten Mannschaft des FC Baar einimpfen zu können, brauche es noch etwas Zeit.

Kurz vor dem Aufhören

Es ist nicht selbstverständlich, dass Martino noch Fussball spielt. «Nach vielen Verletzungen wie Bänderrissen, einem Handgelenkbruch und Schäden am Aussenmeniskus, derentwegen ich vor lauter Schmerzen kaum mehr gehen konnte, war ich drauf und dran, die Fussballschuhe für immer an den Nagel zu hängen», erklärt er, um auszuführen: «Heute bin ich froh, es nicht getan zu haben. Ich könnte mir derzeit ein Leben ohne Fussball nicht vorstellen.» Und dies, obwohl er Niederlagen kaum zu ertragen vermöge. Vor allem, wenn seine Mannschaft besser gespielt habe als der Gegner und trotzdem verloren habe, bleibe er äusserlich zwar ruhig, aber in seinem Innern brodle es jeweils gewaltig.

Martino bekennt: «Ich bewundere seit rund zehn Jahren die Spielweise des FC Barcelona, die auf viel Ballbesitz basiert. Es imponiert mir, wie die Katalanen die gegnerischen Teams laufen und deren Kräfte verpuffen lassen.» Sein Lieblingsspieler sei Lionel Messi, aber sein Idol sei Andrés Iniesta, der wie er im defensiven Mittelfeld die Sechserposition einnehme. Giordan Martino schwärmt nicht nur vom FC Barcelona. Er sagt: «Mich fasziniert auch die Stadt an sich mit den herrlichen Bauwerken von Antoni Gaudí, die unbegrenzten Ausgangsmöglichkeiten, die auch Fremden gegenüber lockeren Menschen, das angenehme Klima, der Strand und das tiefblaue Meer.» Nach dieser Aussage überrascht es nicht, dass der Baarer erzählt: «Ich habe schon dreimal mit Kollegen in Barcelona Ferien gemacht, und zweimal haben wir Iniesta, Messi und Co. im Camp Nou spielen gesehen.»

Klare Vorstellungen und Dankbarkeit

Der sich als «ehrlich, sehr umgänglich, zielstrebig und selbstbewusst» bezeichnende Martino sagt über seine beruflichen Aussichten: «Nach der obligatorischen Schulzeit habe keine passende KV-Lehrstelle gefunden. Ich habe das Brückenangebot genutzt und nicht locker gelassen, bis ich in einem Vermittlungsbüro in Sihlbrugg fündig wurde.» Mit berechtigtem Stolz verkündet er: «Im kommenden Sommer schliesse ich meine KV-Lehre ab.» Danach wolle er in die Rekrutenschule einrücken, die Matura machen und ein Jurastudium in Angriff nehmen.

Da er nebst Deutsch auch fliessend Italienisch und Englisch sowie gut Französisch spreche, könnte er sich vorstellen, später einmal in einer Anwaltskanzlei zu arbeiten. Zudem möchte er liebend gerne Südamerika bereisen und dabei noch Spanisch lernen.

Ihm sei es wichtig, möglichst viel Erfahrung zu sammeln, betont Giordan Martino. Unvermittelt erzählt er: «Ich liebe den Nervenkitzel, ich mag heftige Adrenalinschübe. Auf Zypern genoss ich Sprünge von hohen Klippen ins Meer, und im vergangenen Sommer, als ich mit drei Kollegen die Ferien im kroatischen Zadar verbrachte, hatte ich das Vergnügen, auf Jetskis mit 80 Stundenkilometern übers Wasser zu flitzen. Martino mag es wild. Aber glaubhaft versichert er: «Ich verbringe meine Zeit ebenso gerne mit meiner Mutter Maria Rosaria, die mich und meinen Bruder Alessio (16) allein grossgezogen hat. Ich schätze sehr, was sie in all den Jahren für uns gemacht hat – sie ist die beste Mutter der Welt.»

Heute Freitag empfängt der Tabellensechste FC Baar den fünftplatzierten FC Küssnacht (20 Uhr, Lättich). «Aufgrund der Tabellenlage erwarte ich ein ausgeglichenes Spiel», sagt Martino. Um gegen die «wohl defensiv ausgerichteten» Schwyzer gewinnen zu können, müsse Baar deren gefährliche Kontervorstösse unterbinden können.


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