Die Baarer Rechnung liegt vor: Ein Ertragsüberschuss von fast 20 Millionen

BAAR ⋅ Die Rechnung 2017 der Zuger Gemeinde weist einen gigantischen Überschuss aus: Statt der budgetierten knapp drei Millionen Franken schliesst sie mit einem gut sechsmal höheren Plus. Verantwortlich dafür sind vor allem unerwartet hohe Firmenerträge.
11. April 2018, 05:00

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

Der Gemeinde Baar geht es hervorragend. Nachdem im Jahr 2015 noch ein Minus von 1,4 Millionen Franken verzeichnet wurde, weist die Rechnung in den darauf folgenden Jahren nur noch schwarze Zahlen aus, mit 15,4 Millionen Überschuss im Jahr 2016 und 19,5 Millionen 2017 sogar gigantische Plusbeträge.

Laut Medienmitteilung der Gemeinde liegt das aber nicht an einer mangelhaften Budgetierung: «Der Baarer Budgetprozess ist mittlerweile so einjustiert, dass die Abweichungen in den von der Gemeinde beeinflussbaren Bereichen sehr gering sind.» Beim Personalaufwand von 59,1 Millionen Franken etwa habe es gar eine Punktlandung gegeben.

Verantwortlich für den hohen Überschuss seien jedoch die Fiskalerträge, die das Budget um 10,5 Millionen Franken überstiegen hätten. «Drei Viertel des Mehrertrages sind auf Firmen aus unterschiedlichen Geschäftsfeldern zurückzuführen, deren Steuersubstrat aufgrund ihres guten Jahresergebnisses 2016 gegenüber dem Vorjahr nochmals gestiegen ist», teilt die Gemeinde Baar mit. Die Gewinnsteuern aus Vorjahren seien innerhalb zweier Jahre um 13,6 Millionen Franken oder 50 Prozent angestiegen. Finanzvorstand Hans Steinmann präzisiert: «Vermutlich werden andere Zuger Gemeinden ebenfalls hohe positive Budgetabweichungen vermelden. Die Wirtschaft entwickelte sich einfach besser, als prognostiziert. Das war für uns im Vorfeld nicht einschätzbar.»

Die kantonale Steuerverwaltung, welche mit den Baarer Firmen im Gespräch sei, habe bestätigt, dass ein grosser Teil der höheren Gewinnsteuern nachhaltig ist, das heisst auch in den kommenden Jahren in ähnlichem Umfang zu erwarten seien, betont Steinmann. Für 2018 budgetiert ist ein Ertrag von 132,9 Millionen Franken sowie ein Aufwand von 132,8 Franken, woraus ein Überschuss von lediglich noch 100 000 Franken resultiert.

Der Solidaritätsbeitrag fiel weg

Ebenfalls positiv zu Buche schlug das an der Urne abgelehnte Entlastungsprogramm. Der dafür budgetierte Solidaritätsbeitrag an den Kanton im Umfang von 3,5 Millionen Franken konnte eingespart werden.

Die Nettoinvestitionen beliefen sich im Berichtsjahr auf 14,5 Millionen Franken. Davon entfielen 7 Millionen auf die Teilsanierung des Schulhauses Sternmatt II und 2,9 Millionen auf das Provisorium beim Schulhaus Wiesental. «In diese Neubau- und Sanierungsprojekte wird auch in den kommenden Jahren ein Grossteil der Investitionen fliessen», so Steinmann. Dank des unerwartet hohen Ertragsüberschusses beträgt der Selbstfinanzierungsgrad erneut über 100 Prozent. Die Investitionen konnten mit den erwirtschafteten Mitteln finanziert werden. «Auf der Aktivseite hat das Finanzvermögen dank der hohen Steuererträge um 11,4 auf 150,7 Millionen Franken zugenommen», informiert die Gemeinde. Infolge von Investitionen und Abschreibungen ist das Verwaltungsvermögen um 8,2 auf 57,9 Millionen Franken angestiegen.

Auf der Passivseite beträgt das Eigenkapital dank des Ertragsüberschusses 192,8 Millionen Franken. Das entspricht einer Eigenkapitalquote von 92,4 Prozent. «Die hohe Quote ist Zeichen für eine sehr gesunde Bilanz», betont Steinmann. «Es zeigt sich hier, dass wir die Ausgaben im Griff haben.»

Die langfristige Finanzplanung der Gemeinde gehe von steigenden Infrastrukturkosten und höheren Kosten im Alters-, Bildungs- und Sozialbereich aus, so Steinmann. «Baar ist finanziell gerüstet, die kommenden Herausforderungen anzupacken.» Es ist vorgesehen, dass die Gemeinde Baar aus dem Ertragsüberschuss 2017 weitere zweckgebundene Vorfinanzierungsreserven für zukünftige, noch nicht beschlossene Bauvorhaben bildet. «Eine Vorfinanzierung trägt dazu bei, dass die finanzielle Belastung bei Grossprojekten auf mehrere Jahre verteilt wird. So wird die kommende Generation von hohen Abschreibungen entlastet», stellt Steinmann fest.

Steuersituation wird langfristig eingeschätzt

Nachdem der Steuersatz für das Jahr 2018 bereits von 56 auf 53 Prozent gesenkt wurde, will die SVP-Ortspartei für das Jahr 2019 erneut eine Reduktion um zwei Prozent beantragen. «Es geht nicht an, dass die Gemeinde weiterhin in grossem Stil auf Vorrat Steuern einzieht», schreibt die Parteileitung.

«Es ist logisch, dass die Parteien auf diesen hohen Überschuss und das umfangreiche Eigenkapital reagieren», so Steinmann. «Aber wir müssen die Situation bei den Budgetverhandlungen im Herbst langfristig betrachten, also für die nächsten zirka fünf Jahre.»


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