«Es ist nicht aufgegangen»

WALCHWIL ⋅ Das Loris Coffee auf dem Dorfplatz ist Geschichte, der Pächter hat einer Pensionskassenforderung nicht nachkommen können. Er will in der Gemeinde bleiben und macht seinen Lieferanten ein Versprechen.
19. Mai 2017, 07:00

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

 

«Auflösung infolge Konkurs.» Es sind diese drei Worte aus dem Schweizerischen Handelsamtsblatt, die das Ende eines Traums bedeuten für Lorenz Trost. Nach etwas mehr als zwei Jahren hat der 45-Jährige das Café auf dem Walchwiler Dorfplatz aufgeben müssen. Trost hatte von Beginn an eine schwierige finanzielle Situation. Nun konnte er eine seit längerem ausstehende Pensionskassenforderung nicht fristgerecht begleichen, deshalb hat der Einzelrichter die Reissleine ge­zogen und über der GmbH den Konkurs verhängt. «Ich war brutal überrascht davon», sagt Trost, «denn ich konnte mich zuvor bei Ausständen immer auf Ratenzahlungen einigen.»

Der Aargauer hatte an die Chance des Cafés unter seiner Führung geglaubt, auch wenn er dafür «Tag und Nacht» gear­beitet und das Lokal zuletzt während sieben Tagen geöffnet hatte. «An den Umsätzen und an der Beliebtheit sieht man, dass es funktionieren würde», behauptet er. Trost weist zum wiederholten Mal auf die «schwierigen Umstände» der Zusammenarbeit mit der Einwohnergemeinde hin, der das Lokal gehört. Schon im Frühling 2016 verschaffte sich Trost in unserer Zeitung Luft, beklagte die vielen Vorgaben und den hohen Pachtzins.

«Es ist unter dem Strich einfach nicht aufgegangen», stellt er nun ernüchtert fest. «Letztlich», räumt der untröstliche Gastronom ein, «ist die Schliessung aber auf mein Versagen als Unternehmer zurückzuführen.»

Unterstützung aus der Bevölkerung

Wie geht es weiter? Die Gemeinde werde in nächster Zeit über die Zukunft des Cafés entscheiden, heisst es auf Anfrage. Trost, der in Walchwil wohnt, ist noch Gründer und Geschäftsführer eines Betriebs in Niederrohrdorf AG, der vor kurzem das Konzept auf mexikanische Küche geändert hat. Dieses Lokal sei «eine Herzensangelegenheit», Einkünfte daraus erhalte er seit seinem Einstieg in Walchwil keine. «Dort bin ich nur GmbH-Leiter», erklärt er. Deshalb sei er gegenwärtig auf Stellensuche in allen möglichen Branchen. «Hauptsache, ich kann wieder arbeiten.» Am liebsten würde er weiterhin in Walchwil leben und arbeiten. «Die Leute sind mir ans Herz gewachsen», sagt er. Nach der Schliessung des Cafés habe er grossen Zuspruch und sogar Angebote für finanzielle Unterstützung aus der Bevölkerung erhalten. «Am einfachsten wäre ein Abgang durch die Hintertür gewesen», sagt Trost, «aber so bin ich nicht. Ich werde die offenen Rechnungen bei meinen Lieferanten bis auf den letzten Franken begleichen – wenn möglich auch durch Abarbeiten.»

Hinweis

Lorenz Trost lädt die Bevölkerung heute Abend von 18 bis 19 Uhr zu einem «Dankeschön-Apéro» ein.


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